Rosa Zukunft ‒ Technik, Umwelt, Politik

Bitcoin: Den Wahnsinn stoppen, bevor wir absaufen

Kryptowährungen sind umweltschädlich und die staatsfeindlichen Kinder des Neoliberalismus. Warum verbieten wir sie nicht einfach?

ÖKOLOGISCHer UND ÖKONOMISCHER IRRSINN: Die Schaffung eines einziges Bitcoins benötigt 42 000 Kilowattstunden Strom. So viel, wie 10 Schweizer Haushalte pro Jahr verbrauchen. (Foto: Pixabay)

Neu schaffen Private, wenn man ihnen denn glauben will, auf der Basis der Blockchain-Technologie eigenes Geld. Viele, viele bunte monetäre Smarties. Das wichtigste dieser seltsamen Finanzprodukte ist der Bitcoin. Lange Zeit explodierte der Wert der Bitcoins. Jetzt implodiert er. Zumindest ein bisschen. Einige Punkte müssten uns zu denken geben.

Skandal 1: Jede Transaktion im Bereich der Bitcoins ist mit einem untragbar hohen Energieverbrauch verbunden. Um ihre Computer zu kühlen, hat es einige dieser selbsternannten digitalen Goldgräber in die Berge verschlagen, wo tiefere Temperaturen die Computer kühlen sollen. Man müsste Krypto­währungen nur schon aus Umweltschutzgründen subito verbieten. Bisher hat keine Umweltorganisation das zu einem ihrer Kernthemen gemacht. Warum, bleibt eines der ungelösten Welträtsel.

Skandal 2: Kryptowährungen versuchen bisher erfolgreich, sich allen staatlichen Kontrollen zu entziehen. Sie sind – neben und nach dem Bargeld – der ideale Geldfluss, in dem schmutziges Geld sauber gewaschen werden und nicht versteuertes Geld frei zirkulieren kann. Auch hier schaut man den Dingen einfach zu. Und hofft, dass die Märkte das Problem lösen werden.

Skandal 3: Die Schaffung von Geld ist für den Staat hochrentabel, jedenfalls wenn er es halbwegs vernünftig anstellt. Bei den Bitcoins, die dem Staat das Währungsmonopol ent­reissen wollen, ist genau dies nicht mehr der Fall. Kryptowährungen sind die staatsfeindlichen Kinder des Neoliberalismus.

Ein scharfer Kritiker der Bitcoins ist der US-Nobelpreisträger und Ökonom Paul Krugman. Er bringt das Problem auf den Punkt: «Kann ich mich irren? Natürlich. Aber wenn Sie einwenden, dass ich falsch liege, dann beantworten Sie bitte die Frage, welches Problem Kryptowährungen eigentlich lösen. Hören Sie auf, die Skeptiker lediglich mit einer Mischung aus Techno-Gebabbel und libertärem (marktliberalem, Red.) Geschwätz niederzubrüllen.»

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/smarties
    Nestlé produziert Smarties angeblich für die Kinder. Smarties sind ungesund, weil sie viel zu viel Zucker und zu viele Farbstoffe enthalten. Man müsste sie wie Bitcoins verbieten.
  • rebrand.ly/kryptoland
    «Kryptoland ist schon fast abgebrannt.» Davon geht das deutsche «Handelsblatt» aus.
  • rebrand.ly/willi
    Der Journalist Willi Wottreng hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Von der maoistischen Partei KPS/ML bis zur «NZZ am Sonntag». Und bewegende Geschichten und Menschen haben ihn immer interessiert. So auch jene des Walliser Falschmünzers Farinet. Damals wurden die Falschmünzer des Volkes verfolgt und erschossen. Heute werden die Kryptomanen auch von SP-Politikern gehätschelt wie dem ehemaligen Zuger Stadtpräsidenten.
  • rebrand.ly/energiefresser
    Die Bitcoin-Miner, so nennen sich diese selbsternannten Goldschürfer, brauchen pro Jahr bereits mehr Strom als alle Schweizer Haushalte und Unternehmen zusammen. Die Schaffung eines einziges Bitcoins benötigt 42 000 Kilowattstunden Strom. So viel, wie 10 Schweizer Haushalte pro Jahr an Strom verbrauchen.
  • rebrand.ly/gelddruck
    Jörg Bibow setzt sich im deutschen Onlinemagazin «Makroskop» mit der Politik der US-Notenbank FED auseinander. Die USA haben ihre Schulden verdoppelt, aber die Schuldenlast blieb gleich. Wegen der tiefen Zinsen und wegen der (dank Gelddrucken) erhöhten Seigniorage. So wird der von einer Zentralbank erzielte Gewinn bezeichnet, der durch die Emission von Zentralbankgeld entsteht. Noch setzen wir uns zu wenig mit der Frage auseinander, was passiert, wenn wir der Schweizer Nationalbank 500 Milliarden wegnehmen und dieses Geld in einen Staatsfonds stecken würden.

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