Rosa Zukunft ‒ Technik, Umwelt, Politik

Die Welt verändert sich schneller, als wir nachdenken können

Wir erleben derzeit eine Beschleunigung der ­technischen Entwicklung, wie sie nicht einmal bei der Einführung der Dampf­maschine oder des Automobils stattgefunden hat.

FREILAND-ENERGIE: Solarpark in Baden-Württemberg. (Foto: ENBW)

Die EnBW ist die parastaat­liche Elektrizitätsgesellschaft des deutschen Bundeslandes Baden-Württemberg, seiner Kreise und Gemeinden. Sie setzt neu voll auf Wind- und Solarenergie. EnBW baut jetzt in Brandenburg ein Freiland-Solarkraftwerk mit einer installierten Leistung von 500 Megawatt. Um pro Jahr rund 500 Millionen Kilowattstunden Strom zu produzieren. Für 4 Rappen pro Kilowattstunde. Mehr Leistung als das AKW Mühleberg im Kanton Bern. Mehr Produktion als das Kraftwerk Mattmark im Wallis.

ZEICHEN DER ZEIT. Baden-Württemberg investiert über die EnBW dafür nur 280 Millionen Franken. Dies in der Logik der schwäbischen Hausfrau: Wenn man im wenig sonnigen Brandenburg subventionsfreien Solarstrom für weniger als 4 Rappen produzieren kann, dann muss man Solaranlagen bauen. Wie lange wird es dauern, bis unsere Bäuerinnen und Bauern diese Goldgrube entdecken? Und für ihre doppelt nutzbaren Flächen einen halben Solarrappen pro produzierte Kilowattstunde verlangen können. Prognose: Falls die Trinkwasserinitiative angenommen wird, kann die Jagd nach neuen Einnahmequellen beginnen.

Nirgends in Europa verdienen Pharma-Manager mehr als in der Schweiz, mehr als bei Roche und Novartis. Noch schwimmen die faulenzenden Erbinnen und Erben der Gründer dieser Unternehmen im geerbten Geldregen. Dabei lehrt die Wirtschaftsgeschichte: Konzerne, die nicht rechtzeitig die Zeichen der Zeit erkennen, gehen unter. Dies droht jetzt der Basler Chemie.

Für Roche und Novartis war die Impfstoffproduktion zu wenig profitabel. Sie konzentrierten ihr Geschäft auf scheinbar zukunftsträchtigere Gebiete wie die Entwicklung von Krebsmedikamenten und die Diagnostik. Im Gegensatz zum Pharmamulti Pfizer beteiligten sie sich nicht an Start-ups, die neue Impfstoffe entwickelten. Im Gegenteil: Novartis verkaufte seine Fabrik in der Nähe von Mainz an Biontech. Ein Eigengoal der Extraklasse: Hier wird jetzt der revolutionäre Corona-Impfstoff produziert. Was geschieht, wenn Unternehmen wie Biontech uns nächstens erfolgreich gegen Krebs impfen können? Wir blicken mit Vorteil etwas besorgt nach Basel.

FORTSCHRITT FÜR ALLE. Jährlich sterben weltweit 700 000 Menschen unnötigerweise, weil die vorhandenen Antibiotika gegen keimresistente Bakterien nicht mehr wirken. Im Jahre 2050 werden es nach der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 10 Millionen Tote sein. Schnelle Erfolge sind nur möglich, wenn jemand 20 bis 30 Milliarden Franken in die Hand nimmt – und so den Wettbewerb zwischen Konzernen, Start-ups und Hochschulen stimuliert. Und die ganze Welt von der Plage keimresistenter Bakterien befreit.

Wer kommt da in Frage? Unsere Nationalbank hat ein Vermögen von 1000 Milliarden Franken. Statt weiter in die Waffenindustrie zu investieren, müssten Nationalbankchef Thomas Jordan & Co. einen Antibiotika-Fonds schaffen. Die Nationalbank beschäftigt jede Menge Analystinnen und Analysten. Aus den Erfahrungen bei der Entwicklung des Grippeimpfstoffes müssten sie zwei Dinge lernen: Die volkseigene Investorin namens Nationalbank muss an den Gewinnen beteiligt werden. Damit der Fonds sich selber trägt. Und die Preise der Antibiotika der nächsten Generation müssen den Schwellenländern und den Ärmsten unter den Armen zu den Produk­tionskosten abgegeben werden. Damit alle etwas vom technischen Fortschritt haben.

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/drei-fragen
    Die Leserbriefe im «Handesblatt» zeigen auf, dass die Menschen in Sachen erneuerbare Energien drei Fragen beschäftigen: Erstens der Landverbrauch. Zweitens die fehlenden Speicher. Und drittens der zu geringe Ertrag im Winter. In Sachen Landverbrauch braucht es – anders als im deutschen Brandenburg – vertikal aufgestellte Solarzellen, damit die Flächen doppelt genutzt werden können. Erstens für die Stromproduktion und zweitens für die Landwirtschaft. Mit immer günstiger werdenden Batterien kann man zweitens die Tag- und Nachtspitzen glätten. Und drittens müssen wir im Winter so viel Strom produzieren, wie wir brauchen. Und die im Sommer anfallenden Überschüsse benutzen, um mit Solarstrom Wasserstoff, Kerosin und Diesel zu produzieren.
  • rebrand.ly/antibiotika
    Die Sendung «Einstein» auf SRF bringt immer wieder informative Beiträge. Dieser widmet sich den Antibiotika.

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.