Magnetschwebebahn Maglev: In zehn Stunden von Berlin nach Peking? Vielleicht.

China demonstriert Spitzen­leistungen beim Ausbautempo des Hochgeschwindigkeits­netzes. Jetzt will es Europa mit der neuen Magnetschwebe­bahn Maglev mit 600 Kilometern pro Stunde­ um die Ohren ­sausen. Das ist möglich, weil China beim deutschen ­Transrapid abgekupfert hat.

BLITZSCHNELL: Der Maglev soll Reisende mit 600 Kilometern pro Stunde bereits 2030 in nur 2,5 Stunden von Schanghai nach Shenzen befördern. (Foto: AFP)

Das Emsland im Nordwesten Deutschlands pulsiert nicht, sondern döst vor sich hin. Der von vielen zu Recht geschätzte Bauernsohn und Corona-Professor Christian Dorsten stammt aus dieser wenig dicht besiedelten Gegend.

Er trinkt in Berlin das Bier aus der Flasche. Auch dann, wenn er seine alten Schulkameraden in der Pampa Emsland besucht. Aus hygienischen Gründen.

Wer einmal in dieser Gegend unterwegs ist, sollte sich unbedingt die 30 Kilometer lange Teststrecke des Transrapid anschauen. Er ist eine in Deutschland erfundene ­Magnetschwebebahn für den Hochgeschwindigkeitsverkehr. Die ­Deutschen haben diese Technik aber nicht weiterentwickelt. Europa setzte auf Züge, die nur bis zu 350 Kilometer schnell fahren. China bisher schwergewichtig auch, nur in einem ganz anderen Ausbautempo. So ist das chinesische Hochgeschwindigkeitsnetz heute bereits 38 000 Kilometer lang. In den nächsten 15 Jahren soll sich die Länge dieses Netzes noch einmal fast verdoppeln. Eine Spitzenleistung.

SCHANGHAI–SHENZEN. Zu Beginn ihrer Industrialisierung hat das damalige Armenhaus Schweiz Erfindungen aus anderen Ländern einfach kopiert. Ohne zu bezahlen. Deshalb war die Schweiz politisch lange gegen den Patentschutz. China begann seinen Aufstieg zum wirtschaftlich bald stärksten Land der Welt genau gleich. Inzwischen beginnen sich die Chinesen auf vielen Feldern an die Spitze des technischen Fortschritts zu robben.

Wer heute von Schanghai mit dem Hochgeschwindigkeitszug nach Shenzen rast, benötigt sieben Stunden. Jetzt hat China den Transrapid leichter und billiger gemacht. Ein Kilometer Strecke soll weniger als 50 Millionen Franken kosten. 600 Kilometer schnelle Züge sollen bereits 2030 Schanghai und Shenzen in nur 2,5 Stunden verbinden.

Und das soll nicht das Ende der Fahnenstange sein: Die Magnet­schwebebahn Maglev soll mittelfristig noch schneller werden. Nämlich 800 Kilometer schnell. Und dies auch ohne Vakuumröhre.

KONKURRENZ FÜR FLUGZEUGE. Die Luftlinie von Berlin nach Peking beträgt nur 7356 Kilometer. Die Fahrstrecke mit dem Auto oder der Eisenbahn liegt bei gut 9000 Kilometern. Ein Maglev der übernächsten Generation könnte die Strecke Hauptbahnhof Berlin zu Hauptbahnhof Peking in 10 Stunden bewältigen. Diese Perspektive wird den Herstellern von Flugzeugen und den Betreiberinnen von Flughäfen den kalten Schauer auf die Stirn treiben.

Deshalb setzen sie jetzt auf kleinere Flugzeuge, die nicht mehr einen Hub anfliegen, sondern auf langen Strecken mehr direkte Punkt-zu-Punkt-Verbindungen möglich machen. Und im nächsten Schritt auf den Wasserstoff als das Kerosin von morgen.

Wer gewinnt? Der Umweltfreundlichere, der schneller und billiger ist. Logo!

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/emsland
    In der Schweiz sind Verkehrsvereine vielerorts zu City Aktiengesellschaften mutiert. Nicht so im nordwestdeutschen Emsland. Hier ist das Verkehrsbüro noch ein Fremdenverkehrsamt. Der Rückstand auf den Zeitgeist spiegelt sich in der Sprache.
  • rebrand.ly/konkurrenz
    Ab und zu findet man auch in der NZZ durchaus spannende Artikel.
  • rebrand.ly/kult-rede
    Der ehemalige bayrische Ministerpräsident Edmund Stoiber war ein Stotterer vor dem Herrn. Er wollte den Hauptbahnhof München und den Münchner Flughafen mit einem Transrapid verbinden. Seine Rede zu diesem Thema ist Kult. Die Strecke wurde nie gebaut. Technik zu teuer. Falsche Strecke. Schlechter Redner. Flasche leer.
  • rebrand.ly/aerotelegraph
    Der Flugzeughersteller Airbus bringt mit dem A 321 XLR einen neuen Flieger auf den Markt, der kostengünstig mit weniger Sitzplätzen etwa Stuttgart mit Peking verbinden kann. Neue Maschinen schwächen die bisherigen Hubkonzepte und dürften zu weniger Flügen in Zürich führen. Boeing hat noch kein vergleich­bares Flugzeug im Angebot. Die Amerikaner kritisieren Airbus, weil sich der notwendige zusätzliche 13 000-Liter-­Kerosintank direkt unter den Passagieren befindet. Bleiben wir dran.
  • rebrand.ly/super-bullet
    Wow. So sieht der erste «Super Bullet Maglev Train» aus.

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