Rosa Zukunft ‒ Technik, Umwelt, Politik

Windparks in Norwegen: Rentiere fressen kein Geld

Wir können den ökologischen Umbau nur zusammen mit der betroffenen Bevölkerung und nicht gegen sie realisieren. Das zeigt der Fosen-Vind-Windpark im hohen Norden, an dem auch die Credit Suisse und die BKW beteiligt sind. Rechtswidrig, wie sich nun zeigt.

GEGENWIND: In Norwegen investierten Credit Suisse und BKW in einen Windpark auf einer Fläche, die die Sami für ihre Rentiere nutzen. Samin Maja Kristine Jåma wehrte sich erfolgreich gegen die Windräder. (Foto: Getty)

Im August 2021 wurde der Windpark Fosen Vind in Norwegen eingeweiht. Die «Rosa Zukunft» hat über dieses Projekt vor Jahren positiv berichtet. 277 Windräder der 3,5-MW-Klasse produzieren an diesem ausgezeichneten Wind­standort 3,4 bis 3,9 Milliarden Kilowattstunden Strom im Jahr. Fast doppelt so viel wie das grösste Wasserkraftwerk der Schweiz, die Grande Dixence. Die Investitionskosten sind mit 1,3 Milliarden Franken extrem tief. Investiert in diese gigantische Anlage auf der Halb­insel Fosen haben neben anderen auch die BKW und die Credit Suisse (CS).

FRAUENPOWER. Die BKW gehört mehrheitlich dem Kanton Bern. Und die CS profitiert als systemrelevante Bank von einer Gratis-und-franko-Staats­garantie der Eidgenossenschaft. Was Ex-CS-Chef Urs Rohner & Co. nicht daran hinderte, im afrikanischen Moçambique eine Riesenschweinerei anzurichten. Es geht um Bestechungsgelder und Korruption in Millionenhöhe. Um einen Kreditschlamassel mit dramatischen wirtschaftlichen Folgen für die Bevölkerung, um Armut und Menschenleben.

Zurück in den kalten hohen Norden. 2016 fuhren die Bagger auf. Niemand nahm die Sami ernst, die diese Flächen mit ihren Rentieren nutzten. Ihr Standpunkt: Dieses Land gehört uns und niemandem sonst. Sie zogen von Gericht zu Gericht und verloren vorerst alle Prozesse.

Den letzten Prozess vor dem höchsten Gericht in Norwegen gewannen sie nun. Die deutsche «Zeit» berichtet: «Sie ziehen ihren Tieren hinterher, von Sommerweide zu Winterweide und zurück. Gleichzeitig zogen sie jahrelang von Gericht zu Gericht. Immerhin haben sie Verbündete: die Vereinten Nationen.

Gemäss Artikel 27 des Internationalen Pakts über bürgerliche und politische Rechte dürfen ethnische Minderheiten nicht daran gehindert werden, ihre Kultur auszuüben. Darum kam das höchste Gericht Norwegens zum Schluss, dass die Lizenz für die Windparks nicht hätte vergeben werden dürfen. Die Samin Maja Kristine Jåma war und ist mit ihrer Züchtergemeinschaft ­übrigens die treibende Kraft im Kampf gegen Fosen Vind. Und hat jetzt vom höchsten Gericht recht bekommen. Viel ­Frauenpower im hohen Norden.

WAS LERNEN WIR DARAUS? Internationales Recht bricht also nationales Recht. Richtigerweise! Wie weiter? Rückbauen wird die Windräder ver­mutlich niemand. Aber die BKW und die Credit Suisse werden hoffentlich finanziell massiv bluten müssen. Wobei die Sami wissen: «Rentiere fressen kein Geld.»

Man kann heute Omeletten ohne Eier machen. Aber noch nicht genügend neue erneuerbare Kilowattstunden ohne Freiflächen für Wind- und Solarenergie. Wir können den ökologischen Umbau zudem nur zusammen mit der betroffenen Bevölkerung und nicht gegen sie realisieren. Wir müssen mit ihr und nicht gegen sie bauen.

Auf dem Gebiet der beiden dünnbesiedelten Walliser Gemeinden Gondo und Simplon Dorf könnte man übrigens mit solaren bifazialen Freiflächen doppelt so viel Solarstorm produzieren wie mit den Anlagen von Fosen Vind. Mal schauen, wer wie viel aus dem Fall Fosen Vind gelernt hat.

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