Nach langem Kampf der Büezerinnen und Büezer
Lohnerhöhung von 1,5 Prozent in Berner Toblerone-Fabrik

Anfang April steigen die Löhne der 220 Mitarbeitenden in der Berner Toblerone-Fabrik um 1,5 Prozent. Geschenkt war das nicht: Die Lohnerhöhung für alle ist die Folge eines mehrjährigen Kampfes der Belegschaft. 

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MEHR GELD FÜR SCHOGGI-BÜEZERINNEN UND -BÜEZER IN BERN: In der Toblerone-Fabrik zahlt sich der Arbeitskampf nun aus. (Foto: Keystone)

Betriebselektriker Urs Brunner (55) ist glücklich über das Resultat der Lohnverhandlungen: «Nach jahrelangen Auseinandersetzungen haben wir nun endlich eine Lohnerhöhung, die allen im Betrieb zugute kommt und nicht gleich von der Teuerung weggefressen wird.» Eine generelle Lohnerhöhung von 1,5 Prozent ist das erfreuliche Resultat der diesjährigen Lohnverhandlungen. Zusätzlich gibt es noch 0,4 Prozent individuelle Lohnerhöhungen. Brunner sagt:

Dieses Jahr hat die Geschäftsleitung bei den Verhandlungen Wertschätzung für unsere Arbeit gezeigt, und wir mussten nicht streiten.

Arbeitskampf als Grundlage 

Vor drei Jahren war das noch anders. Damals ging Brunner auf die Barrikaden und wehrte sich zusammen mit seinen Kolleginnen und Kollegen gegen Mondelez – der US-Konzern ist Besitzer der Toblerone-Fabrik in Bern Brünnen. Trotz Teuerung und der Einführung eines Vier-Schicht-Betriebs wollte Mondelez die Löhne nicht erhöhen. Damals war Brunner auch als Redner am 1. Mai auf dem Bundesplatz. Bei einem Treffen mit Bundesrätin Elisabeth Baume-Schneider machte er sich für die Rechte seiner Kolleginnen und Kollegen stark.

Die Belegschaft forderte 6 Prozent mehr Lohn als Ausgleich für steigende Lebenshaltungskosten und die höhere Arbeitsbelastung. Trotz dem Milliardengewinn von Mondelez waren die Reallöhne rückläufig, und nach einer kollektiven Lohnerhöhung im Jahr 2023 gab es im Folgejahr wieder nur individuelle Lohnerhöhungen. Für Unia-Sekretär Ivan Kolak ist das diesjährige Resultat die Folge der langjährigen Aufbauarbeit:

Wir haben uns über mehrere Jahre hinweg gewehrt und immer wieder Konflikte ausgetragen.

Nie aufgeben

Wichtig sei, dass die Belegschaft nie aufgegeben habe und auch kleine Erfolge feierte, sagt Kolak. Zudem sei auch die Vernetzung mit den anderen europäischen Standorten und Betriebskommissionen ein Vorteil bei den Verhandlungen mit Mondelez gewesen. Kolak sagt: «In der Oreo-Fabrik von Mondelez in Spanien gab es 2024 einen zweimonatigen Streik, bis der Konzern zu einem Kompromiss bereit war.» Auch in Frankreich, Deutschland und Österreich hat Mondelez Zugeständnisse gemacht und kollektiven Lohnerhöhungen zugestimmt. Dass in der Berner Fabrik jetzt nicht nur 65 Millionen Franken in neue Maschinen investiert werden, sondern auch in die Menschen, sieht Kolak als eine erfreuliche Entwicklung. 

Rückkehr zur Swissness, aber nicht in die Schweiz

PRODUKTION: Die Toblerone-Fabrik in Bern-Brünnen. (Foto: Keystone)

Täglich produziert die Fabrik in Bern-Brünnen 4 Millionen Stangen Toblerone. Seit 2025 ziert auch ein Schweizer Kreuz die Verpackung. Dies, nachdem Mondelez 2023 das Matterhorn verschwinden liess, weil der Konzern einen Teil der Produktion nach Bratislava ausgelagert hatte. Die Verwendung von Schweizer Nationalsymbolen auf Verpackungen von Lebensmitteln ist nur erlaubt, wenn 80 Prozent des Gewichts der verwendeten Rohstoffe, die in der Schweiz existieren, auch aus der Schweiz stammen und die wesentlichen Verarbeitungsschritte in der Schweiz stattfinden. Das scheint für das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum gegeben. Doch die Bauern sehen das anders: Mitte Februar protestierten Bauern vor der Fabrik in Bern Brünnen, weil Mondelez Butter aus der EU statt aus der Schweiz für die Produktion verwenden will.

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