Rosa Zukunft ‒ Technik, Umwelt, Politik

Antibiotika der nächsten Generation: Eidgenossenschaft soll jetzt die Pharmafirma Sandoz kaufen!

Sehr gut: Jetzt fordert die SP die Verstaatlichung der Sandoz. Die Novartis-Tochter ist die einzige Herstellerin von Penicillin in Europa. Und hier tickt die nächste medizinische Zeitbombe. Denn immer mehr Erreger sind gegen die bisherigen Antibiotika ­resistent. Wir brauchen dringend bessere Antibiotika und eigene Produktionsanlagen.

RONJA JANSEN: Die Juso-Präsidentin fordert die Sandoz-Verstaatlichung. (Foto: Keystone)

Die Erben des Pharmakonzerns Roche kaufen dem anderen Pharmakonzern Novartis seine Roche-Aktien ab. Gewinn fürs Novartis-Aktionariat: 20 Milliarden Franken. Jetzt will Novartis auch noch ihre Tochter Sandoz verkaufen. Weil sie zu wenig Gewinn abwerfe. Das soll weitere 25 Milliarden in die Kassen der Gierigen spülen.

Sandoz ist die einzige Herstellerin von Penicillin in Europa. Hier tickt die nächste grosse medizinische Zeitbombe. Denn immer mehr Erreger sind gegen die bisherigen Antibiotika resistent. Wir brauchen als Gesellschaft bessere Antibiotika und eigene Produktionsanlagen, um diese herstellen zu können.

Fernsehen SRF sendete eine Speichellecker-Dokumentation über die Erben des Roche-Konzerns (siehe Link rechts unten).

SPEICHELLECKEREI 1: Die Erbinnen und Erben kassieren jedes Jahr 729 Millionen Franken fürs Nichtstun. Anstatt ihnen auf die zu goldenen Zähne zu fühlen, fragte man die Abzocker, ob Roche-CEO Severin Schwan wirklich seine 15 Millionen Franken pro Jahr wert sei.

SPEICHELLECKEREI 2: Roche und Novartis haben bei der Entwicklung von Impfstoffen und Medikamenten gegen Covid-19 krass versagt. Warum? Das hätte man die Roche-Erben und das Management fragen müssen.

SPEICHELLECKEREI 3: Und keine Frage zum brennenden Antibiotika-Problem. Ganz nebenbei erklärt uns CEO Schwan in diesem SRF-Dok, wie wenig innovativ Pharmariesen wie Roche sind: «99 Prozent der Innovation im wissenschaftlichen Bereich, im medizinischen Bereich passiert irgendwo ausserhalb von der Roche, und deshalb ist es ganz entscheidend für uns, diese Innovationen, die überall auf der ganzen Welt entstehen, in der akademischen Welt, in anderen Unternehmen, in die Roche hineinzubringen.»

Besser kann man das Geschäftsmodell dieser Basler Erben-Staubsauger schwer umschreiben. Die Gewinne der Erbinnen und Erben sind wichtiger als Innovation und vernünftige Medikamentenpreise. Weil es sonst mit den Antibiotika morgen noch schlimmer aussieht, als es am Anfang der Coronakrise mit dem Nachschub an Masken aussah. Die Rosa Zukunft könnte also sein:

SANDOZ 1: Die Schweizerische Nationalbank ist faktisch ein Staatsfonds mit einem Vermögen von 1000 Milliarden Franken. 200 Milliarden davon hat sie vorab in US-amerikanische Tech-Aktien angelegt. Der Bund soll Sandoz kaufen, und die Nationalbank soll diesen 25-Milliarden-Deal finanzieren. Mit 2,5 Prozent ihres Vermögens. Und somit aus der Portokasse.

SANDOZ 2: Die Schweizer Hochschulen und die Schweizer Universitäts­spitäler sind in Sachen Forschung weltweit Spitze (siehe auch Artikel oben). Der Nationalfonds müsste ein grosses Programm auflegen, damit wir in der Schweiz die Antibiotika der nächsten Generation entwickeln. Und zwar Tempo Teufel!

SANDOZ 3: Der wichtigste Produk­tionsstandort von Sandoz befindet sich in Kundl im österreichischen Tirol. Nichts würde die Beziehungen zu Österreich nachhaltiger verbessern als eine intelligente schweizerische Industriepolitik mit Sandoz-Tirol als einem der Standbeine. Das wäre nach dem Abbruch des Rahmenabkommens mehr als sinnvoll.

SANDOZ 4: Serge Gaillard, der ehe­malige Chefökonom des Gewerkschaftsbundes und nachmalige ­Direktor der Eidgenössischen Finanzverwaltung, ist heuer einer von nur sieben Verwaltungsräten des Zürcher Unispitals. Gesundheitsminister Alain Berset müsste ihn mit der Umsetzung des Verstaatlichungsplanes der ­Sandoz beauftragen.

Links zum Thema:

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.