Neues von unseren Expertinnen und Experten des Corona-Arbeitsalltags

«Wir halten die Stellung»

work

Seit fünf Wochen porträtiert work Menschen im Corona-Arbeitsalltag. Darunter: Pflegerin Tamara Rohrbach, Coop-Rayonleiterin Regina Karich, Pharma-Assistentin Svenja Egger. Und neu: Coiffeur Gianni Izzo.

NOTFALL-EXPERTIN: «Bis wir einen Impfstoff haben, bleibt der Virus ein Problem.»

Tamara Rohrbach (39), Pflegefachfrau Notfall «Ohne Massnahmen wäre es schlimm geworden»

Vor fünf Wochen, ganz zu Beginn des Lockdowns, sagte Notfall-Pflegerin Tamara Rohrbach: «Ich hoffe sehr, dass es bei uns nicht zu Zuständen kommt wie in Italien, wo ­das Spitalpersonal vor Erschöpfung zusammenbricht.» Und das sagt sie heute:

«Am strengsten war es für uns im Berner Tiefenau­spital ­Anfang März, als wir noch nicht vorbereitet waren. Dann haben wir uns aber gut organisiert: Wir ­haben jetzt in der Pflege pro Schicht eine Person mehr, weil wir die Pensen aufgestockt haben; vor dem Notfall steht der Covid-Truck, der die Abstriche macht, im Notfall haben wir fünf Kojen für Covid-­Patientinnen und -Patienten eingerichtet, und dort, wo vorher die Orthopädie war, steht jetzt die Isolationsstation, die Platz für acht Kranke bietet. Die Isolationsstation war jedoch bisher nie vollständig belegt, meistens hatten wir zwischen drei und fünf Covid-Patienten. Die Inselgruppe, zu der auch das Tiefenauspital gehört, hat in der Stadt Bern 90 zusätzliche Intensivstationsbetten installiert, auch diese waren jedoch nie vollständig ausgelastet. Am meisten positive Tests hatten wir Mitte März, seither sind die Fallzahlen am Sinken.

«Für jeden Test ziehen wir die
volle Schutz­montur an.»

SCHUTZMONTUR. Die Massnahmen, die der Bund getroffen hat, aber auch die Neuorganisation im Spital ­waren gut. Wenn wir sie nicht gehabt hätten, wäre es schlimm geworden. Das zeigen schon nur die Zahlen der Covid-Tests, die im Truck gemacht wurden: Meine Kolleginnen und Kollegen machten dort täglich 15 bis 20 Abstriche. Wenn wir die alle im Notfall hätten machen müssen, wäre es sehr stressig geworden. Denn für jeden Test müssen wir die volle Schutzmontur ­anziehen.

Seit dem 27. April fährt der Truck seine Tätigkeit jetzt langsam herunter. Aber es könnte schon sein, dass mit den Lockerungen die Zahl der Covid-Fälle wieder steigt. Es ist zwar schon gut, dass die Massnahmen jetzt wieder etwas gelockert werden. Irgendwann müssen wir das tun. Aber: Bis wir einen Impfstoff haben, bleibt der Virus ein ­Problem.» (asz)


Gianni Izzo (51), Coiffeur, selbständig «Sooo heiss unter der Maske. Aber was wosch mache?»

Maske auf und Haare runter! Gianni Izzo kämpft in seinem Salon mit den Tücken der Schutzobjekte und stellt sich viele Fragen.

FRISUREN-EXPERTE (nur fürs Foto ohne Handschuhe): «Der schönste Beruf!»

«Also, ich bin ja schön gespannt, wie das jetzt gehen wird mit diesen ­Masken und Handschuhen und so. Soll mir doch mal der Bundesrat erklären, wie man das machen soll mit diesen Masken­bändeln, wenn man rund um die Ohren rausputzen muss. Wenn ich da hochschneiden soll. Und wenn man unter der Maske so schwitzt. Madonna! Sooo heiss, als hätte ich Wallungen! Und verstehen tut man die Leute unter den Masken auch nicht gut. Aber ok, was wosch mache?

«Hatte die Agenda subito platschvoll. Ist doch super!»

NUR EIN VIRUS? Und dann mein Grossist! Den hab ich schon vor drei Wochen angerufen, um Ware zu bestellen. Viele Farben sind schon ausverkauft. Und Masken hatte er auch keine. Mamma mia! Wie kommt das noch heraus mit meinem ­Salon? Und alles wegen einem Virus! Obschon, manchmal frage ich mich schon: Ist da noch mehr? Ist da noch was dahinter? Etwas, von dem wir noch gar nichts wissen? Oder wirklich nur ein Virus?

MAMMA MIA! Besser, ich komme gar nicht ins Grübeln, hab ich gesagt. Mamma mia! ­Immerhin kann ich jetzt wieder arbeiten. Das Geld wächst bei mir nämlich auch nicht auf den Bäumen. Und mein Partner, wegen Corona: einfach bumm – und arbeitslos! Aber, was wosch?
Hatte die Agenda subito platschvoll. Ist doch super. Hey, ich mach’s einfach gern! Ich werde im nächsten Leben grad wieder Coiffeur! Das ist der schönste Beruf, den es gibt. Immer was los, die Leute erzählen, ein bisschen Psychologie, ein bisschen Stilberatung – und ich kann immer viel ­reden (lacht). ­Einfach perfetto!» (mjk)


Regina Karich (48), Rayonleiterin bei Coop «WC-Papier-Notlage ist behoben»

Im letzten work erzählte Coop-Verkäuferin Regina Karich von den damals neu eingeführten Nümmerli am Ladeneingang. Jetzt hat sie sich daran gewöhnt und möchte gewisse Corona-Massnahmen gar für immer beibehalten.

VERKAUFS-EXPERTIN: «Auch vor dem Laden halten die Leute immer schön eine Wägelilänge Abstand.»

Mir geht’s gut – bin am Überstundenabbauen. Die 40 Corona-Überstunden habe ich jetzt schon fast wieder runter. Die Situation im Laden hat sich nochmals etwas normalisiert, sogar die WC-Papier-Notlage ist behoben. Der Andrang der Kundschaft ist momentan wie auf einer Kreuzfahrt: ein Schiff kommt, ein Schiff geht. Im grossen und ganzen sind die Leute sehr freundlich. Viele sagen jetzt ‹Gueti Gsundheit› statt ‹Uf ­Widerluege›. Es hat aber immer wieder ein paar aggressive Kunden, die ­Corona-Polizisten spielen. Oder Leute, die verlangen, dass wir ihnen an der Self-Scanning-Kasse helfen, aber mit zwei Metern Abstand – das ist natürlich ein Witz!

«Einige Kunden spielen Corona-Polizisten.»

ENDLICH BLUMEN. Seit dem 27. April verkaufen wir wieder Blumen. Viele Kundinnen und Kunden freuen sich und sagen mir, das Leben sei jetzt endlich wieder bunter. In den letzten Wochen haben wir auch mehr Alkohol verkauft. Ich denke, die Leute sitzen bei sonnigem Wetter mehr zu Hause auf dem Balkon und geniessen das Leben. Anstehen müssen die Kundinnen und Kunden nur am Wochenende, aber darüber hat sich noch nie jemand beklagt. Und auch vor dem Laden halten die Leute immer schön eine Wägelilänge Abstand. Neu ist, dass wir jetzt im Geschäft Masken tragen ­dürfen. Ich selbst werde keine anziehen. Ich habe jetzt sechs Wochen lang keine Maske getragen, deshalb sehe ich nicht ein, wieso ich jetzt eine anziehen sollte. Wir haben ja die Plexiglasscheibe, die uns schützt. Diese Scheibe könnte von mir aus für immer bleiben. Denn noch immer gibt es viele Leute, die weder in den Ellenbogen noch in ein Nastuch niesen. Auch an das von Coop in Corona-Zeiten offerierte Zmorge mit Gipfeli, Orangensaft & Co. könnte ich mich gewöhnen, vielen Dank!

Allerdings möchte ich gerne wissen, wie es mit den Beizen weitergeht. Denn ich habe im Team vier Mitarbeitende des Coop-Re­staurants. Wenn die dann plötzlich wieder wegfallen, muss ich um­disponieren. Ich habe sie jetzt mal bis Ende Mai eingeteilt – und dann müssen wir halt schauen.» (asz)


Svenja Egger (20), Pharma-Assistentin im 3. Lehrjahr «Traurig, dass es kein Abschlussfest gibt»

Im letzten work erzählte Pharma-­Assistentin Svenja Egger von der ­Ungewissheit, was mit den Abschlussprüfungen passiert. Diese Frage hat sich mittlerweile geklärt.

PHARMA-EXPERTIN: «Die praktische Prüfung macht mir kein Bauchweh.»

Alle Prüfungen sind abgesagt, ausser die praktische Prüfung in der Apotheke. Da habe ich natürlich nichts dagegen … Vor allem bei der schriftlichen Prüfung bin ich froh, dass ich darum herumkomme. Das wären berufsspezifische Sachen gewesen, Therapien, Rezepte, Chemie und so. Die praktische Prüfung macht mir nicht so Bauchweh. Zwei Fachleute werden mir 75 Minuten lang verschiedene Aufgaben stellen. Ich muss beraten, die ­richtigen Rückfragen stellen und so weiter. Aber das mache ich jeden Tag, das kann ich.

«An der praktischen Prüfung muss ich beraten. Das kann ich!»

RIESENPUZZLE. Die Prüfungsabsage habe ich letzte Woche bekommen. Da hatte ich Ferien – eigentlich, um zu lernen. Jetzt habe ich etwas weniger gelernt und hatte dafür Zeit, meinen Eltern im Garten zu helfen und für mein Hobby, das Puzzeln. Das mache ich schon, seit ich klein bin. Für ein Tausender-Puzzle brauche ich nur vier Stunden, ich hab’s mal gestoppt.

Traurig finde ich, dass es kein Abschlussfest geben wird. Da wären die Zeugnisse verteilt und die Besten des Jahrgangs verkündet worden. Vor allem habe ich schon am Anfang der Lehre, in Kanada, ein Abendkleid gekauft, das ich dann am Abschlussfest tragen wollte. Das Fest fällt jetzt ins Wasser. Schade!» (che)

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