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Revolutionäre Umkehrosmose-Anlagen: Aus Meer- und Brackwasser wird Trinkwasser für alle

Manager Peter Brabeck wurde reich bei Nestlé. Seine Themen als CEO waren die weltweite Trinkwasserknappheit und die Wasserprivatisierung: Alle sollten Nestlé-Wasser kaufen und trinken. Doch jetzt ­könnte der technische Fortschritt diese ­Kapitalistenträume ­durchkreuzen.

WASSER-ENTSALZUNG: Bei der Umkehrosmose wird Wasser unter hohem Druck durch eine Membran gepresst, die nur Wassermoleküle durchlässt. Die neusten dieser Anlagen brauchen nur noch 3 Kilowattstunden Strom, um einen Kubikmeter Trinkwasser herzustellen. (Grafik: iStock)

Jedes Jahr veröffentlicht das Wirtschaftsmagazin «Bilanz» die Liste der 300 reichsten Schweizerinnen und Schweizer (siehe Seite 7). Die meisten von ihnen stammen aus dem Ausland oder sind Papierli-Schweizer.

Einst war diese Liste so etwas wie ein Hauch von Kapitalismuskritik. Heute ist das Gegenteil der Fall. Wir sollen jene bewundern, die immer reicher werden. Während die Kaufkraft der Haushalte mit mittleren und kleinen Einkommen sinkt.

Die ganz Reichen, jene, die mehr als eine Milliarde haben, sind fast ausschliesslich Erben. Die Manager der Superreichen bringen es irgendwo auf Vermögen zwischen 100 und 400 Millionen.

NESTLE-WASSER. Einer dieser reich gewordenen Manager ist Peter Brabeck. Geschätztes Vermögen: rund 400-450 Millionen Franken. Sein Thema als Nestlé-Chef war der weltweite Wassermangel, genauer: der weltweite Trinkwassermangel. Jetzt ist bei Nestlé davon nicht mehr die Rede.

Vielleicht zu Recht, denn der technische Fortschritt scheint auch auf diesem Feld viele Erwartungen zu übertreffen. Dank Umkehrosmose-An­lagen mit revolutionär neuen Membranen. Um einen Kubikmeter Wasser zu produzieren, benötigen die neusten Anlagen maximal noch 3 Kilowattstunden Strom. Mit diesem Strom presst eine Pumpe das Meerwasser mit bis zu 80 Bar Druck durch feinste Membranen. 80 Bar sind verdammt viel. Sie entsprechen einer Wassersäule von 800 Metern.

KOSTENGÜNSTIG. Diesen Druck braucht es, um das Wasser durch Löcher hindurchzupressen, die eine Million Mal kleiner sind als ein Millimeter. Hoher Druck bedeutet hohen Energieverbrauch. Kleinere Umkehrosmose-Maschinen müssen zudem Tag und Nacht laufen, wenn sie nicht verpappen sollen.

Für Entwicklungsländer angepasste Wasseraufbereitungsanlagen brauchen also diese drei Dinge:

  • Effiziente Solarzellen, die den Strom kostengünstig produzieren.
  • Genügend grosse Batteriepakete, damit der Sonnenstrom auch in der Nacht die Umkehrosmose-Anlagen unterbrechungsfrei mit dem notwendigen Strom versorgt.
  • Kleine Anlagen, damit dezentral sauberes Trinkwasser produziert werden kann. Und damit nicht zuerst lange und teure Leitungsnetze erstellt werden müssen.

Beliebig skalierbare Anlagen sollen aus Meer- und Brack­wasser für weniger als 1 Franken pro Kubikmeter sauberes Trinkwasser machen. Hält die Technik, was Laboranlagen und Papier versprechen? Hoffen wir es.

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/Nobelpreis
    Die beiden Physiker Andre Geim und Konstantin Novoselov erhielten 2010 den Nobelpreis für die Entdeckung der feinen Graphen-Kohlengitter. Diese werden weiterentwickelt auch bei jener Umkehrosmose-Methode verwendet, die aus salzigem Meerwasser ent­mineralisiertes Trinkwasser macht.
  • rebrand.ly/Meerwasserentsalzung
    Wikipedia erklärt, wie das Ganze funktioniert.
  • rebrand.ly/Marktchance
    Wer Meerwasser mittels Verdampfung entsalzt, braucht pro Kubik Trinkwasser 10 Kilowattstunden fossile Energie. Bei der Umkehrosmose maximal 3 Kilowattstunden. Die Vereinigten Arabischen Emirate brauchen pro Jahr 5,5 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser. Und somit 15 Milliarden Kilowattstunden Solarstrom, wenn sie auf Umkehrosmose umstellen. Die deutsche Industrie wittert hier ein gutes Geschäft.
  • rebrand.ly/Anlagen-fuer-Afrika
    Unter News erklärt auf dieser Homepage Erich Merkle, wie kleine Umkehrosmose-Anlagen für Afrika funktionieren werden. Hoffentlich.
  • rebrand.ly/Osmose-im-Wallis
    Dieses Unternehmen aus Siders VS verkauft neu auch Umkehrosmose-Anlagen, die pro Kubikmeter Trinkwasser nicht mehr als 3 Kilowattstunden brauchen.

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