Saubere Sache: Ab 2022 EU-Autopolizisten in jedem Neuwagen

Umweltpolitisch und bei der Sicherheit im Verkehr hat die EU die Schweiz ein- und überholt. Und der Abstand wächst weiter.

UNTER STROM: Volkswagen setzt jetzt voll auf Elektromobilität. Innerhalb des Konzerns hat sich die Elektrofraktion durchgesetzt. (Foto: Daniel Downey)

Lange Zeit war die EU für alle Freunde der Umwelt ein kleiner Horror. Und die Schweiz eine Insel der Seligen. Die Schweiz stagniert seit 1992 in Sachen Umweltschutz, während die EU-Länder immerhin Schritte in die halbwegs sinnvolle Richtung unternehmen. Werfen wir einen Blick ins nahe Ausland.

Typisch EU 1: Volkswagen – ausgerechnet der Konzern der Diesel-Betrüger – setzt voll auf die Elektromobilität. Innerhalb des Konzerns hat sich die Elektrofraktion durchgesetzt. Zumindest vorläufig. Die Batteriezulieferer von Panasonic müssen sich verpflichten, alle graue Energie, die in den Batterien steckt, mit neuen, erneuerbaren Energien zu produzieren. Das verteuert das Produkt vorläufig noch um 250 bis 500 Franken, macht es aber umweltfreundlicher.

Typisch EU 2: Ab 2022 werden alle Autos, deren Fahrerinnen und Fahrer zu schnell unterwegs sind, nach einer Vorwarnung automatisch abgebremst. Das wird bei all denen, die noch freie Fahrt für freie Bürger fordern, für viel Auf­regung sorgen. Wie einst die Gurtenpflicht. Mit grossem Kollateralnutzen: Alle, die ab 2022 einen neuen Untersatz gepostet haben, werden von der Polizei verlangen, dass die Raserinnen und Raser mit ihren alten Kisten subito aus dem Verkehr gezogen werden. Denn sie wollen absehbar nicht von jenen links und neu auch rechts überholt werden, die sich keine neuen Autos leisten wollen oder können.

Typisch EU 3: Wer sich angeheitert oder betrunken in sein Auto setzt, kann neu nicht mehr wegfahren, weil er zuerst blasen muss. Das Auto wird zum unbestechlichen EU-Auto­polizisten im doppelten Wortsinn.

Typisch EU 4: Müdigkeit am Steuer führt zum oft tödlichen Sekundenschlaf. Genau wie das Herumhantieren mit dem Handy. Ab 2022 werden Sensoren messen, wie gut wir jeweils hinter dem Steuer drauf sind. Und die Fahrt stoppen, wenn uns der Schlaf oder das Handy zu übermannen droht.

Typisch EU 5: Wenn Lastwagen abbiegen, kommen Velofahrerinnen und Velofahrer zu oft unter die Räder. Neu werden Abbiegeassistenten und Sensorsysteme die Zahl dieser Unfälle massiv reduzieren. Velofahren wird sicherer werden.

Das alles wird für viel Aufregung sorgen. Und kurz darauf wird dies alles so selbstverständlich sein wie die Gurtenpflicht und die Katalysatoren für Benzin- und neu auch für Dieselautos. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier und der politisch richtig gesteuerte Umgang mit dem technischen Fortschritt unser lebensrettender Dompteur.

Die für 2022 beschlossenen Massnahmen sind ein Zwischenschritt hin zu sich selbst steuernden Elektroautoflotten, deren Potential leider noch unterschätzt wird.

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/aufgeregte
    Die deutsche «Welt» ist gar nicht amused. Der Titel ihres Artikels: «EU bremst ab 2022 alle Neuwagen aus.»
  • rebrand.ly/positivo
    Als Trost für alle Primi­tivos bringen die Walliser Winzer von der Kellerei Leukersonne einen «Positivo» auf den Markt. Man wird ihn auswärts erst trinken können, wenn das autonome Fahren Wirklichkeit wird.
  • rebrand.ly/neukom Es lohnt sich, die Website des neugewählten Zürcher Regierungsrats Martin Neukom anzuschauen. Er tickt sozial nicht ganz falsch: «Ich stehe für einen offenen Kanton, eine offene Schweiz und zur Personenfreizügigkeit. Damit diese aber nicht zu Lohndumping führt, braucht es flankierende Massnahmen wie Lohnkontrollen.» Und auch ökologisch liegt er fast richtig: «Der verbleibende Autoverkehr wird 100 Prozent elektrifiziert. Die Energie ist entweder in Batterien oder als Wasserstoff gespeichert – beides mit Vor- und Nachteilen. Werden Batterien mit erneuerbarer Energie produziert, wird auch die Ökobilanz von Elektrofahrzeugen ausreichend gut. Aktuell reicht der Zubau an Erneuerbaren (hauptsächlich Solar) nicht aus, um die Atomkraft zu ersetzen und den Zusatzbedarf der Elektro­mobilität abzudecken. Darum muss der Zubau an Solarenergie beschleunigt werden.» Was Neukom offenbar noch nicht begriffen hat, ist das Potential von sich selbst steuernden Fahrzeugflotten, mit denen man die Zahl der Autos von 4 Millionen auf weniger als 1 Million senken könnte. Genau wie die Zahl der Parkplätze von 10 Millionen auf weniger als 2 Millionen. Hier kann und muss der Kanton «Zureich» handeln.

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