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Starlink: Können wir künftig strahlenarm telefonieren?

Während Swisscom und Sunrise das 5 G-Netz in der Schweiz starten, verfolgt der US-amerikanische Tesla-Unter­nehmer Elon Musk eine ganz andere Idee: Er will 12’000 Satelliten ins Weltall schiessen und die ganze Welt mit­einander verbinden. Vergleichsweise strahlenarm.

NETZ VON DRAUSSEN: Tesla-Erfinder Elon Musk will mit über 10 000 Satelliten dafür sorgen, dass der hinterste Winkel der Erde mit starken, strahlenarmen Telefon- und Internetverbindungen versorgt ist. (Foto: ZVG)

In der Schweiz sind bereits mehrere Hundert 5 G-Antennen installiert. Sie sind jedoch noch nicht alle in Betrieb. Schaden die 5 G-Strahlen den Menschen? Das ist leider nicht auszu­schliessen. Die Schweiz hat es verpasst, recht­zeitig eigene, halbwegs umfassende Unter­suchungen zu machen. Typisch Bundeshaus! Noch in diesem Jahr werden wir also intensiver bestrahlt als bis­her.

GIBT ES ALTERNATIVEN? Einen gänzlich anderen Ansatz verfolgt der US-amerikanische Tesla-Unternehmer und Investor Elon Musk mit ­seinem Projekt Starlink. Er will 12’000 je 227 Kilogramm schwere Satelliten ins Weltall ­schiessen, die alle Menschen und Hinterhöfe dieser Welt mit schnellem Internet versorgen sollen. Das sind mehr Satelliten, als zurzeit um die Erde kreisen. Wenn auch kleinere.

Die Vorteile dieses Starlink-Systems von Musk:

  • Die Übertragung der Daten erfolgt doppelt so schnell wie über Glasfaserkabel.
  • Aus jeder Gletscherspalte und aus jedem Wüstenloch kann, wer Hilfe braucht, die Rega, die Air Zermatt oder sonst wen anrufen. Oder sich über das Internet informieren.
  • Die Strahlung ist – verglichen mit dem 5 G-Netz – verdammt tief.

TECHNIK UND MILITÄR. Der grösste Nachteil: Jedes Empfangsgerät kostet 200 Franken. Wenig für Frau und Herr Schweizer mit und ohne roten Pass. Aber unglaublich viel für die Mehrheit der Menschen in mausarmen Regionen, die ja durch ein weltumspannendes Netz miterschlossen werden sollen.

Eines ist sicher wie einst das Amen in der Kirche: Die US-amerikanischen Geheimdienste überlegen sich bereits Tag und Nacht, wie sie dieses Starlink-System, wenn es denn je funktionieren sollte, für sich nutzen können. Und wie man Starlink im Krisenfall gezielt manipulieren oder ausschalten kann.

Denn technische Hegemonie ist immer auch militärische Hegemonie. Ex-US-Präsident Barack Obama hätte dies diskret gemacht. Donald Trump wird uns auf Twitter nächstens den Tarif durchgeben.

PSEUDOPRIVATISIERUNG. Die US-Raumfahrt wurde in den letzten zwei Jahrzehnten vordergründig entstaatlicht. Neu schiessen private Unternehmer wie Elon Musk pro Kilo kostengünstiger Satelliten in das All als etwa die Nasa oder die ESA der Europäer.
Nächstens will ein Start-up der Technischen Universität München Satelliten mit kleinen, umweltfreundlicheren Raketen zum Preis von 15’000 Franken pro Kilo Satelliten ins Weltall schiessen. Und so den vom Staat und seinem Militär hintenherum geförderten Privaten wie Elon Musk Konkurrenz machen.

Bei Airbus hat das auch schon geklappt.

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/neue-rakete
    Gilching ist ein Ort in der Nähe von München. Hier versucht das Start-up Isar Aerospace, mit Hilfe der Europäischen Weltraumorganisation ESA eine neue Rakete zu entwickeln. Hier wird auch der Elektroflieger Lilium entwickelt. Und unsere staatliche Ruag baut in Gilching Rumpfteile und Flügel für den erfolg­reichen Airbus. Doof, wer diese Teile der Ruag privatisiert, wie das der Bundesrat will.
  • rebrand.ly/wie-der-blitz
    Die ETH-News berichten: Seit vier Jahren ruft Elon Musk Studierende aus aller Welt dazu auf, Transportkapseln (Pods) für den Hyperloop zu bauen. Auf der 1,25 Kilometer langen Teststrecke auf dem SpaceX-Gelände traten die Zürcher gegen die Teams der TU München, der TU Delft und der EPFL in Lausanne an. Ihr Pod beschleunigte in zwölf Sekunden auf 252 km/h, und sie wurden Zweite. Geschlagen wurde Swissloop nur vom Team der TU München, deren Pod mit 463 km/h ihren eigenen Rekord aus dem Vorjahr brach. Auf Platz 3 schaffte es das Team der EPFL mit 238 km/h. Unsere technischen Universitäten sind die besten in Europa. Nur in Sachen Raketen und Raketenzüge sind die Deutschen zurzeit noch besser.
  • rebrand.ly/1600-satelliten
    Politisch ist die NZZ nach rechts gerückt. Für rechte, deutsche Problembären wie den ehemaligen Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen ist die NZZ das «Westfernsehen» für deutsche Reaktionäre. Technisch ist die NZZ durchaus lesenswert. In einer ersten Phase will Musk 1600 Satelliten ins All schiessen. Die Raketen kosten mehr als die Satelliten. Noch.

1 Kommentar

  1. Martin Gut

    Warum verkauft ihr eure Leser für blöd. Es erstaunt mich immer wieder, wie in dieser Rubrik mit sehr wenig technischem Verständnis eine Zeitungsmeldung als ökologische Zukunftsvision aufgeblasen wird. Ein bisschen mehr Recherche wäre durchaus nötig um die Zusammenhänge halbwegs richtig darzustellen. Dafür würde oft schon wikipedia genügen: https://de.wikipedia.org/wiki/Starlink

    Bei Starlink geht es nicht darum, Techniken wie G5 zu ersetzen. Das ist kein Breitbandinternet für die ganze Bevölkerung und ihre Millionen von Handys. Beim Satellitentelefon geht es darum, einigen tausend Personen telefonieren und Internet ausserhab normal abdeckbarer Gebiete (im Gebirge, auf dem Meer) zu ermöglichen. Die maximal mögliche Datenrate kann ein Satellit nur für eine Hand voll Geräte zur Verfügung stellen. Telefonieren braucht nicht so hohe Datenraten, so dass etwas mehr Verbindungen möglich sind. Die Anzahl Nutzer pro Satellit ist aber immer noch überschaubar.
    Das ist aber mit einem enormen technischen, ökologischen und finanziellen Aufwand verbunden. Auch die Funkstrahlung ist durch die tausend mal höhere Distanz bedeutend höher. Wenn man es unbedingt vereinfachen muss, ist das eine ökologische Katastrophe.

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