1x1 der Wirtschaft

Profite steigen, doch Reallöhne sinken deutlich

Die Löhne sind in den letzten zwei ­Jahren kaum mehr gestiegen. Zwar konnten die Gewerkschaften in den ­Gesamtarbeitsverträgen noch geringe Lohnerhöhungen aushandeln, im Durchschnitt aller Wirtschaftszweige ­erhöhten sich die Löhne 2017 und 2018 aber nur um knapp ein Prozent. Das entspricht etwa den ausgehandelten Lohnerhöhungen in den GAV. Da die Teuerung in den zwei Jahren 1,4 Prozent betrug, resultierte für die ­Arbeitnehmenden zum ersten Mal seit vielen Jahren ein Kaufkraftverlust. In den Jahren zuvor war das noch anders: Eine negative Teuerung sorgte dafür, dass die Kaufkraft leicht zunahm.

(Quelle: Lohnindex BfS)

BRANCHENUNTERSCHIEDE. Zwischen den Branchen, in denen die Unia vertreten ist, gibt es deutliche Unterschiede. In der Industrie weist nur die Chemie- und Pharmabranche eine ­positive Lohnentwicklung auf. Überdurchschnittlich sind die Kaufkraft­verluste im Metallgewerbe sowie der ­Uhren- und Maschinenindustrie. Von den Dienstleistungsbranchen schneidet neben dem Finanzsektor der ­Detailhandel am besten ab. In dieser Branche mit einem hohen Frauen­anteil gab es nur einen geringen Kaufkraftverlust.

8,3 PROZENT MEHR PROFIT. Schlecht schnitten der Verkehrssektor sowie die Post- und Kurierdienste ab, wo der Reallohnrückgang 1,2 Prozent betrug. Die GAV-Abschlüsse 2018/2019 lassen für dieses Jahr keine deutliche Verbesserung der Situation der Lohnabhän­gigen erwarten. Bei einer voraussicht­lichen Teuerung von 0,6 Prozent ­dürfte nur eine geringe Zunahme der Kaufkraft resultieren.

Die Gewinnerinnen der letzten zwei Jahre ­waren eindeutig die Unternehmen. Die Nettogewinne stiegen laut volkswirtschaftlicher Gesamtrechnung von rund 113 Milliarden Franken im Jahr 2016 auf über 124 Milliarden im letzten Jahr. Das ist ein Zuwachs von fast 10 Prozent, und unter Berücksichtigung der Teuerung bleibt immer noch eine Erhöhung der Profite um 8,3 Prozent. Dies steht in krassem Gegensatz zum Lohnabbau, die Verteilung des Wohlstands hat sich also deutlich von der Arbeit zum Kapital verschoben. Es ist Zeit, sich dieses Geld bei der kommenden Lohnrunde wieder zurückzuholen. Reserven sind bei den Unternehmen vorhanden.

Hans Baumann ist Ökonom und Publizist.

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