Plüschmonster Labubu
Von Kindern gemacht –mit Verträgen zum Gruseln

Die knalligen Plüschmonster namens Labubu sorgen für ­riesige Begeisterung. Jetzt zeigt eine neue Untersuchung: Für die Produktion der Plüschtiere werden in China Minderjährige ausgebeutet.

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LABUBU? BUH! Eine Plüschfigur kostet in der Herstellung 60 Rappen. Die Arbeitenden stehen für einen Hungerlohn am Fliessband. (Foto: Keystone)

Sie sind flauschig, bunt und bei Gross und Klein beliebt: Labubus. Aktuell kosten die frech grinsenden Plüschmonster zwischen 25 und 50 Franken. Auch Erwachsene erfreuen sich daran, darunter Sängerinnen wie Cher oder Lady Gaga. Die knalligen Labubus tragen Promis gern als ­Fashion-Accessoire und hängen sie an teure Designertaschen. Ein absurdes Phänomen. Doch was ist der Preis dafür?

Blanko-Verträge

Jetzt enthüllt die Nichtregierungsorganisation China Labor Watch (CLW): Labubu-Lieferanten beuten in ihren Fabri­ken die Arbeiterinnen und Arbeiter aus. ­Besonders skandalös:

Viele der betroffenen ­Büezerinnen und Büezer sind zwischen 16 und 18 Jahre alt.

Gemäss chinesischem Arbeits­gesetz ist es erlaubt, in diesem Alter ­berufstätig zu sein, doch müssen besondere Schutzmassnahmen ein­gehalten werden. In der Labubu-Fabrik war dies Fehlanzeige. Die Details sind erschreckend. Laut der Untersuchung wurden minderjährige Arbeiterinnen und Arbeiter im Betrieb von Shunjia Toys gezwungen, Blanko-Arbeitsverträge zu unterzeichnen. Sie hatten nur fünf Minuten Zeit, die persönlichen Angaben im Vertrag zu ergänzen und zu unterschreiben. Informationen zu Vertragsdauer, Arbeits­inhalt, Lohn und Sozialversicherung sind im Vertrag nicht enthalten. In ihrem Bericht schreibt die CLW: «Die minderjährigen Arbeiter verstanden nicht die Art der Verträge, die sie unterzeichneten, und hatten keine klare Vorstellung von ihren Rechten, als sie danach gefragt wurden.»

Überstundenà gogo

Die 16- bis 18jährigen wurden in der Fabrik zur Fliessbandarbeit verdonnert. Ihre Arbeitsbelastung sowie ihre Produktionsziele unterschieden sich nicht von jenen der erwachsenen Arbeiterinnen und Arbeiter.

Weil der Ansturm auf die Plüschmonster so gross war, schrieb Shunjia Toys vor, dass ein Team von 25 bis 30 Arbeiterinnen und Arbeitern täglich 4000 Labubus zusammennähen musste.

Das Resultat: Überstundenà gogo. Laut chinesischem Arbeitsgesetz sind monatlich 36 Überstunden erlaubt. Im untersuchten Betrieb stellte die NGO fest, dass die ­Arbeiterinnen und Arbeiter mehr als 100 Überstunden pro Monat leisteten. Doch damit nicht genug.

Es ist die Diddl-Maus oder die Pokémon-Karte der heutigen Generation. Alle sind verrückt nach Labubus! Die kleinen Plüschmonster haben im vergangenen Jahr gerade via Tiktok einen Hype ausgelöst, der bemerkenswert ist.

MANOR ÜBERRANT. Weltweit sind Gross und Klein angefressen vom Plüschmonster. Der Clou daran: Die Plüschtiere werden in einer Box gekauft, ohne dass die Kaufenden wissen, welches Labubu aus der Kollektion genau erworben wird. Diese «Geheimnislüfterei» wurde besonders in den Social Media inszeniert. Auch in ­der Schweiz war der Ansturm riesig: Der Detailhändler Manor nahm das Plüschtier im Juni ins Sortiment auf und wurde überrannt.

23 Franken Tageslohn

Die NGO prangert auch unhygienische Lebensbedingungen an, unzureichenden Brandschutz oder sexuelle Belästigung durch das Management. Und tiefe Produktionskosten auf dem ­Buckel der Arbeiterinnen und Arbeiter. Der ­Tageslohn in der Labubu-Fabrik beträgt rund 23 Franken. Wohlgemerkt: pro Labubu liegen die Kosten für die Herstellung (Produktion und Verpackung) bei 60 Rappen. CLW schreibt dazu:

«Niedrige Arbeitskosten sind nur ein Symptom für Arbeitspraktiken, die darauf abzielen, die Arbeitnehmer systematisch zu kontrollieren und die Produktionskosten zu senken.»

Pop Mart drückt sich

Und was sagen die Verantwortlichen? Der Spielzeughersteller Pop Mart äussert sich dazu noch verhalten. Shunjia Toys ist einer von vielen Zulieferern.

Das Labubu-Geschäft ist für Pop Mart eine Goldgrube.

Allein in der ersten Jahreshälfte von 2025 generierte der Spielzeughersteller einen Umsatz von 48 Milliarden chinesischen Yuan, was umgerechnet rund 630 Millionen Schweizer Franken entspricht. Monat­lich wurde ­Pop Mart mit 30 Mil­­lio­nen Plüschmonstern ­beliefert.

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