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Service public für lästige Vögel: Umweltfreundliche Taubenscheisshäuser

Tauben sind Allesfresserinnen. Selbst Zigarettenstummel sind vor ihnen nicht sicher. Was oben reinkommt, kommt hinten wieder raus. Alles weder appetitlich noch hygienisch. Deutsche Städte gehen neue Wege.

SCHLAUE VÖGEL: Taubenhäuser werden eingesetzt, um Taubenpopulationen in grossen Flächen zu begrenzen. Tauben werden angelockt und zum Brüten im Schlag angeregt. Durch Austausch der Gelege (Geburtenkontrolle) wird die Besiedlung langfristig eingedämmt. Dieses sogenannte Augsburger Modell hat sich bereits mehrfach bewährt und ist nicht nur tierschutzgerecht, sondern langfristig hochwirksam. (Foto: AFP)

Tauben sind intelligent. Wer Gebäude mittels Taubenspikes oder Tauben­netzen vor dem hochaggressiven Taubenkot schützen will, kann sie meist nicht verscheuchen. Er investiert in ein «stranded investment», in einen Schuss in den Ofen.

Tauben abschiessen geht nicht.Antibabypillen funktionieren nicht. Und mit Laserpointern kann man die Tauben auch nicht vertreiben. Nicht einmal auf Tauben abgerichtete Wanderfalken können die Scheisswelle stoppen. Bisher helfen deshalb weder Hightech noch Lowtech.

Jetzt versuchen es einige deutsche Städte mit dem neuen, echt tierfreundlichen Augsburger Ansatz.

Baustein 1: Die bisherigen Nester der Tauben werden samt den Eiern zerstört. Dies ist mit den neuen Hebebühnen der örtlichen Feuerwehren – üben müssen sie ja sowieso – kein Problem mehr. Sofern der Staat weiss, wo die Vögel nisten. Aber da können Anti-Tauben-Quartiervereine sicher weiterhelfen.

Baustein 2: Die öffentliche Hand erstellt Quartier für Quartier als Ersatz für ihre Zerstörungswut hochkomfortable Taubenhäuser. Hier finden die kurzfristig heimatlosen Tauben alles, was sie sich wünschen.

Baustein 3: In den Taubenhäusern gibt es immer bestes Ökofutter in genügend Mengen. Die Tauben sind nicht nur intelligent, sondern auch faul. Sie stehen auf Free Lunch samt frischem, sauberem Trinkwasser. Ein Service public der Spitzenklasse.

Baustein 4: Bisherige Erfahrungen belegen: Die Tauben bleiben im Taubenhaus. 80 Prozent ihrer Nahrung besteht neu aus Bio-Körnli. Und die gleiche Menge Kot findet sich danach im Taubenhaus, das regelmässig gereinigt wird. Die Bio-Scheisse ist übrigens viel weniger aggressiv und kann in jeder Kehrichtverbrennungsanlage problemlos – unter Nutzung ihres Energiepotentials – zu Asche verbrannt werden.

Baustein 5: Sobald unsere Service-public-Fachkraft das Taubenhaus zwecks Reinigung und Fütterung betritt, fliegen die Tauben aus. Und unsere Madame Taubenhaus oder unser Monsieur Taubenschlag ersetzen jetzt fast alle Taubeneier durch gleich grosse Gipseier, was
die vielleicht doch nicht so intelligenten Tauben offensichtlich nicht bemerken. Endlich eine Geburtenkontrolle, die ohne Chemie funktioniert. Und erst noch im Nachgang zum Vergnügen.

Baustein 6: Das Konzept kann nur dann aufgehen, wenn im Rahmen der Taubenhaus-Strategie kein Mensch mehr im Quartier Tauben füttert. Das funktioniert nur unter Androhung von hohen Bussen. Und mit vielen Freiwilligen, die mit ihren iPhones nicht Jagd auf die Tauben machen, sondern auf jene, die die Tauben füttern.

Probieren geht über Studieren.

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/stadtjaeger
    In München gibt es bereits 100’000 Tauben. Weil die Menschen sie füttern. Der Stadtjäger Wolfgang Schreyer ist wütend. Ein Interview der Sonderklasse.
  • rentokil.com/ch/tauben
    Das Unternehmen Rentokil – der Name ist Programm – empfiehlt gegen Tauben­plagen: Impulsvergrämung, Spanndrahtabweiser, Taubennetze und Taubenspikes. Tönt alles arg nach Kampf und Krieg.
  • rebrand.ly/besseredrohnen
    Marc Tribelhorn weiss in der NZZ immer wieder viel Inter­essantes zu berichten. Vor 27 Jahren musterte die Armee die letzten 25’000 Brieftauben aus. Die Züchter waren stocksauer. Im Gegensatz zu den neuen Drohnen flogen die Brieftauben wenigstens.

1 Kommentar

  1. Hui, dem/der anonymen Autor/in hat wohl was anderes als ne Taube ins Gehirn geschissen.
    Wie kann man als Gewerkschaft einen solch desinformierenden, verachtenden Text über Lebewesen schreiben, die vom Menschen seit 7000 Jahren gezüchtet und genutzt werden?
    Wie kann man vollkommen blind dem Schädlingsbekämpfer-Narrativ eine solche gratis Werbeplattform bieten – und dann noch einen Rentokil Link untendran setzen? Unglaublich!
    Aber was frage ich mich, es ist 2021, letztes Jahr hat wohl so manchen Gehirnbrand ermöglicht.

    Pfui Teufel, euer Artikel ist zum fremdschämen. Da euer Artikel auch keinen Deut objektiv ist und sich dazu noch in „Comedy“ versucht, hab ich gedacht ich schreib in eurem Sinne – extrem lustig (nicht) und despektierlich.

    Schade Leute, sehr schade. So ein Artikel fördert die Volksverdummung garantiert – congrats!

    Dabei wäre das sehr ernstzunehmende Thema „betreute Taubenschläge“ ein wichtiges – und es zeigt sich, dass die schreibende Person keine Sekunde recherchiert hat – es gibt nämlich auch in diversen Schweizer Städten betreute Schläge – was eben den Schädlingsbekämpfern eher weniger passt, weil es weniger Arbeit/Elend generiert, wo die dann gerufen werden…

    Ich versuche mich nun vom Gelesenen zu erholen.

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