Wohnkonzerne ­quetschen Mieter aus:

Rendite ­bolzen mit der Miete

Ralph Hug

Wohnungen werden immer mehr zur Ware. Mieterinnen und ­Mieter zahlen für die Renditen von Immobilienkonzernen, Banken und Versicherungen.

SKANDAL-BANK: Für höhere Renditen geht die Credit Suisse besonders skrupellos vor. (Foto: Keystone)

Früher waren Aktien heiss. Heute sind es Immobilien. Weil sich in der Finanzkrise von 2008 über Nacht Zigmilliarden in Luft auflösten, bevorzugen Anleger und Kapitalisten wieder den Grundbesitz als Kapitalanlage. Da ist die Rendite zwar kleiner, dafür sicher. Denn Mieterinnen, Gewerbler und Geschäftsinhaber zahlen immer. Und keine Liegenschaft löst sich in Luft auf. Das wissen die Grossen im Immobi­lienbusiness genau. Konzerne wie PSP Swiss Property, Swiss Prime Site, Mobimo, Allreal, Swiss Life oder die Immobilienfonds der Grossbanken UBS und CS sind alle an der Börse kotiert. Ihre Ware muss Gewinn abwerfen. Und das sind die Wohnungen, in denen Menschen leben. Die Miete ist ihr Profit. Die Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran sagt: «Diese Firmen quetschen den grösstmöglichen Ertrag aus den Liegenschaften heraus.» Und erst noch gesetzwidrig.

(Quelle: Zahlen gemäss Schätzungen des Mieterinnen- und Mieterverbands Schweiz.)

Wohnkonzerne sind auf dem Markt seit 2000 im Vormarsch. Rücksichten kennen sie kaum. Besonders skrupellos geht die Skandalbank Credit Suisse vor, wenn es um höhere Renditen geht. Beispiele von jüngsten Massenkündigungen sind der Brunaupark in Zürich, der Schorenweg in Basel oder Fauquez-Rouvraie in Lausanne. An die tausend Betroffenen droht der Rausschmiss wegen Sanierung. Viele dieser Wohnungen sind nicht mal dreissig Jahre alt und keineswegs abbruchreif.

VERHINDERER. Die Immobilienlobby ist im Parlament bei FDP, SVP und CVP so gut verankert wie die Krankenkassen. Eine dringend nötige Verschärfung des Mietrechts hat sie bisher erfolgreich verhindert.

Letztes Jahr verlangte die Linke einen besseren Schutz für ältere Mieterinnen und Mieter. Vergeblich. Hierzulande können selbst Hundertjährige innert kurzer Zeit vor die Tür gesetzt werden. Das gibt es sonst nirgends in Europa.


Weitere Artikel zum Thema:

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.