Editorial

Ein Streik wird wahr!

Marie-Josée Kuhn

Marie-Josée Kuhn, Chefredaktorin work

Und work kommt mit einer Extra-Frauenstreik-Ausgabe. Mit über 60 Frauen auf 18 Seiten. 37 Frauen, die sagen, warum sie am Streik dabei waren: Pflegefachfrauen, Uhrenarbeiterinnen, 1 Regierungs­rätin, Serviceangestellte, 1 Bäuerin, Fuss­ballerin Sarah Akanji und die höchste Schweizerin: Nationalratspräsidentin Marina Carobbio Guscetti. Sie unterbrach am 14. Juni die laufende Session im Bundeshaus zwischen 11 Uhr und 11 Uhr 15 für den Frauenstreik. Dies ganz zum Wut­anfälleli von SVP-Kläffer Andreas Glarner: «Was für ein Unwort: ‹Frauenstreik›! Welche normale Frau, meine geschätzten Kolleginnen und Kollegen, will denn streiken? Und wenn ja, wofür?»

Avanti donne alla riscossa!*

work hat aber auch 11 Frauen bei ihren Vorbereitungen für den Frauenstreik über die Schultern geschaut. Den Werkstatt-Team-Frauen des Berner Stadttheaters, die für den Tag aller Tage eine riesige Requisite gebaut haben. Den Kita-Angestellten der Gruppe «Trotzphase» in Zürich und der Berner Krippeninhaberin Darina Hürlimann. Mit ihren Mitarbeitenden hat sie beschlossen, wirklich zu streiken.

A la huelga, mis hermanas!*

work hat Liliane Valceschini im Vallée de Joux besucht. 1990 träumte die Uhrenarbeiterin von einem ­Frauenstreik. Und er wurde wahr: am 14. Juni 1991. Valceschini ist eine bescheidene Heldin der Frauen – und nicht nur sie. work berichtet auch über die erste Frau beim Schweizerischen Gewerkschaftsbund. Die «rote Margrit», Margarethe Faas-Hardegger, war ungestüm, brillant und erfolgreich. Das war den roten SGB-Patriarchen zu anstrengend. Sie stellten sie vor die Tür.

E Frau, die wott go streike gah,
streike gah, wott dä Maa däheime lah,
tralalalala,
tralalalala!*

Dann ist da die 16jährige Nesrin Rahimi, die work ihre Geschichte erzählt. Von ihren Eltern wurde sie geschlagen und zur Arbeit gezwungen. Bis sie ins Mädchenhaus flüchtete. Und Semeen Alizada, die traurige afghanische Bäckerin – in der Kolumne von Jean Ziegler. Auf der Flucht vor den Taliban strandete sie im Flüchtlingslager Moria auf Lesbos. Und da ist Coiffeuse Madlen Schär. Und work-Frauenstreikkolumnistin Sandra Künzi (Mini Schwiiz, min Streik!). Und Sandra Bullock und Rosa Parks und Vania Alleva und Christiane Brunner und und und.

Oli, oli, ola, 14 juin nous y voilà!
C’est la grève féministe, c’est la grève féministe!*

*Frauenstreiklieder, zusammengestellt von Magda Vogel mit Aufnahmen vom «Vogelfreien Frauenchor»: rebrand.ly/Frauenstreiklieder

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