Schon wieder Krach bei der Indosa AG: Wirrer Brief mit irren Folgen

Plötzlich 2000 Franken weniger Monatslohn

Jonas Komposch

Bei der Rheintaler ­Maschinenfabrik Indosa schaltet und waltet die Chefetage nach ganz ­eigenem Gusto. Und führt ein absurdes Lohnreglement ein. Doch die Belegschaft wehrt sich.

WEITER BERGAB. Schon im September machte Indosa Schlagzeilen. Wegen ausstehenden Löhnen und Mobbing. (Foto: work)

Wie eine schallende Ohrfeige habe es sich angefühlt. So beschreibt Ralf Bösch* den Moment, als er auf seiner letzten Gehaltsabrechnung den Oktoberlohn entdeckte: Über 2000 Franken hatte ihm seine Arbeitgeberin, die Maschinenfabrik Indosa AG in Au SG, vom üblichen Monatslohn abgezogen. Damit blieben ihm keine 2500 Franken mehr! Bösch sagt: «Ich lebe jetzt unter dem Existenzminimum. Wie ich meine Rechnungen bezahlen soll, weiss ich nicht.» Jetzt zeigen work-Recherchen: Bösch ist kein Einzelfall. Fast alle der 15 Indosa-Mitarbeitenden mussten bei ihrem letzten Zahltag massive Abzüge feststellen. Angekündigt oder gar mit den Mitarbeitenden abgesprochen waren diese Abzüge nicht. Stattdessen überraschte Indosa mit einem wirren Begleitbrief.

Eindeutiger Verstoss gegen den
MEM-GAV.

FAST BELEIDIGEND

Der Brief, der work vorliegt, strotzt nur so von Fehlern und irreführenden Formulierungen, weshalb er fast unverständlich ist. Sinngemäss steht darin: Künftig würden bei jeder Gehaltsabrechnung sämtliche Minusstunden und «Minusurlaubsstunden» vom Lohn abgezogen. Ausserdem würden Krankentage nur noch mit 80 Prozent vergütet. Wofür man die «geehrten» Mitarbeitenden «um Verständnis» bitte. Vergebens. Mehrere Aufmerksame wandten sich an Unia-Sekretär Lukas Auer. Doch selbst dem Gewerkschafter hat’s den Hut gelupft. Auer sagt: «Für solche Abzüge fehlt eine Rechtsgrundlage derart deutlich, dass sie schon fast eine Beleidigung sind.»

Tatsächlich untersteht Indosa als Mitglied des Arbeitgeberverbands Swissmem dem Gesamtarbeitsvertrag der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie (GAV-MEM). Und dieser hält unmissverständlich fest: «Die Lohnzahlung erfolgt gleichmässig, unabhängig von den Schwankungen der Arbeitszeit.» Klipp und klar regelt der GAV auch die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall: Erkranken Mitarbeitende unverschuldet, erhalten sie weiterhin 100 Prozent des Lohnes. Und zwar je nach Dienstalter für die Dauer von 1 bis maximal 6 Monaten.

ANWALT EINGESCHALTET

Noch grössere Fragezeichen haben die Indosa-Mitarbeitenden bei den verrechneten Minusstunden. Zum Beispiel Maschinist Oliver Berliat *, dem wie Bösch rund 2000 Franken fehlen. Und zwar deshalb, weil er angeblich allein im Oktober über 20 Minusstunden angehäuft haben soll. Berliat aber versichert: «Das ist eine frei erfundene Zahl!»

Wer die fragwürdigen Abzüge zu verantworten hat, geht aus dem Begleitbrief nicht direkt hervor. Weil er nicht einmal unterzeichnet ist. Doch für die Mitarbeitenden ist klar, wer ­dahintersteckt: die Personalverantwortliche M., die mit dem Firmen­oberhaupt Werner Grabher privat verkehrt, einen stolzen Pauschallohn von 9500 Franken bezieht, und im Betrieb als rechte Hand des Chefs fungiert. Schon im September hatten im work mehrere Mitarbeitende Mobbing-Vorwürfe gegen M. erhoben. Seither hat sie sich in den Betriebshallen nicht mehr blicken lassen. Stellung nehmen wollte M. auch diesmal nicht. Auch Chef Grabher sagte am Telefon nichts zu den aktuellen Vorwürfen. Dafür schaltete er noch gleichentags den Anwalt Werner Ritter ein. Und dieser sagt auf Anfrage: «Mein Auftrag ist die umfassende Klärung der Vorwürfe. Gegenwärtig untersuchen wir, was den Mitarbeitenden tatsächlich zusteht. Unser Ziel ist eine gütliche Lösung der Konflikte entsprechend den gesetzlichen Grundlagen.» Darauf wollen sich die Mitarbeitenden aber nicht verlassen. Sie haben ihrerseits gehandelt und dem Chef per eingeschriebenen Brief ein Ultimatum gestellt: Binnen zehn Tagen erwarte man den korrekten Zahltag und danke für das Verständnis. work bleibt dran.

* Namen geändert

1 Kommentar

  1. Alfred Feuerstein

    So wie es aussieht, hat bei diesen Lohnabrechnungen wieder mal die Mutter von M. die Hände im Spiel. Es ist schon interessant, einen 13. bzw. 14. Monatslohn der Grenzgänger pro Rata ausrechnen kann sie nicht.
    Soll heissen, wenn jemand erst im Oktober begonnen hat zu arbeiten gibt es anteilsmässig 3 Monate vom ganzen 13. Und richtig, laut Rechnung von M.s Mutter gibt es einfach nichts. Zu schwierig diese Aufgabe für eine ehemalige „Kassiererin“ am Finanzamt! Daher wohl das Wissen über finanzielle Schlupflöcher und wie man die Behörden narrt. CHF 2.000,- und mehr von einem Lohn ungesetzlicher Weise abziehen das kann sie.
    Auch diese Mutter ist dubios. Sie ist offiziell in Italien gemeldet und pensioniert. Wohnt aber in Dornbirn (A) an der Lustenauerstraße und macht für Indosa zusammen mit M. die „Lohnabrechnung“.
    M. selber ist nun bei Herr Grabher gemeldet und hat Ihren Lebensmittelpunkt weiterhin in Höchst (A) in der Holderbaumstraße. Das ist auch der Grund warum M. niemals eine Unterschrift unter ein Scheiben setzt, damit sie keine Spur zur Strafverfolgung legt.
    Scheinbar schlafen die österreichischen Behörden auch, da sie M. nicht schon lange das Handwerk gelegt haben.

    Aber so wie es aussieht ist M. nicht nur im Betrügen der Mitarbeiter sehr geschäftig. Gelernt ist eben gelernt, wenn man sonst nichts kann.

    Dieses dreiste Duo wird alle Mit.- und Exmittarbeiter und Herrn Grabher in den Ruin führen. Wobei Letzterer selbst schuld ist. Er als Unternehmer hätte die Verantwortung zu erkennen wer völlig unkompetent ist und wer nicht.

    Herr Grabher hat sich schon längst aufgegeben, anders wären diese Um(zu)stände nicht möglich.

    Der Konkurs ist nur noch eine Frage der Zeit.

    2020 RIP Indosa

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