Ladenöffnungszeiten: So wurden sie immer länger und lääääänger und läääääääääääääänger

«Immer lächeln, während die Füsse weinen»

Marie-Josée Kuhn und Michael Stötzel

Für Deutschland gibt es ihn. Für Österreich gibt es ihn. Nur für die Schweiz nicht: den Überblick über die Geschichte der Laden­öffnungszeiten. work hat es dennoch versucht, anekdotisch und punktuell.

ZUG UM ZUG bauen die Läden in den SBB-Bahnhöfen ihre Öffnungszeiten aus. Wie am Bahnhof Basel, wo die Läden bis zu 19 Stunden am Tag offen sind.

In der Schweiz sind es die Kantone und Gemeinden, die die Ladenöffnungszeiten festlegen. Deshalb sind die Unterschiede in den einzelnen ­Regionen bis heute riesig. Dennoch zeigt sich eine eindeutige Tendenz. Die immer längeren Öffnungszeiten brechen vom Osten her über die Schweiz herein:

SHOPPING-TEMPEL: Einweihung des ersten Einkaufs­zentrums Tivoli in Spreitenbach, Zürich,
am 12. März 1970. (Foto: Shoppi Tivoli)

ZÜRICH, APRIL 1961. Die «Neue Zürcher Zeitung» (NZZ) beklagt sich in ihrer Mittagsausgabe vom 14. April darüber, dass «die öffentliche Ordnung eine Anpassung der Ladenöffnungszeiten an die Bedürfnisse einzelner Branchen» verhindere. Aber auch an die Bedürfnisse einzelner Bevölkerungsgruppen. Zum Beispiel an die berufstätige Hausfrau. Zwischen Büro- oder Fabrikschluss bleibe dieser fast keine Zeit für ihre «Kommissionen». Längere Öffnungszeiten müssten also her, und der «Einführung der Abendladenöffnung» sei «alle Aufmerksamkeit zu schenken».

Wie gefordert, so geschehen, berichtet die «Schweizer Illustrierte» am 15. Dezember 1969 in einer Reportage aus Volketswil ZH: «Im ersten Augenblick ist man ehrlich verblüfft. Obwohl der Uhrzeiger 19.30 Uhr zeigt, ist der Parkplatz vor dem Selbstbedienungswarenhaus mit Personenwagen dicht besetzt.» Wen wundert’s: in Volketswil ist neuerdings Abendverkauf! Täglich werktags bis 20 Uhr. Und auch in Otelfingen ZH. Das Ringier-Heftli frohlockt, denn auch im Kanton Aargau werde man in Spreitenbach bald nachziehen. Und in den Aargauer Gemeinden Baden, Ennetbaden, Wettingen und Brugg «steht ein Grossteil der Ladengeschäfte seit einiger Zeit an einem Wochenabend bis 20 Uhr oder 21 Uhr offen».

BERN, JANUAR 1987. Tagung des Gewerkschaftsbundes der Stadt Bern und Umgebung. Verkäuferin Edith Lörtscher hält eine Brandrede gegen die Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten: «Am liebsten würden sie ihre Kassen Tag und Nacht klingeln lassen», heizt die VHTL-Gewerkschafterin den Saal auf. Die Rede ist vom wachsenden Druck der Berner Warenhäuser und Grossisten. Lörtscher: «Ein normales Privat- und Familienleben ist bald nicht mehr möglich.» Später verabschieden die Delegierten einstimmig eine Resolution: «Mit allen Mitteln wollen wir gegen längere Ladenöffnungszeiten ankämpfen.»

Dasselbe beschliesst vier Monate später auch der Gewerkschaftsbund Zürich. Dort beabsichtigen die Detailhändler, den täglichen Ladenschluss bis 20 oder 22 Uhr auszudehnen. Und in den geplanten Bahnhofbauten sogar am Sonntag zu öffnen. Bei den Verkäuferinnen und Verkäufern kommt das schlecht an, wie eine Umfrage des VHTL ergibt: 90 Prozent lehnen längere Ladenöffnungszeiten kategorisch ab. Auch wegen mieser Arbeitsbedingungen:

  • Eine 45-Stunden-Woche ist an der Tagesordnung.
  • Dies bei einem durchschnittlichen 100-Prozent-Lohn von unter 3000 Franken. Brutto! Zum Vergleich: Damals kostete 1 Kilo Brot 3 Franken 10.
  • Dazu kommen Umsatz- und Arbeitsdruck.
  • Beim VHTL gibt’s jetzt die neue Ratgeber-Broschüre «Immer nur lächeln, während die Füsse weinen».

Und immer mehr Füsse müssen weinen, weil immer mehr Kantone Sonntagsarbeit erlauben. Zum Beispiel das Tessin. Im Dezember 1987 bewilligt der Südkanton zwei Adventsverkäufe plus «ausnahmsweise» einen zusätzlichen Abendverkauf am 23. Dezember bis 21 Uhr 30. Was für ein «Weihnachtsgeschenk!» ätzt die Gewerkschaft. Aber immerhin ist es in der Schweizer Sonnenstube noch nicht so schlimm wie in Davos, Arosa und Pontresina oder im Sommer in Luzern. In diesen Tourismusorten dürfen sonntags jetzt auch Bäckereien und Milchläden verkaufen.

Appenzell-Ausserrhoden ausnahmsweise schnell, und eine Zitterpartie an der Urne

BASEL, OKTOBER 1992. In der Basler Altstadt öffnen 23 Verkaufslokale während der Herbstmesse erstmals auch am Sonntag ihre Türen. Das haben Gewerbler erfolgreich durchgesetzt. Begründung: Angesichts der auswärtigen Konkurrenz müssten dem Basler Gewerbe optimale Rahmenbedingungen ermöglicht werden. Das tat im November auch Zürich: 63 Geschäfte im neuen Shopville unter dem Bahnhof können künftig von 8 bis 20 Uhr offen haben, auch an Sonn- und Feiertagen.

Inzwischen gibt es in der Schweiz bei den Ladenöffnungszeiten mehr Regelungen als Kantone. Das bringt die höchste Wettbewerbshüterin im Land, die Kartellkommission, auf den Plan. Sie empfiehlt Bund und Kantonen, doch einfach alle bestehenden Ladenöffnungsgesetze abzuschaffen – und durch eine «flexible und einheitliche» Handhabung zu ersetzen. Der Gewerkschaftsbund ruft Stop! Er wirft der Kommission vor, sie verabsolutiere den freien Markt und trete die Rechte der Arbeitnehmenden mit Füssen. Trotzdem diskutieren sie jetzt in Zug, Basel-Stadt und Basel-Land, wie sie die Empfehlung der Kartellkommission umsetzen könnten. Und Appenzell-Ausserrhoden streicht kurz entschlossen seine ganze Ladenschlussordnung.

SCHWEIZ, NOVEMBER 2005. Es ist eine Zitterpartie bis zum Schluss, doch dann kommt ein hauchdünnes Ja mit 50,6 Prozent der Stimmen doch noch zustande: Ab sofort können die Geschäfte an 39 Bahnhöfen und Flughäfen auch am Sonntag offen haben. Trotz des Zufallsentscheids ist es ein Durchbruch, denn bisher war der Sonntagsverkauf in insgesamt 13 Abstimmungen verworfen worden. Umso grösser ist der Jubel bei den Abstimmungssiegern. Vor allem bei der IG Freiheit. Sie wurde von führenden FDP- und SVP-Turbos gegründet mit dem Ziel, gesetzliche Ladenschlusszeiten landesweit abzuschaffen.

Bekämpft haben die Vorlage die Gewerkschaften, die Kirchen und die Linken. Unia-Geschäftsleitungsmitglied André Daguet formuliert den Widerstand im Abstimmungskampf so: «Dass man am Sonntag ein Joghurt kaufen kann im Bahnhof, finde ich gut, aber gleich auch noch den Kühlschrank dazu? Das ist unsinnig!» Für ihre Haltung ernten Daguet und die Gewerkschaften von rechts und von fast allen Medien viel Häme und den Vorwurf, «ewiggestrig» zu sein. Und «an den Bedürfnissen der Leute» vorbeizupolitisieren.

Zu Unrecht, wie die Analyse des Abstimmungsergebnisses zeigt: Gegen den Einstieg in die allgemeine Sonntagsarbeit stimmten nicht nur Gewerkschaftsmitglieder, sondern auch die Mehrheiten jener, die unter 5000 Franken verdienen und keine Ausbildung oder Lehre haben. Und der Frauen. Umgekehrt stimmten die reichen und superreichen Gemeinden Ja: Zum Beispiel Christoph Blochers Wohnort Herrliberg an der Zürcher Goldküste. Mit stolzen 80 Prozent.

Bis heute 2020 gab es insgesamt 22 Abstimmungen, die alle den Sonntag zum Werktag machen wollten. 16 davon schickten die Stimmenden bachab.

Der Angriff auf den Samstag und ein blauer Brief

MARISA PRALONG: Wegen Kritik am Vorweihnachtsverkauf stellte Manor sie vor die Tür. (Foto: Olivier Vogelsang)

ZÜRICH, JUNI 2008. Jetzt kommt der Samstag dran: Das von der Migros kontrollierte Einkaufszentrum Glatt in Wallisellen ZH und der Letzipark im Stadtkreis 4, wo Coop die Hauptmieterin ist, wollen samstags neu bis 20 Uhr offenhalten. Über die Köpfe von 2500 Mitarbeitenden hinweg.

Erst aus den Medien erfahren die Beschäftigten des Glattzentrums von diesem Entscheid. 400 von ihnen mögen sich das nicht bieten lassen und organisieren eine offene Personalveranstaltung. Ihre Argumente entrollen sie auf zwölf Lauf­metern Packpapier: «Was haben die Kinder von ihren Eltern, wenn diese bis 20 Uhr arbeiten? Nur noch einen Gutenachtkuss!» steht da in grossen Lettern. Doch die Chefs blocken. Sie wollen auch nicht mit der Unia zusammensitzen, die zum Ausgleich Arbeitsbedingungen wie im Shopville am Hauptbahnhof Zürich fordert: maximal 9,5 Stunden tägliche Arbeitszeit, 5-Tage-Woche, Mindestlöhne von 3600 bis 4100 Franken.

Ein Jahr später beschliesst die Zürcher City-Vereinigung, alle Läden in der Innenstadt samstags bis 20 Uhr offen zu halten. Das ist mittlerweile in den Migros- und Coop-Filialen der ganzen Stadt die Regel.

GENF, FEBRUAR 2009. Marisa Pralong arbeitet als Verkäuferin in der Herrenbekleidungsabteilung von Manor in Genf. Dann plötzlich erhält die 43jährige die Kündigung. Begründung: Pralong habe dem Ansehen der Warenhauskette geschadet. Sie stutzt und denkt nach: Was hat sie getan? Dann ein Verdacht: Vor zweieinhalb Monaten äusserte sie sich in der Tageszeitung «Tribune de Genève» zu den Abendverkäufen vor Weihnachten. Kritisch! Die aktive Unia-Gewerkschafterin erklärte, dass Läden in den Wochen vor dem Weihnachtsrummel die Arbeitszeit senken würden, «was uns dann zwingt, sie mit Arbeit am Abend abzugelten». Manor nennt sie nicht beim Namen. Und dennoch muss Pralong gehen.

Dabei verbietet der Genfer GAV für den Verkauf antigewerkschaftliche Kündigungen. Pralong geht vor Arbeitsgericht und bis vor Bundesgericht. Dieses gibt ihr schliesslich recht und ­erklärt: Laut GAV müsste Pralong eigentlich wieder eingestellt werden. Doch das Obligationenrecht sieht lediglich eine Entschädigung von sechs Monatslöhnen vor. Pralong hat die Nase voll vom Detailhandel. Sie wird Profi-Gewerkschaftssekretärin bei der Unia.

Doris Fialas Pyjama oder: das Volk ist doch nicht blöd!

IN DER DUNKLEN NACHT: Unia-Aktion gegen Turbo-Ladenöffnungszeiten-Initiative. (Foto: Unia)

ZÜRICH, MAI 2012. Punkt 1 Uhr 05 klingelt es am 15. Mai bei Doris Fiala an der Tür. Vor ein paar Tagen hat sich die FDP-Politikerin im Fernsehen als 24-Stunden-Shopperin geoutet und gesagt, sie sei «eine jener urbanen Persönlichkeiten, die auch nachts einkaufen gehen könnten». Damit bekannte sie sich zur Zürcher Volksinitiative «Der Kunde ist König» der IG Freiheit. Diese fordert, dass künftig alle Zürcher Ladenbesitzenden ihre Geschäfte so lange offen halten können, wie sie wollen.

Fiala meldet sich per Gegensprechanlage: «Ja?» Vom anderen Ende tönt eine Frauenstimme: «Grüezi, Frau Fiala, hier sind ein paar Verkäuferinnen zusammen mit der Unia. Wir haben Kleider mitgebracht und möchten Sie jetzt grad herzlich zum Shoppen vor Ihrer Haustür einladen.» Fiala ist nicht amüsiert und sagt: «Ich bin schon im Pyjama, im Bett und habe geschlafen.» Sie rät den Verkäuferinnen, sich doch einen anderen Job zu suchen, wenn sie nicht nachts arbeiten wollten. Das Video der Unia-Aktion geht viral (Link zum Video: rebrand.ly/fiala). Und die Zürcherinnen und Zürcher machen am 17. Juni von ihrem königlichen Recht Gebrauch, die Turbo-In­itiative zu versenken. Mit satten 71 Prozent. Die IG Freiheit macht trotzdem weiter.

SCHWEIZ, SEPTEMBER 2013. Die Schweiz wird mit Tankstellenshops zugepflastert: Inzwischen gibt es davon 1333 Stück. Allein 2013 befinden sich 120 neue Shops mit Zapfsäule in Planung oder bereits im Bau. Jetzt wollen Coop, Migros, BP, Shell und die Erdölvereinigung das Arbeitsgesetz in einer Volksabstimmung massiv verschlechtern. Sie verlangen, dass ihre Tankstellenshops ihr ganzes Sortiment künftig rund um die Uhr verkaufen können. Im Moment dürfen sie zwischen 1 und 5 Uhr nachts nur einen Teil davon verkaufen.

Der Benzinverkauf ist für die Betreiber nicht mehr als ein Hebel, um den Rundumverkauf in den hochprofitablen Shops durchzudrücken. Sie machten 2012 gut viermal mehr Umsatz als in Tankstellen ohne Shops. Anders sieht es mit dem Lohn der Mitarbeitenden aus: 2011 stellte die Unia die Esso- und Migrolino-Tankstellenshops in Chur und Ramsen SH an den Pranger: für den 17-Franken-Stundenlohn.

«Es geht ja nur um die Tankstellenshops», beschwichtigt der Genfer FDP-Nationalrat und Anwalt Christian Lüscher. Er wirbt allen voran für ein Ja zur Änderung des Arbeitsgesetzes. Das ist sein Juristentrick. Denn er weiss genau, dass ein Durchbruch bei den Shops der Einstieg in die unbeschränkte Nacht- und Sonntagsarbeit wäre. Das wissen auch 55,8 Prozent der Stimmenden und legen am 22. September drum ein Nein in die Urne.

Bis sich auch die Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden der Tankstellenshops verbessern, geht es aber noch 5 Jahre. Erst am 1. Januar 2019 tritt der allgemeinverbindliche Tankstellenshop-GAV in Kraft. Er schreibt unter anderem neu Mindestlöhne vor: In den meisten Kantonen 4100 Franken für Beschäftigte mit dreijähriger Berufslehre und 3700 Franken für Ungelernte. Ein historischer Schritt!

Ein Fake-Village und immer mehr schwarze Freitage

SCHWEIZ, FEBRUAR 2015. Die Lädeler-Turbos sind erfinderisch, sie suchen sich immer neue Einfallstore, um das Nonstop-Shopping doch noch zu erzwingen. Das neuste Tor heisst: Tourismusgebiet. Doch was ist das? Und für welche Läden gilt das? FDP-Bundesrat Johann Schneider-Ammann verordnet: Eine internationale Kundschaft und ein mehrheit­liches Angebot von Luxusartikeln genügen für Geschäfte in Tourismusgebieten, damit diese auch am Sonntag öffnen können. Schneider-Ammann legalisiert damit nachträglich die Sonntagsarbeit in den Shoppingcentern Foxtown (Mendrisio TI) und Alpenrhein Outlet Village (Landquart GR).

Letzteres ist eine Ansammlung von etwa 40 Läden in kleinen Chalets, die Modelabels wie Hugo Boss oder Armani führen. Es öffnete seine Türen seit 2009. Auch sonntags. Ohne die obligate Bewilligung einzuholen. Schliesslich gehöre das Village zur «Tourismusregion Graubünden», erklärt die Bündner Verwaltung. Das sah die Unia anders und erhob Einsprache. Der Streit ging bis vor Bundesgericht. Schliesslich befand dieses, ein Tourismusgebiet könne nicht einen ganzen Kanton umfassen. Das Village müsse also eine Bewilligung einholen. Mit dem Entscheid aus dem Wirtschaftsdepartement Schneider-Ammann wird das nun hinfällig.

Das Fake-Dörfchen in Landquart gibt es heute noch, und es hat täglich bis 19 Uhr geöffnet. Ganz im Unterschied zur unteren Altstadt Bern: Auch sie soll als Tourismusgebiet am Sonntag verkaufen können. Finden FDP-Turbo-Lädeler in ihrem Vorstoss. Doch nicht mal die betroffenen Läden wollen das. Die Berner Altstadt bleibt sonntags zu.

RABATTSCHLACHT: Ghackets mit Hörnli für den Black Friday. (Foto: Keystone)

SCHWEIZ, NOVEMBER 2019. 1500 Tassen Kaffee bestellt die Elektronikkette Interdiscount im Vorfeld des Black Friday am 11. November. Dazu 450 Kilogramm Ghackets und Hörnli und 160 Kilogramm Früchte. Das berichtet die Zeitung «20 Minuten». Denn die grosse Rabattschlacht ist eine Herausforderung für die Mitarbeitenden. Also bietet ihnen Interdiscount Gratisverpflegung an. Interdiscount muss in der Woche vor und nach dem Black Friday jedoch auch rund 100 zusätzliche Verkäuferinnen und Verkäufer für die Logistik haben. Die immer längeren Ladenöffnungszeiten sind eine riesige Belastung für Verkäuferinnen und Verkäufer. Stress und Druck am Arbeitsplatz steigen. Drastisch zeigt dies die Umfrage von work bei Verkaufsmitarbeitenden von Coop, Migros, Esprit, ­Manor, Ikea, Aldi und Beldona.

Es wird «bald schon» vollautomatisierte Shops nach dem Vorbild von «Amazon Go» geben. Sagt Karin Frick, Trendforscherin am Migros-nahen Gottlieb-Duttweiler-Institut. Das sind Rund-um-die-Uhr-Läden, in denen die Kundschaft mit Smartphone und ­Amazon-Konto am Eingang eine App lädt. Im Laden werden sie dann lückenlos von Kameras überwacht, die registrieren, welche Produkte sie aus den Regalen nehmen und in ihre Taschen packen. Wenn sie den ­Laden wieder verlassen, erhalten sie via Smartphone die Rechnung, die dann vom Amazon-Konto abgebucht wird.

In der Schweiz experimentieren Migros, Coop und die Kioskkette Valora bereits mit entsprechenden Läden. Solche Robo-Shops kämen zumindest nachts ganz ohne Personal aus, so Frick, womit das Arbeitsgesetz dann keine Rolle mehr spiele. Was aber ist
am Tag?

Noch gilt das nationale Arbeitsgesetz in acht Kantonen. Denn sie haben bisher keine eigenen Gesetze zu Ladenöffnungszeiten. Die für die Beschäftigten schlechteste Regelung überhaupt hat die Stadt Zürich, mit Läden, die bis 15 Stunden pro Tag offen sind. Die Coop-Filiale im Bahnhof Bern verkauft während sogar 17 Stunden.

Quellen: work sowie Tages- und Wochenpresse.


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1 Kommentar

  1. Thomas Schieweck

    Dieser Gang durch die Geschichte des Verkaufspersonals und Ihrer Profiteure, Deregulierer und lobbyierenden Politiker ist
    stellvertretend auch für andere Branchen wichtig. Der Druck wird ständig grösser, der Ton zunehmend ruppiger und die Methoden könnten auch im einem Mafiafilm verwendet werden. Die Löhne und Arbeitsbedingungen sind an vielen Orten einfach unter aller Sau! Kann mich noch gut an meinen Staatskundeunterricht erinnern, Der Umgang mit den Schwächsten in der Gesellschaft zeigt den Zustand einer Gesellschaft und auch der Demokratie .In dem Fall wünsche ich auf alle Fälle gute Besserung!

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