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Windcatcher: Schwimmen nächstens solche Windkraft-Dinosaurier vor den Küsten von Helgoland?

Deutschland will bis 2045 klima­neutral werden. Schneller als die Schweiz. Das geht nur mit mehr Windkraftwerken im Meer. Mit ­ihren Windcatchern versprechen norwegische Investoren eine schnelle Revolution. Derweil ein Schweizer Professor immer noch auf Atomkraft setzt.

WINDKRAFT-GIGANT: Der Windcatcher ist 300 Meter hoch und 400 Meter breit und produziert bis zu 400 Millionen Kilowattstunden Strom pro Jahr. (Foto: windcatching.com)

Tobias Straumann ist Wirtschafts­historiker. Es lohnt sich, seine Kolumnen zu lesen. Fast immer. In der Zwischenzeit ist er ordentlicher Professor. Kürzlich legte er seine Sicht in Sachen ökologischem Umbau dar.

Straumann 1: Italien will und wird innert 10 Jahren einen Drittel seines Stromverbrauches zusätzlich mit neuen erneuerbaren Energie erzeugen. Wenn die Schweiz gleich schnell ist, können wir bereits 2032 die Atomkraftwerke abstellen und uns selbst versorgen. Dieses Tempo blendet Straumann allerdings aus.

Straumann 2: Ganz technologieoffen will Straumann auf die Option Atomkraftwerke nicht verzichten. Genau wie Microsoft-Mitbegründer Bill Gates. Man wisse ja nicht, ob nicht eines Tages kleine, sichere und in Serie produzierte Atomkraftwerke günstigen und CO2-freien Atomstrom liefern würden. Die Wahrheit: Wir brauchen diese Papier-Tigerli nicht, weil Strom aus Sonne und Wind laufend günstiger wird. Dazu kommt: Das Problem der heutigen und der künftigen Atomkraftwerke löst sich von selber, wenn die Betreibenden ihre Risiken versichern müssten, weil kein Rückversicherer dieser Welt solche Risiken versichern will.

Straumann 3: Das grösste Risiko für die Schweiz ist ein flächendeckendes und lang andauerndes Blackout des Stromnetzes. Wegen Dunkelflauten oder wegen Hackern. Straumann blendet dieses Risiko aus und präsentiert keine Lösungsansätze. Ausser den Bau von zentralen Gaskraftwerken.

Der ökologische Umbau nimmt derweil international Fahrt auf. Das Industrieland Deutschland will neu bis 2045 klimaneutral werden. Trotz Auto-, Chemie- und Stahlindustrie. Alle Parteien – mit Ausnahme der hart rechten AfD – wollen den heute viel zu hohen Strompreis senken.

Strompreis runter I: Die hohen deutschen Strompreise bremsen den Umstieg auf Elektroautos und elektrisch betriebene Luft-Wasser-Wärmepumpen. Neu will Deutschland bis 2025 dank höheren CO2-Abgaben die heutigen Strompreise senken.

Strompreis runter II: Im deutschen Wahlkampf hat ein wahres Rennen um die Zustimmung der Industrie begonnen. Die Linke und die SPD kommen nicht aus den Startlöchern. Jetzt hat Olaf Scholz vorgelegt. Der SPD-Kanzlerkandidat fordert für die Industrie, die im inter­nationalen Wettbewerb stehe, einen Industriestrompreis von 4,5 Rappen. Damit lässt sich auch jener Wasserstoff produzieren, den es für grünen Stahl braucht.

Das Problem der Deutschen: Fast alle sind für umweltfreundlichen Windstrom. Aber zu viele wollen keine Windräder vor ihren Haustüren. Deshalb muss Deutschland wohl oder übel auf Wind­räder im Meer ausweichen. Und hier versprechen uns neu norwegische Investoren ein sensationelles Produkt: den Windcatcher.

Vorteil 1: Ein Windcatcher ist 300 Meter hoch und 400 Meter breit. Er produziert dank 117 Windrädern mit je einem Megawatt Leistung pro Jahr bis zu 400 Millionen Kilowattstunden Strom.

Vorteil 2: Jedes Windrad wird in je eine Zelle des kostengünstigen Megagerüstes montiert. Der Aufbau erfordert keine Megakräne. Reparaturen sind kostensparend möglich.

Vorteil 3: Die Lebensdauer beträgt wegen der tieferen Materialbelastungen 50 und nicht 25 Jahre.

Vorteil 4: Die Kosten pro Kilowattstunde sollen auf 5 Rappen sinken. In zwei Jahren sollen die schwimmenden nor­wegischen Monster auf dem Markt sein.

Uff … Der Wettbewerb der Ideen und Konzepte ist in vollem Gang. Wer gewinnt? Sicher nicht Professor Straumann mit seinen Mini-Atomkraftwerken!

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/gaskraftwerk
    Für Straumann führt für die Schweiz kein Weg an der Planung und dem Bau neuer Gaskraftwerke vorbei. Diesmal liegt er voll daneben.
  • rebrand.ly/CO2-Preis
    Die Grünen wollen den höheren CO2-Preis pro Kopf rückerstatten. Andere Modelle wollen mit dem Geld den Strompreis senken. Was ist effizienter und was ist sozialer? Es kommt auf die konkrete Ausgestaltung an.
  • rebrand.ly/windcatching
    Hinter dem norwegischen Projekt stecken potente Investoren.

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