Die Reichen in der Schweiz wurden in der Pandemie noch reicher:

Die Coronakrisen-Gewinnler

Clemens Studer

Die 300 Reichsten in der Schweiz sind in der Covid-Krise noch reicher geworden. Allein der Blocher-Clan legte um 4 Milliarden zu. Das hat seine Gründe.

BLOCHER-CLAN: Magdalena, Christoph, Rahel (vorne v. links), mit Silvia, Markus und Miriam (hinten v. links). (Fotos: Marc Wetli / 13 Photo, istock, Getty; Montage: work)

Im August waren 304’400 Arbeitnehmende in Kurzarbeit. Neuere Zahlen sind noch nicht verfügbar. Sie bekommen 20 Prozent weniger Lohn. Für kleine und mittlere Einkommen ist das dramatisch. Zehntausende von Klein-Selbständigen, Klein-Unternehmenden im Kulturbereich und Kulturschaffenden haben seit Monaten wegen der Pandemie-Massnahmen keine oder kaum mehr Einnahmen. Kurz: Die Covid-Krise ist nicht nur eine gesundheitliche, sondern auch eine ökonomische Krise.

Mittlerweile ist die Ausschüttung der Ems Chemie an die Blocher Töchter höher als die Lohnsumme aller Mitarbeitenden.

KRISE FÜR WEN?

Doch Krise ist nicht gleich Krise: Die 300 Reichsten im Land besitzen jetzt zusammen 707 Milliarden Franken. Das sind 5 Milliarden mehr als im vergangenen Jahr. Das zeigt die jährliche Rangliste des Wirtschaftsmagazins «Bilanz». Eine riesige journalistische Fleissarbeit. 80 Prozent des gesamten Vermögenszuwachses gehen auf das Konto des Blocher-Clans. Und da sind die 1,1 Millionen Franken noch nicht mitgerechnet, die Clan-Boss Christoph nun doch noch vom Bund bekommt, obwohl er einst öffentlichkeitswirksam auf seine Bundesratsrente verzichtet hatte. Die vereinigten Blochers haben es dank ihren Gewinnen im ­Coronajahr neu unter die Top-Five der Superreichen geschafft. Die Bilanz beziffert das Vermögen des Clans auf 15 bis 16 Milliarden Franken. Als Vater Blocher 2003 Bundesrat wurde, schätzte die «Bilanz» das Blocher-Vermögen noch auf «nur» 2,5 Milliarden. Da hat die Milliardärsfamilie also gewaltig vorwärts und in die eigene ­Tasche gemacht.

Heute sind in der Schweiz nur noch sie reicher:

  1. Gebrüder Kamprad (Ikea-Erben): 55 –56 Milliarden
  2. Familien Hoffmann und Oeri (Roche-Erben): 29 –30 Milliarden
  3. Gérard Wertheimer (Chanel): 25 –26 Milliarden
  4. Familie Safra (Finanzindustrie): 21 –22 Milliarden.

DIE JOB-KILLER

Ebenfalls zu den grossen Vermögensanhäufern im Coronajahr gehören die Familien Schindler und Bonnard, die den Lifthersteller Schindler regieren. Sie machten ein Plus von 2 Milliarden Franken und kommen nun auf ein Vermögen von 14 bis 15 Milliarden Franken. Doch während die Coronakrise den Schindler-Aktionärinnen und -Aktionären neue Milliarden beschert, zittern die Mitarbeitenden um ihre Jobs. Im Juli gab Schindler bekannt, weltweit 2000 Jobs zu streichen – davon 200 in der Schweiz.

Einen runden Monat später strich der Warenhauskonzern Manor gleich 476 Stellen, nachdem er bereits im Januar rund 80 Stellen abgebaut und Filialen geschlossen hatte. Manor gehört der Maus Frères Holding. Diese wiederum den Familien Maus und Nordmann. Gesamtvermögen: 3 bis 3,5 Milliarden Franken.

Das sind nur zwei Beispiele von Profitmaximierung auf dem Buckel der arbeitenden Menschen. Denn die sind es, die in der Realität die Vermögen der Aktienbesitzenden erarbeiten. 

In diesem Zusammenhang nochmals zurück zu den Blochers: Mittlerweile ist die Ausschüttung der Ems-Chemie an die drei Blocher-Töchter ­höher als die Lohnsumme aller Mitarbeitenden zusammen. Für 2019 in Zahlen: Die Ems-Hauptaktionärinnen kassierten 329,8 Millionen Franken. Die Ausgaben für die gesamte Belegschaft dagegen beliefen sich lediglich auf 238,5 Millionen. 

99%-Initiative

Wenn die Reichen immer reicher und die Armen immer zahlreicher ­werden, ist das sozialer Sprengstoff. Davor warnen sogar Wirtschafts­institutionen wie der Internationale Währungsfond und die OECD immer dringlicher. Und fordern Anpassungen am Steuersystem. 

CHANCE. In der Schweiz bietet sich bald die Chance dazu, wenn die 99%-Initiative der Juso vors Volk kommt. Sie schlägt vor, Kapital­einkommen (Zinsen, ­Dividenden usw.) ab einem Freibetrag 1,5 Mal so stark zu besteuern wie Einkommen aus Arbeit. Die Mehreinnahmen ­sollen dazu dienen, die Einkommenssteuern für Personen mit ­tiefen und mittleren Einkommen zu senken.

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