Neues Buch von Star-Ökonom Zucman
Reiche richtig besteuern

Zwei Prozent Steuern auf die Vermögen der Ultrareichen, das fordert der französische Ökonom Gabriel Zucman (39) in einem neuen Buch. Im Falle der Schweiz brächte das bis zu 20 Milliarden Franken Mehreinnahmen. Brisant: ein Ultrareicher sieht’s recht ähnlich.

Gabriel Zucman begann seine berufliche Karriere mit Nachforschungen in den Archiven von Schweizer Banken. Im Alter von 21 Jahren studierte er Zahlungsbilanzen und Vermögenswerte und wollte verstehen, wie die Steuerflucht funktioniert. Heute, 18 Jahre später, ist Zucman Professor für Wirtschaftswissenschaften in Paris und einer der engagiertesten und bekanntesten Kämpfer für die Besteuerung von Ultrareichen. In Frankreich ist sein Vorschlag für eine Reichensteuer unter dem Namen «Zucman-Steuer» bekannt. Im letzten Sommer hat sie die Mehrheit im französischen Senat abgelehnt. Aber Zucman kämpft weiter. Auch mit seinem neusten Buch, das jetzt in deutscher Fassung erschienen ist.

Geringe Abgaben für Ultrareiche

Zucman beschäftigt sich mit der Frage: Warum bezahlen Milliardärinnen und Milliardäre auf ihre Einkommen heute so geringe Abgaben? Alle Einkommensgruppen ausser den Ultrareichen zahlen in Frankreich rund 50 Prozent ihres Einkommens für Steuern und Abgaben. Damit finanzieren sie die öffentlichen Dienstleistungen, Renten und den sozialen Ausgleich. Doch bei den Ultrareichen ist die offizielle statistische Erfassung dieser Daten nicht vorhanden. Französische Forscherinnen und Forscher durchleuchteten in den letzten Jahren daher die Vermögenswerte von Ultrareichen und stellten fest, dass bei dieser Gruppe die Abgabenquote bei lediglich etwa 25 Prozent, also halb so hoch wie bei der restlichen Bevölkerung liegt.

Ihr Vermögen steigerten sie in den letzten Jahrzehnten vor allem durch den Besitz von Unternehmen, im Schnitt jährlich um 6 Prozent. Doch diese Einkommen bleiben fast steuerfrei, weil sie als Dividenden häufig steuerfrei an Holdinggesellschaften ausbezahlt werden. Und Präsident Emmanuel Macron sogar eine moderate Vermögenssteuer ganz abgeschafft hat.

Gerecht und notwendig

Auf 50 Seiten erklärt Zucman in seinem Buch auf unkomplizierte Weise, warum eine neue Vermögenssteuer für Ultrareiche die Steuerumgehung verhindert und mit einem Steuersatz von zwei Prozent auf alle Vermögen über 100 Millionen Euro gerecht und für demokratische Staaten eine Notwendigkeit ist. Wegen der wachsenden Ungleichheit und dem Einfluss, welche Ultrareiche über Firmen und via Lobbying auf die Politik ausüben. Inzwischen besitzen die 500 reichsten französischen Familien Vermögen, die 42 Prozent des französischen BIP entsprechen.

300 Reichste in der Schweiz

In der Schweiz ist die Situation noch extremer. Mit einem Vermögen von über 850 Milliarden Franken übersteigt der Reichtum der 300 reichsten Familien inzwischen erstmals die gesamte jährliche Wirtschaftsleistung der Schweiz. Trotz einer Vermögenssteuer, die im kantonalen Schnitt bei 0,4 Prozent liegt, werden die Ultrareichen auch in der Schweiz jedes Jahr noch reicher. Alleine die 41 Milliardäre steigerten ihre Vermögen im letzten Jahr um fast 15 Milliarden Franken. Eine Steuer auf die Vermögen der Schweizer Ultrareichen in der Höhe von zwei Prozent würde jährlich bis zu 20 Milliarden Franken zusätzlich in die Kassen von Bund und Kantonen spülen.

Damit wäre der Bundeshaushalt ohne jegliche Sparmassnahmen saniert und auch ein Klimafonds locker finanziert.

Zucman schreibt in seinem Buch auch, wie die Steuer ohne Schlupflöcher und unter Berücksichtigung des Fortbestands der Unternehmen im Besitz von Milliardären umgesetzt werden kann. Damit Steuerflucht nicht möglich ist, schlägt Zucman vor, dass die Vermögen auch nach einem allfälligen Wegzug von Milliardären weiterhin besteuert werden. Und zur Sicherung der Unternehmen sollen die Steuern auch in Aktienanteilen zuhanden eines Staatsfonds beglichen werden können.

Gantner-Steuer

In der Schweiz sprach sich jüngst auch ein prominenter Milliardär für die höhere Besteuerung der Vermögen von Ultrareichen aus: Alfred «Fredy» Gantner (57), Mitgründer der Investmentfirma Partners Group. Doch ob Gantner den Vorschlag von Zucman mit einer Vermögenssteuer in der Höhe von zwei Prozent unterstützt, bleibt unklar.

Sicher ist, dass viele Ultrareiche, wie zum Beispiel die Blochers oder in Frankreich der Bolloré-Clan, sich vehement gegen eine Erhöhung der Vermögenssteuer zur Wehr setzen.

Zucman ist trotz dieser grossen politischen Widerstände optimistisch und schreibt zum Schluss des Buches: «Die Mindeststeuer für Ultrareiche wird sich letztlich als das durchsetzen, was sie ist: eine Selbstverständlichkeit.»

Reichensteuer. Aber richtig! Gabriel Zucman, 2026, Suhrkamp Verlag, 63 Seiten.

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