Spanische Profi-Fussballerinnen streiken erfolgreich

1 : 0 für die «Futbolistas»

Ralph Hug

Grosse Leistung, miese Löhne: Weltweit haben die Top-Kickerinnen die Nase voll vom Mauerblümchendasein. Nicht nur in Spanien verlangen sie endlich Gleichstellung am Ball.

EXTRAKLASSE: Atlético de Madrid (rotgestreifte Trikots) spielt gegen Deportivo La Coruña, im Match der Primera División (höchste Spielklasse im spanischen Frauenfussball), am 2. November in Madrid. Der Atlético entschied diese Partie mit 4 : 1 für sich. (Foto: Getty)

Im Sportzentrum Dani Jarque in Barcelona hätten kürzlich die Frauenteams von Espanyol und Granadilla de Tenerife gegeneinander antreten sollen. Doch das Stadion blieb leer. Auch in Valencia fiel der Match aus, die Teams von Levante und Sporting de Huelva blieben zu Hause. Der Grund: Streik. Spaniens Fussballfrauen haben das Mauerblümchendasein satt. Sie wollen endlich anständig bezahlt werden: «Huelga por la igualdad!» (Streik für die Gleichheit). Die aufmüpfigen Sportlerinnen fanden Support bei einem der berühmtesten Kicker der Welt. Antoine Griezmann, Franzose im Dienst des FC Barcelona, twitterte: «Habt Mut, Compañeras!»

Die Top-Spielerinnen in Spanien erhalten jetzt mindestens 16’000 Euro statt 8000 pro Jahr.

FRAUENFUSSBALL IM AUFWIND

Der Streik hat sich gelohnt, die «Futbolistas» haben ihr Ziel erreicht. Und zwar in nur zwei Tagen. Jetzt erhalten Spaniens Top-Fussballerinnen Ganztagesverträge und einen Mindestlohn von 16 000 Euro pro Jahr. Genau das, was sie gefordert hatten. Ihre Arbeitgeberin, die spanische Clubvereinigung, hatte sich mehr als ein Jahr lang dagegen gesperrt. Aus finan­ziellen Gründen. Kleinere Clubs würden pleitegehen, behaupteten sie. Bisher speisten sie die Fussballerinnen mit Halbtagesverträgen und einem mickrigen Mindestlohn von 8000 Euro ab, währen ihre männlichen Kollegen im Durchschnitt 155’000 Euro pro Jahr verdienen. Solche Verträge beinhalten 20 Stunden bezahlte Arbeit pro Woche. Dabei leisten die Kickerinnen in Spaniens oberster Liga viel mehr. Die ehemalige Nationaltorhüterin Ainhoa Tirapu sagt: «Wir sind zu hundert Prozent Profis.» Auf diesem Niveau bleibt für zusätzliche Erwerbsarbeit kaum mehr Zeit.

Durch den Streik gerieten die Clubs rasch unter Druck. Denn der Frauenfussball ist überall im Aufwind. Die Fans sind begeistert: Frauen bieten beherzten Offensivfussball und spielen erkennbar fairer als ihre hochbezahlten männlichen Kollegen, die sich oft mehr im Trikotgreifen und Dreingrätschen üben. Bei Spitzenspielen der Frauenteams kommen in Spanien bis zu 60’000 Leute ins Stadion. So verdienen die Clubs mit den «Futbolistas» immer mehr Geld. Beim Arbeitskampf ging es um Millionensummen.

Der Streikerfolg wäre ohne Spa­niens höchst aktive feministische Bewegung wohl nicht möglich gewesen. Diese hat bereits zwei nationale Frauenstreiks organisiert. Im letzten März waren Hunderttausende gegen Machismo, Diskriminierung und Ungleichheit auf der Strasse. So hat der Feminismus nun auch den Fussball erfasst. Die Präsidentin des Frauenausschusses der Spielergewerkschaft AFE räumt selbstkritisch ein: «Wir haben zu lange Geduld gehabt.» Den Streik hatte auch der grosse spanische Gewerkschaftsbund UGT unterstützt.

MEGAN RAPINOE: Sie hat den US-Fussballverband wegen Lohndiskriminierung verklagt. (Foto: Getty)

UNERSCHROCKENE RAPINOE

Spaniens Kickerinnen sind in ihrem Kampf für Anerkennung und Gleichberechtigung keineswegs allein. Weltweit streiten Ballkünstlerinnen um ihre Rechte. Am erfolgreichsten sind die Norwegerinnen: Vor zwei Jahren setzten sie als erste den gleichen Lohn für das Frauen-Nationalteam wie für die Männer-Nati durch. Ihr Honorarbudget wurde verdoppelt. Dies kam nur durch einen Verzicht der Männermannschaft zustande. Erlöse aus kommerziellen Aktivitäten bei Länderspielen konnten ins Frauenteam umgeleitet werden.
Auch in Dänemark, Argentinien und in den USA werden Proteste gegen miese Löhne laut. Am meisten Schlagzeilen macht die amerikanische Frauen-Elf. Sie wurde gerade im Sommer Weltmeisterin, zum vierten Mal. Ihr Superstar ist Megan Rapinoe (34). Rapinoe ist mit ihrem violett gefärbten Haarschopf eine ebenso auffällige wie unerschrockene Kämpferin. Zusammen mit ihren Kolleginnen hat sie den US-Fussballverband wegen Lohndiskriminierung verklagt. Auch engagiert sie sich vehement gegen Rassismus und für gleiche Rechte. Seit ihrem spitzen Satz gegen US-Präsident Donald Trump gilt sie als Heldin. Nach der Feier zum Weltmeistertitel sagte sie, sie werde nicht zur ­Ehrung in dieses «verdammte Weisse Haus» («Fucking White House») gehen. 1 : 0 für Rapinoe und den starken Frauenfussball.


Frauenfussball Schweiz: Sarah Akanji kämpft

Fussballerin Sarah Akanji. (Foto: Facebook)

Auch die Schweiz hat eine Kämpferin für den Frauenfussball: Sarah Akanji (26). Akanji wollte mit einer Petition mit 3000 Unterschriften das Fernsehen SRF dazu bringen, auch Frauenmatchs zu übertragen. Die junge Zürcherin, Schwester des Natispielers Manuel Akanji, kickte schon im Alter von neun Jahren. Mit dem FC St. Gallen spielte sie in der höchsten Liga. 2016 gründete sie beim FC Winterthur ein Frauenteam, wo sie nun als Kapitänin wirkt. Ihre Armbinde hat die Regen­bogenfarben, als Zeichen der Toleranz gegenüber sexueller Vielfalt. Im März wurde sie auch als SP-Vertreterin in den Kantonsrat gewählt.

BESSERE LÖHNE. Frauen spielten immer noch auf einem Nebenplatz, kritisiert Akanji. Sie würden zu wenig gefördert, müssten alles selber organisieren und hätten daher wenig Chancen, professioneller zu werden. «Bei uns kann keine Frau vom Fussball leben», sagt Akanji zu work. Sie verlangt vom Schweizer Fussballverband, dass er mehr in den Frauenfussball investiert und für bessere Löhne sorgt. In der Schweiz scheint es bis zur Gleichberechtigung auf dem Rasen noch ein weiter Weg.

2 Kommentare

  1. Peter Bitterli

    „Gleichberechtigung auf dem Rasen“? Einfach bei den Männern mitspielen. Schauen, in welche Kader man aufgeboten wird. Schliesslich alles eine Frage des sozialen Konstrukts. Das gälte dann auch für Frauentennis und all so was.

  2. Peter Bitterli

    Hooppsla Rahm, ja, genau auf diesem untersten Niveau verorte ich die Leserschaft dieses „works“.

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