Editorial

Die Brandstifter

Marie-Josée Kuhn

Marie-Josée Kuhn, Chefredaktorin work

In Brasilien lodert der Amazonas-Regenwald. Nicht etwa wegen Trockenheit und Dürre, sondern wegen illegaler Brandrodungen. Wenn er Präsident werde, prahlte Jair Bolsonaro im Wahlkampf, werde es «keinen einzigen ­Quadratzentimeter mehr» Umweltschutzgebiet geben. Und Bolsonaro wurde Präsident. Ein lärmiger, hemdsärmeliger und zulangender Präsident. Jetzt können Agrar- und Bergbauunternehmen wieder leichter Wälder abholzen. Denn Bolsonaro hat die einst vorbildliche Überwachung des Regenwaldes aus dem All finanziell ausgehungert und den Chef der Behörde entlassen. Die Abholzung hat sich fast verdoppelt. Eine Bedrohung für die ganze Welt.

Erst gegen Frauen, Farbige und Fremde, dann gegen den Regenwald.

ALASKA. Derweil in den USA: Seit zwanzig Jahren darf man im «Tongass National Forest» in Alaska keine Bäume mehr fällen. Die Umweltschutzgesetze verbieten in diesem riesigen Regenwald auch Strassen-, Bergbau- und Energieprojekte. Doch nun will Donald Trump das ändern. Und den Wald für Holzfirmen öffnen. Auch Trump ist ein lärmiger, hemds­ärmeliger und zulangender Präsident. Wie Bolsonaro sonnt er sich in seiner Vergewaltigermentalität. Er könne die Frauen sogar zwischen den Beinen grapschen, prahlte er. Und Bolsonaro erklärte einer linken Kongressabgeordneten, er würde sie nie vergewaltigen, sie sei zu hässlich.

DAVOS. Zuerst holzen sie gegen Frauen, Farbige und Fremde, dann fackeln sie die Wälder ab. Trump & Bolsonaro: Schon erstaunlich, wie sich hartrechte bis rechtsextreme Politiker ähneln. Sie sind hemmungslose Sexisten und Rassisten. Und weibeln gegen Abtreibungen. Sie schicken farbige Landsleute zurück in «ihre Länder». Und hetzen gegen Migrantinnen und Migranten. Als ergebene Diener der Reichen und Reichsten bauen sie bei den sozialen Rechten ab und rüsten bei den Waffen auf. Sie sind Hassprediger und Brandstifter. Und brennen dann die Strassen und Wälder, giessen sie Fake News ins Feuer. Lügen und leugnen.

Und was tut die offizielle Schweiz dagegen? Sie schweigt und tanzt Tango mit diesen Rambos. Und SVP-Wirtschaftsminister Guy Parmelin sowie seine Bundesratskollegen Maurer und Cassis Apéro-chambrieren am WEF in Davos. Und siehe da: ein Freihandels­abkommen ist gebor’n! So wie jetzt das Mercosur-Abkommen mit Jair Bolsonaro. Regenwaldbrände hin, Rechts­extremismus her: Es geht schliesslich ums Geschäft!

3 Kommentare

  1. Peter Bitterli

    Am meisten Wald verschwindet aktuell, also genau jetzt, im Bolivien des linken Präsidenten Evo Morales. Gezielt und gewollt. Den Peak erreichte die Zerstörung von Wald an den Rändern des brasilianischen Amazonasgebietes in den Zeiten des linken Präsidenten Lula da Silva. Die aktuellen Brände wird man nicht gutheissen wollen, sie übersteigen allerdings kaum den Durchschnitt. Wald brennt immer wieder überall auf der Welt. Andrerseits wächst global die Waldfläche. China, Indien, Bangladesch, Russland verzeichnen die grössten Zuwächse.
    Die Linke würde grössere Zuwächse verzeichnen, wenn sie im Einklang mit Fakten argumentieren würde.

    • Werni Weber

      Das mit Bolivien ist traurig, das Gesetz ist etwa einen Monat alt, und erlaubt auch Kleinbauern 20 statt bisher 5 ha zu brandroden. Aber völlig falsch ist, dass nun Bolivien der grösste Sünder sei. Ein Blick auf die Sattelitenaufnahmen zeigt die Grössenordnungen der Katastrophe, da nützen auch Bolsonaros Lügen nicht. Zudem hat Morales, nach anfänglichem Zögern, das grösste Löschflugzeug der Welt, aus den USA geordert, um die Brände einzudämmen.

      • Peter Bitterli

        Ach, sieh an, der Käse hat zwei Leser!

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