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CO2-freie Schweiz: Bis spätestens 2035 ist das machbar

Zehntausende Jugendliche in der Schweiz gehen fürs Klima auf die Strasse. Sie müssen ­wissen: Ein schneller ökologischer Umbau ist möglich.

PREISWÜRDIG: 60 000 Schülerinnen und Schüler gingen in der Schweiz auf die Strasse. Unterstützt wurden sie auch von unserem SP-Nobelpreisträger Jacques Dubochet. (Foto: Keystone)

Die Jugend fordert bis 2030 eine CO2-freie Schweiz. Die eidgenössische Gletscherinitiative, die nächstens lanciert wird, will dieses Ziel erst 20 Jahre später erreichen. Wie schnell kann die Schweiz zu welchen Kosten aus den fossilen Energien aussteigen? Das Jahr 2035 ist realistisch, weil die Schweiz eigentlich die besten Voraussetzungen hat.

Trümpfe 1 und 2: Die Schweiz pro­duziert 60 Prozent ihres Stroms mit Wasserkraft. Und die Schweiz hat eher zu viel als zu wenig Pumpspeicherwerke. Wichtiger: In den Schweizer Stauseen kann man 12 Milliarden Kilowattstunden Strom speichern für die wenigen Fälle, in denen im Winter zeitgleich der Wind nicht bläst und die Sonne nicht scheint. In Zeiten von «Dunkelflauten».

Trümpfe 3 und 4: Windenergie pro­duziert – im Gegensatz zu den Wasserkraftwerken – im Winter mehr Strom als im Sommer. Genau wie alpine bifaziale (sie nutzen Vorder- und Rückseite) Solarkraftwerke. Wenn wir in der Schweiz nur wenige Windkraftwerke zulassen, dann können wir diese – etwa in Norwegen oder in der Ostsee – erstellen lassen. So wie dies einige Schweizer Energieunternehmen bereits machen. Bifaziale alpine Kraftwerke werden so oder anders ein Megathema werden.

Trumpf 5: Wenn ab 2025 alle neu zugelassenen Lastwagen, Busse und Autos kein Benzin oder Diesel mehr verbrennen dürfen, reichen 17 ­Milliarden Kilowattstunden Strom, um diese mit Elektro­antrieben vorwärts zu bewegen.

Trumpf 6: Luft-Wasser-Wärmepumpen werden immer leiser, immer effizienter und immer billiger. Mit einer Kilowattstunde Strom lassen sich bereits heute 4 Kilowattstunden Wärme erzeugen. Tendenz: immer leiser, immer effizienter, immer billiger.

Schneller ökologischer Umbau bedeutet somit schnelle Elektrifizierung dank und mit neuen, erneuerbaren Energien.

SONNENERNTE. Wir brauchen – ­wenn wir die Umstellung in Sachen Verkehr, Heizung, Warmwasser und Prozesswärme vorantreiben – im Jahre 2035 irgendwo zwischen 100 und 130 Milliarden Kilowattstunden Strom aus Wasser, Wind und Sonne. Je nachdem wie stark wir die Effi­zienz auf allen Ebenen erhöhen. Wie hoch der Verbrauch genau sein wird, spielt neu keine entscheidende Rolle. Weil inzwischen der Zubau von Windkraftwerken und Solarstrom­anlagen spottbillig geworden ist.

Von Schaffhausen nach Donau­eschingen sind es nur 40 Minuten. Hier entsteht ab dem kommenden Juli das grösste bifaziale Solarkraftwerk Europas. Die Vorteile:

  • Pro Kilowattstunde, die man pro Jahr produziert, muss man nur 76 Rappen investieren.
  • Dank der vertikalen Aufständerung kann man 95 Prozent des Bodens weiterhin landwirtschaftlich effizient nutzen.
  • Solarenergie wird dank der Ost-West-Ausrichtung vor allem in den Morgen- und in den Abendstunden produziert.
  • Bifaziale Zellen sind beidseitig verglast und weisen deshalb eine grössere Lebensdauer auf.

Wie lange wird es dauern, bis die Schweizer Bauern dieses Geschäft für sich entdecken? Am meisten Potential haben unsere Bergbauern: Erstens ist der Ertrag in den Alpen höher, und zweitens fällt der Strom mehrheitlich im Winter an. Das beweist die Testanlage auf mehr als 2000 Metern über Meer in Davos.

Links zum Thema:

  • next2sun.de
    Ist es sinnvoller, möglichst viele Dachflächen mit Solarzellen zu versehen? Oder ist es sinnvoller, auf 10 Prozent der landwirtschaftlichen Fläche der Schweiz gleich viel Strom zu produzieren wie mit der Wasserkraft? Viele Wege führen nach Rom. Das Start-up-Unternehmen Next2sun setzt auf die Bäuerinnen und Bauern. Das ist eine Chance, aber auch eine Gefahr. Die Bauern haben die stärkste Lobby in Bern. Wenn sie den Braten neuer Solar-Subventionen riechen, werden sie erfolgreich zu scharren beginnen. Die Gefahr ist gross, dass sie den ökologischen Umbau unnötig verteuern.
  • rebrand.ly/greta-thunberg
    Der Flügelschlag eines Schmetterlings kann eine Lawine auslösen. Greta Thunberg ist 16 Jahre alt. In einem vom Online­portal Watson auszugsweise wieder­gegebenen Brief geht sie gescheit und einfühlsam auf viele Fragen ein: Wer berät sie? Was hat ihre Krankheit mit der Form ihres Protests zu tun? Warum gibt es heute nur mehr Schwarz oder Weiss?
  • rebrand.ly/aktiencheck Es kommen laufend effizientere bifaziale Zellen auf den Markt.
  • rebrand.ly/solarpark
    EnBW ist die Mutter der EnAlpin. Sie will mit Weesow-Willmersdorf in der Nähe von Berlin einen subventionsfreien Solarpark schaffen. Und damit 50’000 Haushalte versorgen. Die Strombranche ist elektrisiert. Ein spannender Foliensatz.

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