Chaos und Exodus bei der Rheintaler Dosen-Spezialistin Indosa AG

«Wenn der Chef schreit, hört ihn das halbe Dorf»

Jonas Komposch

Wegen Lohngaunereien und Mobbing laufen der Maschinenfabrik Indosa die Leute davon. Eine letzte Gefährtin hat der 78jährige ­Firmenchef noch. Doch auf ihr lasten schwere Vorwürfe.

FAST ALLEINE – GANZ LAUT: Der St. Galler Unternehmer Werner Grabher hat ein einst führendes Unternehmen aufgebaut. Jetzt häufen sich die Probleme in Firma und Familie. Leidtragende sind die Mitarbeitenden. Wer kann, geht. Andere müssen bleiben und kämpfen um ihre Löhne. (Foto: PD)

Vor neun Jahren herrschte noch ­Aufbruchstimmung bei der Grabher ­Indosa AG in Au SG, einer einst führenden Herstellerin von Dosen-Abfüllanlagen. Mit einem pompösen Fest feierte das Familienunternehmen Ende 2011 sein 75-Jahr-Jubiläum. Und der stolze Patron Werner Grabher präsentierte den internationalen Gästen eine nigelnagelneue Fabrikhalle und ein modernes Technologiezentrum. Beides pünktlich auf die Festlichkeiten errichtet.

Doch mit der Pünktlichkeit ist es längst vorbei. Nach monatelangem Warten haben fünf ehemalige Mitarbeitende jetzt rechtliche Schritte gegen Indosa eingeleitet. Alle machen ausstehende Löhne geltend – insgesamt eine Summe von fast 100’000 Franken. Doch den Geprellten geht es um mehr. Sie berichten work von gravierenden Missständen und einem despotischen Führungs-Duo.

Vor 9 Jahren eröffnete die Indosa pompös neue Betriebsgebäude.

KRANK GESCHRIEBEN

Zum Beispiel Industriedesigner Fritz Berger * (47). Der Österreicher stiess Anfang 2019 als technischer Betriebsleiter zur Firma. Doch schon ein Jahr Indosa machte ihn krank. Berger: «Dort herrscht das reinste Chaos. Es gibt weder Strukturen noch ein Pflichtenheft, dafür umso mehr Stress. Und wer Verbesserungen vorschlägt, wird gemobbt.» Er zum Beispiel sei als Technikfachmann zum «Pflanzengiesser» und «Laufburschen» degradiert und dann entlassen worden. Wegen Depressionen und starker Magenkrämpfe ist Berger bis heute arbeitsunfähig und krank geschrieben.

Ebenfalls arbeitslos geworden ist Monteur Markus Erlacher (48). Er hatte im Juli Geschäftsführer Grabher darauf hingewiesen, dass sein Lohnzettel voller Fehler sei. Und dass auch das ausbezahlte Gehalt nicht dem vereinbarten entspreche. Das habe der Chef mit einem lauten Wutausbruch quittiert. Was nichts Unübliches sei, doch niemals erwartet habe er, was nachher geschah. Erlacher: «Der Alte hat mich auf der Stelle aus dem Betrieb geschmissen und behauptet, ich hätte gekündigt!» Was nicht stimmte. Trotzdem muss der Monteur seine drei Kinder seither allein mit Erspartem durchbringen. Denn Indosa hat Erlacher bis heute keine Arbeitgeberbescheinigung ausgestellt. Und ohne diese zahlt seine Arbeitslosenkasse keinen Rappen.

ÜBERFORDERTER CHEF

Tatsächlich selbst gekündigt hatte im April die Ingenieurin Melanie Felber * (29). Und zwar deshalb, «weil man immer dem Geld hinterherrennen musste». Aber auch, weil sie als Kon­strukteurin eingestellt worden war, aber praktisch nur Offerten habe anfertigen müssen. Das sei nicht ihr Beruf. Bloss: ihre eingeschriebene Kündigung blieb unbeantwortet. Auch auf nachfolgende Briefe reagierte Grabher nicht. Und schon gar nicht auf Felbers Bitte, ihr die ausstehende Lohnsumme von rund 10’000 Franken zu überweisen. Bis Felber mit Hilfe von Unia-Sekretär Lukas Auer die Betreibung einleitete: Sofort versuchte ihr Ex-Chef den Befreiungsschlag und drohte ihr brieflich mit einem Prozess. Sie habe schlecht bis gar nicht gearbeitet, dafür am Handy ­gespielt. Wodurch sie der Firma ­möglicherweise Schäden von «hohen zweistelligen Millionenbeträgen» zugefügt habe. Felber nimmt diese Anschuldigung gelassen und weiss auch ihre Ex-Kolleginnen und Ex-Kollegen hinter sich. Schliesslich hätten auch diese ähnliche Scherereien mit dem «völlig überforderten Herrn». Aber nicht nur mit ihm.

Statt den ausstehenden Lohn zu bezahlen, klagt der Chef zurück.

ABHÄNGIGKEIT AUSGENUTZT

Eine einzige Frau steht nämlich noch hinter dem Patriarchen: die Österreicherin Marisa M.* (54). Die Kauffrau begann sich um den angezählten Chef zu kümmern, als dieser von seiner ganzen Familie verlassen worden war (siehe Box). Heute ist M. Grabhers rechte Hand und verkehrt auch privat mit ihm. Wie ihr Schutzherr sei auch M. sehr autoritär, ihr Mobbing gefürchtet. Das bestätigen sämtliche fünf Ex-Mitarbeitenden. Und eine Person, die noch bei Indosa arbeitet, sagt: «Ich halte es fast nicht mehr aus. Grabher und M. erniedrigen uns jeden Tag.»

Allerdings flögen auch zwischen den beiden die Fetzen. Dazu der Insider: «Wenn der Chef dann schreit, hört ihn das halbe Dorf.» M. wiederum führe sich zunehmend wie die alleinige Fabrikherrin auf. Sie fahre Grabhers Maserati und habe sich in seiner Villa mit Pool eine Kommandozen­trale eingerichtet. Viele sehen Grabher daher auch als tragische Figur. Monteur Erlacher erklärt: «Manchmal tat er mir fast leid. M. nutzt seine Abhängigkeit schamlos aus.»

Lange werden diese Zustände aber kaum mehr anhalten. Gemäss den fünf Ehemaligen war die Auftragslage zuletzt sehr bescheiden. Auch eine Nachfolge für den 78jährigen Seniorchef ist nicht in Sicht. Und Ex-Betriebsleiter Berger verrät, dass schon früher Streik im Raum gestanden sei.

Was aber sagt Werner Grabher zu all dem? Am Telefon schilderte er work eine volle Stunde den jüngsten Geschäftsverlauf. Doch kaum war die erste kritische Frage gestellt, brüllte Grabher in den Hörer und verfluchte «korrupte Politiker», «faule Angestellte», «teure Anwälte» und besonders die «Lügenpresse». Zuletzt drohte er mit einem Prozess, falls über ihn berichtet werde. Komplett in Schweigen hüllt sich dagegen seine Gehilfin M.

Familienkrach: Söhne gründen Konkurrenz

Dosen-Abfüllanlagen für die ganze Welt – damit macht Indosa seit 1936 Geld. Neben Werner Grabher hatten lange auch seine Frau und die vier Söhne leitende Funktionen in der Firma. Doch um 2015 eskalierte ein grosser Familienkrach. Rechtsstreitigkeiten und Ehescheidung folgten. Auch eine als Verwaltungsrätin tätige Schwester sowie die ganze Jungmannschaft kehrten dem Patron den Rücken. Mehr noch: Drei der Söhne bauten eine Konkurrenzfirma auf. Und zwar ausgerechnet im Nachbardorf Berneck SG.

WERTE. Die Swiss Can Machinery AG vertreibt seither zum Verwechseln ähnliche Produkte wie die von 50 auf 14 Mitarbeitende geschrumpfte Indosa. SCM-CEO Michael Grabher (37) erklärt, es habe schlicht zu ­viele Differenzen mit seinem Vater gegeben: «Gerade im Umgang mit Arbeitnehmenden hatten wir ganz andere Wertvorstellungen.»

10 Kommentare

  1. Eisner Johann

    Manche Leute können sich von Menschen nicht trennen obwohl jeder sieht das eine einzige Person die ganze Firma in den Abgrund bringt..ich spreche von der Person M.
    Sie will wahrscheinlich die Firma übernehmen indem sie Herrn Grabherr als unzurechnungsfähig darstellen wird.

    Wenn Frau M nämlich arbeitslos werden würde bekommt sie keinen Job mehr und kann ihr Luxusleben mit ihren Kindern nicht mehr Finanzieren.

    Sie lebt im Überschuss. Man sollte mal die Finanzbehörde einschalten.

    Tschüss

    • Alfred Feuerstein

      Es ist wirklich so. M. ist wie eine skrupellose Politikerin, die nur das Volk (Herrn Grabher) für dumm verkauft.

      Damit hält sie sich krampfhaft an der „Macht“. Jeder der sich ihr in den Weg stellt wird aus dem selbigen geräumt.

      Leider verfügt M. über keinerlei fachlichen Fähigkeiten. Weder technisch noch administrativ.
      Suggeriert jedoch über hervorragendes unternehmerische Geschick zu verfügen. Fakt ist, dass M. sich nur mit Lug und Trug über Wasser hält.

      Es stimmt M. möchte ein Luxusleben führen ohne Aufwand zu betreiben. Selber treibt sie das Fachpersonal mit zweifelhaften Methoden an. Selber fährt sie nur den Maserati und den Jeep Wrangler von Herrn Grabher spazieren.

    • Irma Schwarz

      Das ist so. M nutzt die Hilflosigkeit von WG schamlos aus. Sie hat sich in die Familie eingeschlichen, und alle waren froh, dass er jemand hatte, der hinter ihm stand. Als sie ihn in ihrem Netz hatte, hat sie ihr wahres Gesicht gezeigt. Ihre gesamte Familie hat eine Stelle in der Indosa, ohne Vertrag. Komischerweise bekommen ihre Söhne und ihre Mutter immer pünktlich den Lohn ausgezahlt, aber die anderen Mitarbeiter nicht. Ach ja, ihre längst pensionierte Mutter macht ja die Lohnbuchhaltung. Und überhaupt hat nur sie Zugang zu den Zahlen. Sie ist gemeingefährlich und WG in höchster Gefahr.

  2. Die Schwarze Witwe

    Der Artikel zeigt eindeutig wie das Vorgehen von Marisa M. ist. Sie verfügt über genug finanzielle Mittel die Sie noch am Gipfel halten, menschlich ist sie jedoch ein volliges wrack. Durch verschiedene ex-Mitarbeiter wurde bestätigt, dass Marisa M. Mitarbeiter systematisch mobbt und Überwacht (Kamera an Arbeitsplätzen in den Hallen und in den Büros). Als Fachkraft würde ich mich in so einer Struktur nie willkommen fühlen. Hoffe es ändert sich etwas für all die Mitarbeiter die unter dieser Situation leiden. Das Unternehmen wird durch den Einfluss von Frau Marisa M. in den Boden gefahren und ein Imperium welches sich Herr Grabher hart und erfolgreich erarbeitet hat wird zu Ende gehen. Eine Bewerbung würde ich trotz allem niemals an die Dame versenden. Vor 10 Jahren als Frau Grabher die Personal Führung hatte, war alles strukturiert und ein vorzeige Unternehmen. Marisa M. verfügt über ein Wissen welches vielleicht in der Pflege benötigt wird, jedoch nicht in einem Produktionsunternehmen im Sondermaschinenbau.

  3. FF

    Als ehemaliger Mitarbeiter habe ich kein Verständnis dafür, dass hier nur auf M rumgehackt wird.
    Herr Grabher ist selber schuld! Er ist ein Tyrann durch und durch und hat mit seiner eigene Familie gebrochen mit seiner Uneinsichtigkeit und seinem grenzenlosen Egoismus. Dutzende gute Arbeiter hat er durch seinen Starrsinn vertrieben, sämtliche Familienmitglieder haben versucht, ihn zur Vernunft zu bringen. Nichts hat geholfen!
    Hoffentlich hat der Schrecken dieser Herrschaft nun endlich ein Ende! Die Behörden müssen hinsehen!

    • Profiler

      Als ehemaliger Mitarbeiter würden Sie sowas nie verfassen. Herr Grabher ist ein Mensch der kein Verständnis für faule Leute hat zu denen sie wahrscheinlich gehörten. Oder sind Sie vielleicht die erwähnte Dame und wollen sich aus der Affäre ziehen. Dann ist es zu spät. Ich kenne die Struktur durch und durch über 10 Jahre und kann als ex Mitarbeiter sagen, dass Herr Grabher hier das Opfer ist. Dass Frau Meusburger M. das Problem ist, kann jeder Mitarbeiter bestätigen und ist anhand des Artikels (3 Mitarbeiter) ebenso zu bestätigen. Kommen Sie mit Fakten und nicht mit alten privaten belanglosen Geschichten von denen Sie keine blasse Ahnung haben. Durch die Probleme welche durch Frau Meusburger M. hervorgerufen wurden, kann sich Herr Grabher täglich abärgern und wird dadurch behindert seiner Arbeit nachzugehen. Und dadurch entsteht ein falscher Eindruck gegenüber Herr Grabher. Er ist/war ein toller Chef. Stark bleiben und die falschen Leute Sofort auswechseln. Strukturieren und durchstarten. Good luck

      • Faktenchecker

        Werner Grabher ist seit Jahrzehnten Alleinaktionär und Geschäftsführer. Er ist frei in seiner Mitarbeiterwahl. Ihn als „tollen Chef“ und Opfer von „faulen“ Mitarbeitern und M. zu sehen, greift wohl zu kurz.

      • FF

        @Profiler, ich nehme an, Sie arbeiten immer noch dort und profitieren von den überrissenen Löhnen 😉

  4. Alfred Feuerstein

    Es ist zu dem zu sagen, dass M. nach Wiedereintritt in die Firma Indosa (2018 hat sie und ihre Mutter die ebenfalls in der Kritik steht, die Firma fluchtartig verlassen, da ihr schon damals die berechtigten Vorwürfe schon über den Kopf gewachsen sind) auf selbständiger Basis hat sie im Hintergrund die Fäden gezogen hat. In diesem Zusammenhang hat sie auch für sich selber weder in Österreich noch in der Schweiz Abgaben geleistet. Denn Wohnsitz hatte sie offiziell in „Frankreich“. Erst als die Behörden ihr auf die Schliche gekommen sind, hat sie sich offiziell angemeldet. Bis dahin hatte sie einen fünfstelligen Frankenbetrag nach dem Prinzip „Brutto für Netto“ unversteuert in den eigenen Sack gesteckt. Ein Finanzstrafverfahren ist anhängig. Somit lässt sich ihr „Luxus“ erklären. Herr Grabher täte sich gut daran sich einer Person mit solchen Vorgehensweisen zu entledigen.

  5. Peter Bitterli

    Werner Grabher hat seine AG aufgebaut, die Arbeitsplätze geschaffen, eine nigelnagelneue Fabrikhalle und ein modernes Technologiezentrum dazugefügt und also kontinuierlich die Region entwickelt. Er kann mit gutem Grund die Feste so „pompös“ feiern wie es ihm beliebt und so laut durch das ganze Dorf schreien, wie es ihm angemessen erscheint. Das alles geht den Herrn Komposch überhaupt nichts an.

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