Läderach kündigt langjährigen Mitarbeitenden

Eine schrecklich fromme Familie

Clemens Studer

Sie sind bekannt für ihre «Frischschoko­lade» – und berüchtigt für ihre christlich-fundamentalistische Haltung: die Schoggihersteller Läderach. Jetzt stellt die Firma 27 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf die Strasse – ohne Sozial­plan.

FÜHRE UNS NICHT IN VERSUCHUNG: Geht’s um Sozialpläne, Abtreibung, Schwule und Lesben, zeigt Firmenchef Johannes Läderach nicht mehr seine Schoggiseite. (Foto: Keystone)

Die 40 Filialen in Schweizer Städten und an grossen Bahnhöfen sind nicht zu übersehen. Die ­Schoggitafeln liegen offen in den Schaufenstern und in der Theke. Lange Zeit stand Läderach für ein innovatives Konzept des Schokoladenverkaufs. Neben Pralinés ist die sogenannte Frischschokolade ein Markenzeichen. Diese wird im Unterschied zur Konkurrenz nicht mit Kondensmilch oder Milchpulver hergestellt, sondern aus Frischmilch und Rahm. Die ganze Produktionskette liegt in der Hand des Familienunternehmens aus Ennenda GL – vom Kakaoanbau bis zum Verkauf in den eigenen Läden. Kennzahlen publiziert die Firma keine, Branchenexperten gehen von einem Jahresumsatz von rund 125 Millionen Franken aus.

Geld für Abtreibungs­gegner, aber nicht für einen Sozialplan.

SWISS SAGT TSCHÜSS!

Die Läderachs inszenieren sich als «soziales Unternehmen». Davon ist nichts zu merken bei den angekündigten Entlassungen von 27 Mitarbeitenden. Unter den Entlassenen sind auch viele, die 60jährig und älter sind und zum Teil fast 20 Jahre für die «Schoggikönige» gearbeitet haben. Sie erhalten weder eine Abfindung, noch gibt es einen Sozialplan. Dafür habe man «leider» kein Geld, verkündet Johannes ­Läderach, der von seinem Vater Jürg 2018 die Geschäftsleitung übernommen hat. Der Vater präsidiert den Verwaltungsrat. Jede Verwaltungsratssitzung eröffnet er mit einem Bibelspruch.

Geld haben die Läderachs dafür für allerlei christlich-fundamentalistische Projekte. Auch dabei schreiten Vater und Sohn Seite an Seite. Zum Beispiel beim «Marsch fürs Läbe». Einem jährlichen Auflauf von Abtreibungsgegnern und Homophoben. Als die zentrale Rolle der Läderachs beim «Marsch fürs Läbe» publik wurde und schwulen- und lesbenfeindliche Sprüche der Firmenführer öffentlich wurden, zog die Fluggesellschaft Swiss die Reissleine. Nach 10 Jahren warf sie Anfang Jahr die Läderach-Pralinés, die sie an Passagiere verteilt hatte, aus den Fliegern. Und in Basel legten Aktivistinnen und Aktivisten die Läderach-Filiale mit Buttersäure für mehrere Tage still.

GELD FÜR SEKTE STATT SOZIALPLAN

Doch der «Marsch fürs Läbe» ist nicht das einzige fundamentalistische Projekt der Läderachs. Sie betreiben quasi eine eigene Freikirche: das «Missionswerk Kwa Sizabantu». Dieses ist von einem deutschstämmigen Südafrikaner gegründet worden. Der sieht sich als Gesandten Gottes und ist dem Vernehmen nach auch als Wunderheiler tätig. Ihren Schweizer Sitz hat die Sekte in Kaltbrunn SG, wo sie zudem die Privatschule «Domino Servite» betreibt. Dort gingen auch die Läderach-Kinder zur Schule. Die Frau von Jürg Läderach unterrichtete. Das Regime ist knallhart, wie Ausgestiegene berichten: Körperstrafen ausdrücklich erlaubt. Im vergangenen Jahr hat sich «Kwa Sizabantu» nach anhaltend schlechter Presse umbenannt. Die evangelikale Gruppierung nennt sich jetzt «Evangelische Gemeinde Hof Oberkirch», und die Schule heisst jetzt «Christliche Schule Linth». Das harte Regime ist von den Namensänderungen nicht betroffen.

Auch wenn’s geschäftlich ums Läbige geht, sind die Läderachs knallhart. Beim Abbau jetzt im Stammhaus ist es nicht das erste Mal, dass die schrecklich fromme Familie zeigt, wie wenig sie die Würde der Arbeitnehmenden interessiert. Allen Bibelsprüchen zum Trotz. Im deutschen Dillenburg (Bundesland Hessen) schlossen die Läderachs 2019 ihre Fabrik buchstäblich von einem Tag auf den anderen. Über 130 Arbeiterinnen und Arbeiter verloren ihre Jobs: Als sie am 27. Februar zur Arbeit erschienen, wurden sie von einer Security-Truppe abgefangen und dann aus der Fabrik bugsiert. Immerhin musste Läderach wegen des stärkeren Kündigungsschutzes in Deutschland Hand bieten für soziale Abfederungsmassnahmen. Nicht so wie jetzt in der Schweiz.

Christliche Firmen: Der gottgegebene Reichtum

Läderachs sind nicht die einzige Unternehmerfamilie, die sich christliches Unternehmertum auf die ­Fahne geschrieben hat. Der Verein «Christlicher Geschäftsleute Schweiz» zum Beispiel zählt über 700 Mitglieder, der «Vereinigung Christlicher Unternehmer» sind über 400 Kadermitarbeitende beigetreten. In ihren Leitbildern beziehen sie sich auf die Bibel und postulieren ethisches Wirtschaften.

STATTHALTER GOTTES. Manche dieser Unternehmen haben auch ein gewisses soziales Engagement. Die meisten der organisierten «Christen-Unternehmen» gehören dem evangelikal-freikirchlichen Umfeld an. Das erstaunt nicht. Im Protestantismus – ge­rade in seiner calvinistischen Prägung – gelten ­geschäftlicher Erfolg und Reichtum als Auszeichnung für ein gottgefälliges Leben. Damit sollte ­jedoch «demütig» umgegangen und den ­weniger Erfolgreichen (weil weniger gottgefällig) ­etwas abgegeben werden. Gewerkschaften sind in dieser Logik unnötig, weil ja der Chef selber schon zu «seinen Leuten» schaut. Quasi als Statthalter Gottes.

2 Kommentare

  1. Martina Wolf

    Da kann man nur mit einem kompletten Boykott der Läden und Waren antworten. Scheinheiliger und unsoziale geht es nicht…. Die meinen sie seien etwas Besseres und sind schlimmster Abschaum. Dass es so etwas in der Schweiz gibt… da kommt mir nur in den Sinn, was meine Mutter immer sagte: „Oben hui, unten pfui!“
    Seit ich das weiss, kaufe ich bei diesen Brüdern nichts mehr und informiere alle Freunde und Bekannten in meinem Umfeld.
    Absolut widerliche und ignorante Brut.

  2. Schuppli Edgar

    Schrecklich, was für einen manipulativen, reisserischen, menschenfeindlichen Artikel Sie über die Fam. Läderach schreiben.
    Traurig, wie Ihr Linken nur eure eigene Gesinnung und Ansichten auf den Sockel hebt und Andersdenkendende (z.B. Ja zum Leben – deshalb stehen sie gegen Abtreibung) an den Pranger stellt und denunziert.
    Einfach beschämend, dieses agressiv-militante Vorgehen. (….und dann gibt man sich einfach das Etikett, man sei sozial??)
    Traurig, sehr traurig…..

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