Industrie-Frauenkonferenz der Unia
Lohndiskriminierung: Der Boden, auf dem Gewalt gegen Frauen wächst

Frauen verdienen in der Schweizer Industrie monatlich immer noch bis zu 1700 Franken weniger als ihre männlichen Kollegen. Die Industrie-Frauenkonferenz der Unia fordert endlich ein Ende dieser Lohndiskriminierung und die Verbesserung des Gleichstellungsgesetzes.

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GEMEINSAM GEGEN LOHNUNGLEICHHEIT: Die Teilnehmerinnen der Industrie-Frauenkonferenz der Unia. (Foto: Unia)

Frauen aus allen Regionen und Branchen der Schweizer Industrie haben sich heute zur Industrie- Frauenkonferenz der Unia in Bern getroffen. Mit Ex-Bundesrätin Simonetta Sommaruga diskutierten sie über Lohndiskriminierung und Ungleichheit. Denn in der Schweizer Privatwirtschaft verdienen Frauen pro Monat im Schnitt immer noch 1453 Franken weniger als Männer. In der Textilindustrie und im Maschinenbau liegen die Lohnunterschiede sogar noch höher bei 1693 Franken, respektive 1643 Franken pro Monat.

Keine Kontrollen, keine Sanktionen

Das Gleichstellungsgesetz verpflichtet Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitenden, die Löhne in ihrem Betrieb alle vier Jahre auf Lohnungleichheit zu analysieren und die Resultate öffentlich zu machen. Dennoch haben fast die Hälfte aller etwa 6000 dem Gesetz unterstellten Unternehmen letztes Jahr keine Ergebnisse veröffentlicht. Die grosse Mehrheit der Unternehmen informiert die Mitarbeitenden nicht über die Resultate der Lohnanalysen, sagen die Teilnehmerinnen der Konferenz.

Die ehemalige SP-Bundesrätin  Simonetta Sommaruga war massgeblich daran beteiligt, die Lohnanalysen im Gleichstellungsgesetz zu verankern und kämpfte im Parlament erfolglos für stärkere Kontrollmechanismen. Sie sagt:

Es gibt zu viele Lücken in diesem Gesetz.

KENNT DIE SCHWACHSTELLEN DES GESETZES: Die ehemalige Bundesrätin Simonetta Sommaruga. (Foto: isc)

Nur eine Meldepflicht und Sanktionen gegen Firmen, die sich nicht an das Gesetz halten, könnten Lohnungleichheit auf breiter Basis reduzieren. Aktuell müssten Mitarbeitende und Gewerkschaften die Zahlen mit dem Verweis auf das geltende Recht aktiv einfordern und weiterhin Druck machen.

Feministische Mobilisierung wirkt

Die Mobilisierungsmacht der Frauen, die sich im letzten Dezember nach einem frauenfeindlichen Parlamentsentscheid in Bezug auf die Prävention von sexualisierter Gewalt zeigte, sieht Sommaruga als Basis für weitere Fortschritte, auch beim Gleichstellungsgesetz. Besonders in der Verantwortung sieht Sommaruga die Chefs und Chefinnen. Denn Lohn- und Chancengleichheit beginne ganz oben und würde sich auch positiv auf das Betriebsklima auswirken. Sommaruga sagt:

Lohngleichheit ist Chef- und Chefinnensache und nützt am Ende allen Beteiligen, Frauen und Männern.

Auch Rollenbilder müssten durchschaut werden, denn was als männlich und weiblich gelte, habe konkrete Auswirkungen auf die Arbeitswelt und das Zusammenleben. So sei die Rente bei Frauen im Durchschnitt immer noch 35 Prozent tiefer als bei Männern. Und Frauen arbeiten drei Mal häufiger Teilzeit als Männer und leisten jährlich unbezahlte Arbeit im Gegenwert von etwa 315 Milliarden Franken. Sommaruga sagt: «Lohndiskriminierung schafft die Ungleichheit immer wieder neu und auf diesem Boden wächst auch die Gewalt gegen Frauen.»

Lohnanalysen: Rückwärts statt vorwärts

Die Motion von FDP-Nationalrat Peter Schilliger, die am 27. März in der vorberatenden Kommission im Ständerat (WBK-S) besprochen wird, will die ohnehin beschränkten Instrumente der Lohnanalyse weiter schwächen und unbrauchbar machen. Schichtzulagen sollen von der Lohnanalyse ausgenommen werden, obwohl sie in typischen Frauenberufen häufig tiefer angesetzt werden. In einer Resolution forderten die Teilnehmerinnen der Industrie-Frauenkonferenz die Mitglieder WBK-S auf, diese Motion abzulehnen.

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