Editorial

Lila Lauffeuer

Marie-Josée Kuhn

Marie-Josée Kuhn, Chefredaktorin work

Danke, Donald Trump: Seit es ihn gibt im Weissen Haus, gibt es auch eine neue Frauenbewegung. Und sie verbreitet sich wie ein lila Lauffeuer. Nicht mit uns, sagen die Polinnen zu ihrer katholisch-konservativen Rechtsregierung und deren Plänen für ein Abtreibungsverbot. Und die Spanierinnen rufen: «Schluss mit diesem Machismo!» Letztes Jahr, am grossen Frauenstreik, waren sie sechs Millionen. Und sie wollen es schon wieder tun: Am 8. März, am internationalen Frauentag, soll alles ruhen, zu Hause, am Arbeitsplatz und in der Schule. «Das ist ein echter Generalstreik», sagt Mit­organisatorin Chelo Hernández. Sie ist streikerprobt und wild entschlossen. Doch nicht nur sie: Von Rio bis nach Kerala brechen die Frauendemos nicht ab. «Jetzt müssen wir einfach», sagt Alexandrina Farinha. Die Wahlgenferin ist aktiv im Genfer Streikkomitee für den Frauenstreik am 14. Juni. Weil es nicht nur nicht vorwärtsgehe mit der Gleichstellung, sondern neuerdings wieder zurück.

Frauentag ist Frauenstreik.

ALLE DREI TAGE. Das Rad darf nicht zurückdrehen. Das sagt auch Carla Quinto. Die Juristin begleitet in Rom misshandelte Frauen auf ihrem «langen, schmerzhaften Rechtsweg». Und sie ist wütend. Auf Matteo Salvini. Der neo­faschistische Innen­minister und Vizeregierungschef ­Italiens will Abtreibungen noch schwieriger machen. Ebenso Scheidungen. Und er schürt ein gewalttätiges Klima. Kein Wunder, rufen Quinto und ihre Mitstreiterinnen am 8. März zum Frauenstreik auf. Alle drei Tage wird in Italien eine Frau vorsätzlich getötet durch ihren Partner oder Nahestehende, weil sie angeblich gegen Rollen­vorstellungen verstossen hat. Femizide: Prozentual zur Bevölkerung gibt es in der Schweiz sogar fast doppelt so viele wie in Italien. Sagen Polizeistatistiken.

GENUG! Genug hat auch Moira Walter. Sie ist Frauenstreik-­Aktivistin in Solothurn. Erst wenn die Frauen fehlten, zeige sich die Leere, sagt sie. Wenn sie streiken, ihre Arme verschränken, die Schürze aus dem Fenster hängen, die Füsse hochlagern, statt zu kochenputzenwaschenbügeln­pflegen. Erst dann werde sichtbar, was Frauen alles leisteten für die Gesellschaft. Mehrheitlich unbezahlt. Walter: «Ohne uns Frauen geht’s nicht.» Darum gehe es.

Moira Walter, Carla Quinto, Chelo Hernández, Stefanie von Cranach, Alexandrina Farinha, Eren Keskin: Zum Frauentag porträtiert work sechs Frauen aus vier Ländern, ohne die es nicht ginge.

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