Brisanter Bericht: Banken sind gigantische Klimasünderinnen

So heizen die Banken das globale Klima auf

Anne-Sophie Zbinden

Credit Suisse und UBS steckten in den letzten drei Jahren über 80 Milliarden Dollar in Öl, Gas und Kohle. Tendenz sogar steigend.

HEISS, HEISSER, PARADEPLATZ: Allein die in der Schweiz verwalteten Finanzgeschäfte unterstützen eine weltweite
Erderwärmung von 4 bis 6 Grad. (Foto: Keystone / Montage: work)

Der neue Bericht einer Allianz aus Umweltschutzorganisationen (Banking on Climate Change) bringt es an den Tag: Weltweit stellten 33 Banken rund 1,9 Billionen Dollar für Unternehmen zur Verfügung, die mit Öl, Gas oder Kohle geschäften.

An der Spitze des Negativ-Rankings steht die US-amerikanische JP Morgan Chase. Die Credit Suisse (CS) belegt Rang 14, die UBS Rang 25. Zusammen stellten die beiden Schweizer Grossbanken von 2016 bis 2018 83,3 Milliarden US-Dollar oder umgerechnet 82,7 Milliarden Franken zur Finanzierung von fossilen, also klimaschädlichen Brennstoffen zur Verfügung. Pikant: Seit dem Pariser Abkommen von 2015 haben diese ­umweltschädlichen Finanzgeschäfte sogar noch zugenommen.

LIPPENBEKENNTNISSE

Eines der Hauptziele des Pariser Abkommens sind klimafreundlichere globale Finanzflüsse. Auch die Schweiz hat das Abkommen unterzeichnet. Trotzdem bleibt es bei vielen Banken bei Lippenbekenntnissen.

Der Bericht hat nämlich auch die Richtlinien unter die Lupe genommen, die sich die Banken in Bezug auf die Finanzierung klimaschädlicher Energieunternehmen geben. Und kommt zum Schluss: sie sind ungenügend. Die grösste Klimasünderin, die US-Bank JP Morgan Chase, hat gar keine solchen Richtlinien. Und die beiden Schweizer Grossbanken CS und UBS erhalten für ihre Richtlinien im Schnitt die zweitschlechteste Note. Ironischerweise schliessen sie in den Bereichen Kohlebergbau und Kohlekraftwerke etwas besser ab. Ironisch ­deshalb, weil die CS bei der Finanzierung von Kohlebergbau den unrühmlichen 5. Platz belegt.

Die Grossbank investiert übrigens auch in Deutschland, etwa im Hambacher Forst. Dort hatten sich Aktivistinnen und Aktivisten erfolgreich gegen die Pläne des deutschen Energiekonzerns RWE gewehrt, aus dem Wald eine Braunkohlemine zu machen (work berichtete). Von den zehn Banken, die RWE finanzierten, steht die CS nach der Deutschen Bank an zweiter Stelle.

Und damit nicht genug. Erstmals untersuchte die Allianz aus Umweltschutzorganisationen auch die Finanzierung von Unternehmen, die zusätzlich zu den bestehenden auch noch neue Öl-, Gas- oder Kohlevorkommen erschliessen wollen. Und stellt fest: Von 2016 bis 2017 haben diese 33 Banken 600 Millionen Dollar in dieses dreckige Geschäft gesteckt. CS und UBS steuerten zusammen statt­liche 20 Millionen Dollar bei.

TONNENWEISE TREIBHAUSGASE

Seit letztem Jahr wissen wir 1.: Eine Erderwärmung um 1,5 Grad Celsius hat noch verheerendere Folgen, als bisher angenommen. Und 2.: Um eine Erwärmung von «nur» 1,5 Grad zu erreichen, muss der weltweite CO2-Ausstoss sofort gesenkt werden. Das sagt der Uno-Weltklimarat (IPCC).

Allein die in der Schweiz verwalteten Geschäfte unterstützen jedoch eine weltweite Erwärmung von 4 bis 6 Grad, hat das Bundesamt für Umwelt (Bafu) berechnet. Was das konkret heisst, zeigt eine 2018 erschienene Studie der Umweltschutzorganisation Greenpeace: Danach haben CS und UBS zwischen 2015 und 2018 rund 182,9 Millionen Tonnen klimaschädliche Treibhausgasemissionen finanziert. Allein im Jahr 2017 waren die beiden für fast 94 Millionen Tonnen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Das sind doppelt so viele, wie die Schweiz im Inland in einem Jahr verursacht.

Greenpeace rechnet auch vor, dass CS und UBS im Verhältnis zur ­Bevölkerung mehr fossile Brennstoffe finanzieren als jedes andere europäische Land, nämlich 1470 US-Dollar pro Kopf. Zu Recht fordern also die Klimajugendlichen: «Die Schweiz muss bis 2030 CO2-neutral werden!» (siehe «Rosa Zukunft» unten).

Banking on Climate Change – Fossil Fuel Finance Report Card 2019:
rebrand.ly/banken

Eine Analyse der von CS und UBS finanzierten Emissionen aus fossilen Brennstoffen:
rebrand.ly/greenpeace-studie


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