Energiekonzerne machen Milliardengewinne, Verbrauchende bluten
Strompreis: Fette Aufschläge, dünne Begründung

Unter der Kaufkraftkrise leiden Niedrigverdienende schon lange. Jetzt trifft ­sie die Mittelschicht mit voller Wucht. Das ist kein Naturgesetz, sondern die Folge bürgerlicher Politik. Zum Beispiel bei den Strompreisen.

HOHE SPANNUNG, SATTE MARGEN: Die Gewinne der Energiekonzerne sind in der ersten Jahreshälfte förmlich exlpodiert. (Foto: Keystone)

Der Strom, der letztes Jahr aus den Schweizer Steckdosen kam, stammte zu rund 79 Prozent aus erneuerbaren Energien: zu 65 Prozent aus Grosswasserkraftwerken und zu knapp 14 Prozent aus Photovoltaik, Wind, Kleinwasserkraftwerken und Biomasse. Knapp 20 Prozent stammten aus Atomkraft und knapp 2 Prozent aus fossilen Energieträgern.

2022 stiegen die Strompreise für Haushalte und KMU im Mittel um 27 Prozent. Besonders hart von Aufschlägen betroffen waren Kundinnen und Kunden von Elektrizitätswerken, die eigentlich keine Werke sind, sondern Spekulanten. Ihr Geschäftsmodell: Sie kaufen den Strom an der Börse ein und verkaufen ihn dann teurer an ihre Kundschaft. Ganz besonders hart von Preissteigerungen getroffen mit Aufschlägen teilweise im dreistelligen Prozentbereich wurden jene Gewerbler und Gastronominnen, die ihren Verbänden glaubten. Und sich mit dem Schlachtruf «Einmal frei, immer frei» in den sogenannt freien Markt stürzten. Die Manager und das Aktionariat der grossen Stromkonzerne dagegen leben sehr gut davon, im internationalen Stromcasino zu spekulieren, statt die Versorgungssicherheit der Schweizer Haushalte und Unternehmen zu sichern.

Der Strompreis steigt im Mittel um 18 Prozent.

MILLIARDEN-GARANTIEN

Als «der Markt» als Folge der Verwerfungen nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine durchdrehte, hatten die Schweizer Stromkonzerne ein Problem. Zwar konnten sie ihren günstig produzierten Strom aus Wasserkraft und Uralt-Atommeilern plötzlich zum Preis verkaufen, den Strom aus Gaskraftwerken kostet. Der wurde wegen des explodierenden ­Gaspreises enorm teuer. Um ihre Wetten aufrechtzuerhalten, mussten Axpo, Alpiq & Co. ­Garantien hinterlegen. Es wurde eng. Und wie bei Banken, die sich verzocken, sprang der Bund auch hier ein und stand den Strom­zockern mit einem Milliarden-Rettungsschirm bei. Über das irre Preisfestlegungsmodell im internationalen Stromhandel hat work am 16. September 2022 berichtet und prophezeit, dass die Strom­barone spätestens im laufenden Jahr Gewinne von Hunderten Millionen einfahren würden. Abgesichert durch Volksvermögen, ohne das die Konzerne den Stromcasino-Spieltisch hätten verlassen müssen. Und so kam es auch. Die Gewinne der Energiekonzerne sind im ersten Halbjahr 2023 explodiert. Alleine die Axpo fuhr 2,2 Milliarden Gewinn ein, und die Alpiq steigerte den ihren um über eine halbe Mil­liarde im Vergleich zum Vorjahr.

NOCH HÖHER

Während sich die Lage auf den Energiemärkten massiv entspannt hat, schlagen die meisten Elektrizitätswerke auf die bereits vergangenes Jahr explodierten Tarife noch einmal massiv drauf: im Mittel um 18 Prozent. Ausserdem sind 2024 im Strompreis zum ersten Mal die Kosten für die Stromreserve des Bundes enthalten. Die Stromkonzerne werden mit Steuergeldern dafür «entschädigt», dass sie, statt mit allem Strom zu spekulieren, mit einem kleinen Teil auch auf die Versorgungssicherheit schauen. Was sie offensichtlich nicht freiwillig machen. Die Gewerkschaften haben bereits im vergangenen Jahr ­gefordert, dass diese Kosten nicht auf die Haushalte abgewälzt werden, sondern – wenn schon – aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden.

Ein weiteres Geschenk auf Kosten der Strombeziehenden erhalten die Strombarone von SVP-Bundesrat Albert Rösti: 4,15 Prozent Kapitalkosten für ihre «Investitionsrisiken» dürfen sie zusätzlich auf die Konsumentinnen und Konsumenten überwälzen. Obwohl sie diese Investitionen bereits in den Strompreis einpreisen können.

Übrigens: Banken und Versicherungen sollen die Altersguthaben der Versicherten nur mit 1,25 Prozent verzinsen müssen.

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