Editorial

Maskenlose Freiheit

Marie-Josée Kuhn

Marie-Josée Kuhn, Chefredaktorin work

Endlich können wir wieder in die Beiz! Und erst noch ohne Maske. Zertifikat sei Dank! Und endlich können wir die Feste wieder feiern, wenn sie fallen: Das Fest zu 20 Jahren work in der «Heiteren Fahne» in Bern jedenfalls war sehr, sehr heiter. Davon zeugen die tollen Bilder von Fotograf Matthias Luggen (Seite 15). Wieder einmal feiern und tanzen «oben ohne» – und alle lassen ihre Masken fallen. Kein Wunder, unterstützt die Mehrheit der Bevölkerung die Zertifikatspflicht, wie die Corona-Umfrage der SRG zeigt. Ende Oktober waren 61 Prozent für das Covid-Zertifikat. Es hat sich inzwischen ja auch bewährt. Auch für die Wirtinnen und Wirte. Einmal kontrollieren, und gut ist für den Rest des Abends. Dass es eine Erleichterung ist für die Hotel- und Gastrobranche, wenn sie nicht mehr länger Masken-Polizei spielen muss, hat unterdessen sogar der (immer noch ungeimpfte?) Hotelier und Polter-Chef von Gastrosuisse, Casimir Platzer, begriffen. Für die Tourismusbranche ist das Zertifikat nämlich ebenfalls ein Lichtblick. Da können die wilden Walliser Wirte-Brüder Aufdenblatten noch lange mit den Trychlern für ihre «Walliserkanne» werben.

Ein Nein zum Covid-Gesetz wäre ein Schuss ins eigene Knie.

VIEL GELD. Die Trychler und Corona-Schwurbler sind laut und schrill. Und die Medien stellen sie noch so gerne in ihre Schaufenster. Das macht Wahnwitzigkeit aber nicht weniger wahnwitzig. Am 28. November stimmen wir nicht über einen «Impfzwang für alle» ab! Auch nicht über einen «impliziten». Und auch nicht darüber, ob es Corona gibt oder nicht. Beim Covid-Gesetz geht es auch nicht nur um ein Ja oder ein Nein zum Zertifikat. Sondern um ganz schön viel Geld. Um Finanzhilfen für Lohnabhängige und KMU. Um verbesserte Wirtschaftshilfen für Arbeitnehmende und Unternehmen, die wegen der Pandemie vorübergehend schliessen mussten oder hohe Umsatzeinbussen erlitten. work
hat zusammengestellt, worum es am 28. November wirklich geht (Seite 5).

KLASSENKRAMPF. Es steht also viel auf dem Spiel. Viel maskenlose Freiheit und viel Finanzhilfe. Ein Nein zum Covid-Gesetz würde beides gefährden. Ein Nein zum Covid-Gesetz wäre also ein Schuss ins eigene Knie. In alle Knie. Etwas, das richtig wehtäte. Besonders jenen, denen die Pandemie sowieso schon übel mitgespielt hat. Den Gering- und Normalverdienenden: Sie haben in der Coronakrise massiv an Kaufkraft verloren. Auch das zeigt eine SRG-Umfrage. Menschen mit einem Haushaltseinkommen von unter 4000 Franken pro Monat verloren fast 20 Prozent ihres Einkommens. Derweil die Reichen und Stinkreichen dank Corona weiter zulegen konnten. Seuchen sind immer Klassenkrampf. Auch darum geht es am 28. November.

Und jetzt Hand aufs coronamüde Herz: Wollen Sie diesen wirklich befeuern? Nein? Dann gibt’s nur: ein Ja.

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