Künzi streikt!

Gegen Einhörner

Sandra Künzi

(Foto: Yves Thomi)

Stellen Sie sich mal vor, Sie wären Prostituierte! Also keine Afängerin, sondern eine gestandene Berufsfrau mit viel Erfahrung. Und dann kommt so ein Schnurri und erklärt Ihnen live am Fernsehen, dass Sie wohl eine schlimme Kindheit hatten, sonst wären Sie ömel nicht Prostituierte geworden. Ein sendungsbewusstes Mannli, das alles besser weiss, weil … äh, wieso eigentlich? Der Mann denkt, er weiss es besser, weil er immer ­alles besser weiss, quasi von Natur aus. Drum fällt er Ihnen auch dauernd ins Wort. Sie können keinen Satz … Päng. Und der Mann ist nicht allein.

VULVA & VAGINA. Das sind noch Einhörner, Bärli, Elefäntli, Pingus, Bagger und Schwammköpfe. Alles Männer. Moll sicher: 87 Prozent der Phantasiefiguren im Kinderfernsehen sind männlich. Da kann man natürlich schon grinsen, aber hey, damit wachsen Kinder heute auf. Heute – nicht anno 1960! Wenn sogar die Einhörner männlich sind, wo doch vor allem Meitli Einhörner-Filme luegen, muss man sich öppe nicht wundern, wenn Männer (und Frauen) meinen, die Männer wissen es besser, sogar wenn sie gar keine Ahnung ­haben. Und wenn sie von etwas viel Ahnung haben, von Kraftfahrzeugen, Computern, Fussball oder anderen «Männersachen», dann erst recht. Und wehe, die Frau kommt selber gut draus und zeigt das sogar, dann gibt das eine ganz schlechte Stimmig. Dann wird die deutsche Fussball-Kommentatorin während der WM 2018 auf den asozialen Medien fertiggmacht. Dann erklärt Herr B. ausführlich die Begriffe Vulva und Vagina, aber falsch (und als ihn eine Gynäkologin korrigiert, legt er erst recht los).

Der Mann denkt, er weiss es besser, quasi von Natur aus.

SCHNAUTZE! Dann belehrt ein Angestellter die Chefin, warum ihr Plan falsch ist und dass er es gaaanz anders machen würde. Dann lässt die Security die Schlagzeugerin nicht ins Backstage, weil man ihr nicht glaubt, dass sie die Schlagzeugerin der Band ist, sondern «nur ein Groupie». Dann erklärt ein Mann einer Frau während des ersten Dates, wie man ihren Nachnamen richtig ausspricht. Ja sicher, es gibt auch Frauen, die einem ungefragt Dinge erklären, die man selber (besser) weiss.

Aber nur öppe 13 Prozent. Also: Schnauze Schnurri! Und: mehr weibliche Elefäntli im TV.

Sandra Künzi lebt und büglet in Bern. Sie mag Jassen, Schafe, Feuer und Bier. Zurzeit bereitet sie sich und uns auf den Frauenstreik vom 14. Juni 2019 vor: Ahoi!

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