Maschinenfabrik Indosa AG: Ganze Belegschaft ohne Lohn!

Frau M. ruiniert Firma und verschwindet

Jonas Komposch

Wahnsinn! Die Partnerin des Chefs bedient sich schamlos in der Firmenkasse. Jetzt droht dem St. Galler ­Traditionsunternehmen Indosa AG der Kollaps.

UNGLAUBLICH: Personalchefin machte sich nachts an den Computern der Indosa-Mitarbeitenden zu schaffen. (Foto: Keystone/Indosa)

Loyal, anständig und sehr geduldig. Das sind die Mitarbeitenden der 84jährigen Maschinenfabrik Indosa AG im sanktgallischen Au. Doch jetzt haben sie die Nase gestrichen voll. Kurz vor Redaktionsschluss sagte ein Mitarbeiter zu work: «Wenn unser Geld in den nächsten Stunden nicht endlich eintrifft, werden wir unsere Ankündigung wahrmachen und morgen die Arbeit niederlegen.» Gut möglich also, dass bereits gestreikt wird, während Sie diesen Artikel lesen. Gute Streik-Gründe haben die Indosa-Leute mehr als genug:

Im September machte diese Zeitung publik, dass Firmeninhaber Werner Grabher (78) und seine über zwanzig Jahre jüngere Partnerin, die Österreicherin M., zahlreiche Mitarbeitende gemobbt, unrechtmässig entlassen und um mehrere 10’000 Franken Lohn geprellt haben. Weil Indosa Mahnungen sowie Termine vor dem Schlichtungsamt verstreichen liess, warten die Betroffenen noch immer auf ihr Geld. Im Oktober traf es schliesslich auch die verbliebenen 15 Indosa-Mitarbeitenden. Am Monatsende mussten sie feststellen, dass ihr ausbezahlter Lohn auf teils unter 2500 Franken geschrumpft war. Der Grund: illegale Lohnabzüge und falsche Stundenabrechnungen (work berichtete). Die Fehlerquelle: M., die als Personalchefin amtet. Per Einschreiben forderte die Belegschaft kollektiv eine korrekte Bezahlung. Vergeblich.

Mit der Firmenkreditkarte hat M. für rund 40’000 Franken Privateinkäufe getätigt.

CHEF ABHÄNGIG GEMACHT

Ende November dann der Hammer: Niemand erhielt auch nur ein Rappen Lohn. Seither lässt sich Chef Grabher kaum mehr blicken. Ganz zu schweigen von M. Sie setzte schon nach der ersten work-Recherche keinen Fuss mehr in die Firma. Lieber trieb sie ihr Unwesen fortan aus dem Homeoffice, das sie sich in Grabhers Villa in Balgach SG eingerichtet hatte. Ob sie dort aber immer noch residiert, ist höchst fraglich. Ihr langjähriger Schutzpatron hätte jedenfalls allen Grund, sie ein für allemal fortzujagen.

In zwei Dingen ist sich die Belegschaft nämlich einig: M. nutze Grabher skrupellos aus. Und wenn M. weiterhin in der Firma bleibe, sei deren Untergang nicht abzuwenden. Sie allein herrsche nämlich über den Zahlungsverkehr und kontrolliere das Arbeitszeiterfassungssystem. Und nur sie sei befugt, die Löhne zu zahlen. Doch genau das verweigert sie jetzt offenbar. Laut Mitarbeitenden habe sie von Grabher eine Vorschuss-Zahlung in der Höhe eines Monatslohns gefordert. Ansonsten werde sie keinen Finger mehr rühren.

NÄCHTLICHE SCHNÜFFELTOUREN

Grabher liess sich aber offenbar nicht unter Druck setzen. Mit Folgen, wie Mitarbeitende berichten: M. habe kurz darauf nachts in verschiedenen Büros an Computern hantiert. Man habe ihr Parfum in den Räumen noch am Morgen danach gerochen. Schon im letzten Sommer sei M. in so mancher Nacht durch die Firmenbüros geschlichen, habe dort Schränke und verschlossene Schubladen aufgebrochen, Akten und Passwörter entwendet, sei in Computer eingedrungen und habe das Zeiterfassungssystem manipuliert und die Zugänge für gewisse Mitarbeitende gesperrt. Davon betroffen waren vor allem diejenigen, die sich weigerten, für M. ihre Kolleginnen und Kollegen auszuspionieren. Mindestens ein Mitarbeiter erhielt deswegen die fristlose Kündigung. Doch damit nicht genug: work liegen zwei Kündigungsschreiben vor, die M. verfasst und unterzeichnet hat. Aber nicht mit ihrem, sondern mit Grabhers Namen. Bei gefälschten Unterschriften blieb es aber nicht.

Wie mehrere Mitarbeitende bestätigen, habe sich M. auch einer Firmenkreditkarte behändigt und damit Privateinkäufe im Wert von rund 40’000 Franken getätigt. Auch wundert man sich, wofür M. sich ausgerechnet während der Betriebsferien 2017 fast 30’000 Franken vom Firmenvermögen auf ihr Privatkonto in Liechtenstein überwiesen hat. Ein entsprechender Bankauszug liegt work vor. Weitere 65’000 Franken soll sich M. im Jahr 2018 überwiesen haben. Anschliessend verlangte sie von Grabher eine «Ermächtigung zur Auskunftserteilung» über sämtliche Firmenkonten. Das beweist eine von ihr vorbereitete Vereinbarung mit der Postfinance. Doch hierfür gab Grabher seine Unterschrift nicht her. Verständlich. Denn damit könnte M. jederzeit die Indosa-Finanzen überwachen – sogar über den Tod Grabhers hinaus. Und mit den Zahlen, und vor ­allem, dem Zahlen, hat die Personalchefin einige Mühen (siehe Box).

Was aber sagt M. zu all dem? Nichts, sie rede nicht mit work. So auch Grabher. Beide verweisen an den Ende November engagierten Anwalt Werner Ritter. Doch auch von diesem ist mittlerweile nichts mehr zu erfahren. Ob auch das an den Zahlen liegt?

UPDATE: Am 17. Dezember legten die Indosa-Mitarbeitenden die Arbeit nieder. Das Unternehmen steht still.

Frau M.: Die «Kauffrau» und das liebe Geld

Dosen-Abfüllanlagen für die ganze Welt – ­damit macht Indosa seit 1936 Geld. Doch 2014 eskalierte im damaligen Familien­unternehmen ein grosser Familienkrach. Die Söhne, die Ehefrau und die Schwester ­Grabhers verliessen Indosa nach und nach. Drei der Söhne gründeten im Nachbardorf sogar eine Konkurrenzfirma. Damit schlug die Stunde von M., die bei Indosa gerade als «Kauffrau» angefangen hatte. Dabei ­fehlte ihr für diesen Job offenbar jegliche Qualifikation. Zuvor habe sie an einem Bahnhofs-Imbiss Würste gebraten, heisst es. Vorzüglich umsorgte M. dafür den ver­lassenen und gesundheitlich angeschlagenen Patron. Und zwar so gut, dass dieser über happige Finanzskandale grosszügig hinwegsah. Das rächt sich jetzt.

STEUERDELIKTE. So hat etwa die St. Galler Gewerbe-Ausgleichskasse im laufenden Jahr mehrere Betreibungen gegen Indosa eingeleitet – wegen fehlender AHV-Beiträge in der Höhe von fast 56’000 Franken. Das Finanzamt Bregens wiederum schloss unlängst ein Verwaltungsstrafverfahren gegen M. ab und büsste sie wegen Steuerdelikten. Und in ihrem vorarlbergischen Heimatdorf, wo M. ein grosses Haus besitzt, sollen ihr die Behörden Strom und Wasser abgedreht haben. M. bezieht einen Netto-Pauschallohn von 9500 Franken.


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5 Kommentare

  1. Alfred Feuerstein

    Leider tritt die Bewertung von Alfred Feuerstein bezüglich Frau Marisa M. aus dem letzten Artikel in brutalster Weise ein.
    Man bedenke dabei, dass dies höchstwahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs ist. Da hier im Artikel nur die Dinge zur Sprache gekommen sind die aufgedeckt wurden.
    Die Dunkelziffer des Schadens bzw. der Gaunereinen von Marisa M. sind sicherlich um ein Vielfaches höher. Hier wird wiederum aufgezeigt wie wichtig Kontrollorgane in einem Unternehmen sind. Einer einzigen skrupellosen Person die totale Kontrolle zu verliehen, führt in einen eben solchen totalen Untergang der Firma.
    Schade, dass Herr Grabher die vielen, vielen Warnungen loyaler Mitarbeiter ignoriert und in den Wind geschlagen hat. Jetzt muss er es und alle Mitarbeiter büssen.
    Obwohl heuer wohl nur Lagerkartoffel (ausser bei Marisa M. da gibt es einen fette Braten) auf den Tisch kommen, wünsche ich allen Ex- und Mitarbeiter von Indosa schöne Feiertage

    • Bürgi s

      Wirklich schrecklich für die anständigen Mitarbeiter

  2. Irma La Douce

    Irgendwie fällt diese Familie immer auf Würstliverkäufer rein. Schon die Exfrau eines der Söhne war, bevor sie sich in die Familie eingenistet hat, Würstliverkäuferin. Und was hat sie gemacht? Bei der Scheidung hat sie schön abkassiert.

  3. Indosa Lehrling

    Ich wollte mich eigentlich aus dem ganzen raushalten aber ich muss doch noch einen Kommentar hinterlassen, nach alledem, was hier passiert ist.

    Ich habe meine Lehre bei der Indosa angefangen, als die Söhne und seine Frau noch dort gearbeitet haben. Streit gab es immer zwischen Herr Grabher und den Söhnen. Mindestens einmal wöchentlich ist der Streit auf Ohrenschädigendes Geschrei eskaliert wobei die ganze Firma dies mitbekommen hat. Eine Türe wurde einmal geschlossen, da Arbeiter vor dem Chef und seiner Aggressiven Art flüchteten durch eben diese Türe. Soviel ich weiss, ist diese heute noch abgeschlossen. Die Trennung der Söhne war alles andere als sauber: 100 Meter weiter weg entstand die swiss can machinery, die Söhne standen immer wieder vor den Türen der Indosa und fingen an Pläne und Geräte mitzunehmen. Ich weiss nicht, ob der Rechtstreit um die Patente bis heute beendet ist. Wird wohl auch keine Rolle mehr spielen.

    Zuerst war eine ältere kleinere Polin im KV angestellt am empfang. Sie hatte sich schon an den Chef geschmissen. Was ihre Absichten waren, kann ich hier nicht sagen. Sie hat sich aber zumindest bemüht, gut mit einigen Mitarbeitern auszukommen. Dann erschien die berüchtigte Marisa M.. Die Polin und Marisa verstanden sich gar nicht gut, dies hatte man schnell erkannt und auf einmal war sie weg. Niemand wusste genau wieso und warum. Dann verstritt sich der langjährige Hauswart

  4. Indosa Lehrling

    Ich wollte mich eigentlich aus dem ganzen raushalten aber ich muss doch noch einen Kommentar hinterlassen, nach alledem, was hier passiert ist. Den Artikel habe ich durch einen anderen ehemaligen Arbeitskollegen entdeckt. Hier noch meine Sicht der Geschichte.

    Ich habe meine Lehre bei der Indosa angefangen, als die Söhne und seine Frau noch dort gearbeitet haben. Streit gab es immer zwischen Herr Grabher und den Söhnen. Mindestens einmal wöchentlich ist der Streit auf Ohrenschädigendes Geschrei eskaliert wobei die ganze Firma dies mitbekommen hat. Eine Türe wurde einmal geschlossen, da Arbeiter vor dem Chef und seiner Aggressiven Art flüchteten durch eben diese Türe. Soviel ich weiss, ist diese heute noch abgeschlossen. Nach 2 Jahren in meiner Lehre ging die Familie zu Bruch. Die Trennung der Söhne war alles andere als sauber: 100 Meter weiter weg entstand die swiss can machinery, die Söhne standen immer wieder vor den Türen der Indosa und fingen an Pläne und Geräte mitzunehmen und haben etliche Indosa mitarbeiter abgeworben. Ich weiss nicht, ob der Rechtstreit um die Patente bis heute beendet ist. Wird wohl auch keine Rolle mehr spielen.

    Zuerst war eine ältere kleinere Polin im KV angestellt am empfang. Sie hatte sich schon an den Chef geschmissen. Was ihre Absichten waren, kann ich hier nicht sagen. Sie hat sich aber zumindest bemüht, gut mit einigen Mitarbeitern auszukommen. Dann erschien die berüchtigte Marisa M.. Die Polin und Marisa verstanden sich gar nicht gut, dies hatte man schnell erkannt und auf einmal war sie weg. Niemand wusste genau wieso und warum. Dann verstritt sich der langjährige und treue Hauswart mit Marisa und wer hätte es gedacht? Gekündigt. Herr Grabher konnte sehr aggressiv und forsch gegenüber seinen Mitarbeitern sein, doch gekündigt hatte er nur in den seltensten Fällen. Dies hatte sich aber mit der Einstellung von Marisa geändert. Nach und nach wurden dann Familienmitglieder von Marisa eingestellt: zuerst die Mutter in der Buchhaltung und KV, dann der Sohn im KV an der Rezeption und schlussendlich der zweite Sohn im IT bei der Serverwartung. Somit hatte sie strategisch das ganze KV eingenommen. Wie hier berichtet, geschahen etliche krumme dinge von Marisas Seite aus: Ungerechtfertigte fristlose kündigungen, aufstellen von Kameras um Arbeiter zu Filmen, Kontrollgänge von Marisa selbst um den Arbeitern auf die Finger zu schauen, ich bekam mein BMS Zeugnis nicht (die Firma müsste dies dem Lehrling zustellen) und etliche andere Dinge. Ich habe sogar eine Liste dazu erstellt, die irgendwo noch auf meinem PC herumliegt. Die Arbeitsmoral war noch nie so tief, seit Frau M. angefangen hatte.

    Beim Kündigungsgespräch mit Herrn Grabher, wurden mir Dinge an den Kopf geworfen wie, ich sei undankbar, ich seie frech einfach so zu kündigen oder ich habe mich gegenüber Marisa respektlos verhalten (was ich auch habe und nicht wirklich bereue). Natürlich sass Marisa schön beim Chef, obwohl dies ein persönliches gespräch zwischen ihm und mir hätte sein sollen. Dass ich ihre Autorität und Kompetenz in Frage gestellt habe, hat sie mir bis zum Schluss nachgetragen.

    Das Produkt und know how der Firma war pures Gold Wert, die Umsetzung scheiterte aber kläglich und die Arbeitsatmosphäre war grauenhaft.

    Somit habe ich auch noch alles ausschütten können, was mir noch im Kopf geblieben ist und beende das Kapitel persönlich auch für mich. Ich bedanke mich aber herzlichst bei Herrn und Frau Grabher, die mir meine Lehre mit BMS ermöglicht haben und mir eine gute Zukunft damit ermöglicht haben. Ich habe nebst den schlechten Erinnerungen doch auch gute mitnehmen dürfen und bin dankbar, dass ich diese erleben durfte in der jetzt geschlossenen Indosa Grabher Ag in der Industriestrasse 24, 9434 Au.

    Uf wiederluege Herr Grabher.

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