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Semi-Truck: Tesla mehr wert als VW und BMW zusammen. Spinnen die Börsianer?

2020 will der US-Autohersteller Tesla seinen 40-Tonnen-Elektro-Truck auf den Markt bringen. Inklusive Giga-Chargern mit 1600 kW Leistung. Mit ein Grund dafür, dass Tesla an der Börse boomt.

WONDER-TRUCK: Der neue Elektro-Sattelschlepper von Tesla soll effizienter und billiger im Unterhalt werden und natürlich ökologischer. (Foto: Tesla)

Was interessiert die grosse Mehrheit der work-Leserinnen und -Leser, die selber nicht spekulieren, schon die Börsenkurse? Über unsere Pensionskassen und unsere Nationalbank spekulieren wir irgendwie alle an der Börse, aber ohne Stimmrecht. So stiegen die Vermögen der Pensionskassen und der Nationalbank letztes Jahr um 150 Milliarden Franken. Und trotzdem sinken unsere Renten.

IRRE WETTE. Börsenkurse spiegeln die Erwartungen der Kapitalisten und ihrer Analysten und Analystinnen. Diese versuchen zu begreifen, welche Technologien, welche Produkte sich wie profitabel durchsetzen werden. Und welche auf der Strecke bleiben. Ab und zu irren sich die Spekulanten und ihre Wasserträger. In der Regel liegen sie allerdings nicht ganz falsch. Sonst wäre der Kapitalismus längst kollabiert. Inzwischen ist Tesla mehr wert als VW und BMW zusammen. Eine irre Wette auf die Zukunft, weil allein VW 30 Mal mehr Autos verkauft als Tesla.

Tesla wird 2020 seinen Semi-Truck in einer Vorserie auf den Markt bringen. Noch scheint sich in der Schweiz niemand so richtig dafür zu interessieren. Denn Entwicklungen vorher­sehen ist in der Schweiz etwa gleich verbreitet wie Kricket spielen.

Semi-Truck 1: Die mittlere Variante des 40-Tonnen-Semi-Trucks von Tesla wird gut 200’000 Franken kosten. Er fährt vollge­laden mit einer Batterie­ladung 800 Kilometer weit. Und verbraucht pro 100 Kilometer nur 125 Kilowattstunden Strom. Seine Batterien müssen folglich 1000 Kilowattstunden Strom speichern können. Zum Einsatz kommen sollen neue Batterien, die pro Kilo mehr Wattstunden speichern. Spannend.

Semi-Truck 2: Der US-amerikanische Tesla-Unternehmer Elon Musk verspricht für seine Sattelaufleger eine Lebensdauer von 1,6 Millionen Kilo­metern. Wenn das wahr sein sollte, dann machen Verzinsung und Amortisation pro Kilometer weniger als 20 Rappen aus. Die Unterhaltskosten sollen zusätzlich weit tiefer sein als bei einem Diesellastwagen. Denn Elektromotoren brauchen kein Motorenöl und fast keinen Service. Bremsbeläge müssen nicht ersetzt werden, da die Motoren bremsen und so Energie zurück­gewinnen.

Semi-Truck 3: Parallel zum Semi-Truck will Tesla offenbar auch einen Giga-Charger mit einer Leistung von 1600 Kilowatt auf den Markt bringen. Das entspricht der Leistung von etwa 800 Haarföhnen, die gleichzeitig blasen. An diesen elektrischen Tanksäulen, an diesen Giga-Chargern sollen die Elektro­brummer innert 20 Minuten Saft für weitere 500 Kilometer tanken können. So lange dauert eine Pinkelpause samt anschliessendem Cappuccino.

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/zug-verpasst
    Es lohnt sich, diesen Artikel von Frank Thelen zu lesen. Immer mehr stellen sich die Frage, ob die deutsche Autoindustrie den Zug verpasst habe.
  • rebrand.ly/spannung-steigt
    Die deutsche Zeitschrift «Auto Motor und Sport» ist kein linkes Ökoheftli. Trotzdem hat sie alle verfügbaren Daten über den Semi-Truck von Tesla übersichtlich dargestellt. Können Tesla-Semi-Trucks teilautonom im Konvoi fahren? So wie das Tesla-Unternehmer Elon Musk versprochen hat? Werden so aus mehreren Tesla-Semi-Trucks faktisch Züge mit einem Chauffeur, einer Chauffeurin auf der Strasse? Die Spannung steigt.

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