Der neue Postchef Roberto Cirillo kommt von französischem Skandalkonzern

Garantiert der Falsche

Ralph Hug

Ein Hors-sol-Manager aus London wird neuer Postchef. Unter ihm als Generaldirektor kam es im französischen Catering-Konzern Sodexo immer wieder zu Streiks.

DER UNBEKANNTE. Der neue Postchef Roberto Cirillo. (Foto: ZVG)

Hat uns da CVP-Mann Urs Schwaller ein faules Ei gelegt? Der Präsident des Post-Verwaltungsrats zauberte letzte Woche den Tessiner ­Roberto ­Cirillo (47) aus dem Hut. Cirillo who? Der Sohn italienischer Einwanderer, der im Tessin aufgewachsen ist, wird ab April 2019 neuer CEO und damit Chef von 60’000 Postangestellten. Er tritt die Nachfolge von Susanne Ruoff an. Sie musste wegen des Postauto-Skandals gehen. Schwaller pries den neuen Unbekannten in einer Medienmitteilung für seine internationalen Erfahrungen im Management. Eine Medienkon­ferenz hielt Schwaller offenbar nicht für nötig. Also glänzte Cirillo gleich zu Beginn durch ­Abwesenheit: kein Interview, kein Service public, nichts. Nur ein Foto und eine schöne Phrase: ­Cirillo wolle «gemeinsam mit den Mitarbeitenden ein Stück Schweizer Identität weiterent­wickeln».

Cirillo hat keine Erfahrung mit Service-public-Unternehmen.

ALLES FÜR DIE AKTIONÄRE

Schwaller präsentiert als obersten Postchef also einen Mann, der noch nie mit einem Service-public-Unternehmen zu tun hatte und ­keinen Fuss im Bundeshaus hat. Da reibt sich sogar die «Handelszeitung» die Augen: «Entweder ist Cirillo ein unentdecktes Naturtalent. Oder Schwallers Ernennung endet in einem Desaster.» In Frankreich jedenfalls kam es unter Cirillos Führung immer wieder zu Streikaktionen. Cirillo war dort von 2007 bis 2014 bei Sodexo beschäftigt, ab 2009 als Generaldirektor für Frankreich. Sodexo ist ein bei uns wenig bekannter Weltkonzern im Cateringgeschäft mit 20 Milliarden Euro Umsatz und über 400’000 Angestellten.

Frankreichs Gewerkschaften werfen Sodexo Tieflöhne und Menschenrechtsverletzungen in Übersee vor. In Marseille und Lyon gab es 2011 Streikaktionen, 2013 in Le Mans und 2015 erneut in Marseille. Letztes Jahr traten Angestellte wegen der geplanten Schliessung einer erst 2009 installierten Grossküche sogar in den Hungerstreik. Eine Sodexo-Angestellte berichtete vor fünf Jahren, sie verdiene 2200 Euro und arbeite zehn Stunden am Tag. Die Gewerkschaft CGT titelte: «Sodexo – alles für die Aktionäre, nichts für die Angestellten». Keine gute Nachricht für die Post-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter.

McKINSEY-BOY

Cirillo hat sein Handwerk bei den Wirtschaftsberatern und Stellenabbauern von McKinsey gelernt. Und sagt: «Die Techniken, die ich dort gelernt habe, haben mir sehr viel geholfen.» Vom Profil her passt er somit nahtlos in den seit Jahren laufenden Umbau der Post vom Grundversorger zum Profitkonzern. Die dringend nötige Kurskorrektur hin zum Service public ist von ihm kaum zu erwarten. Als typischer Hors-sol-Manager wirkt Cirillo seit mehr als zehn Jahren weit weg von der Schweiz. ­Zuerst in Paris, dann in London, wo er im Verwaltungsrat der Chemiefirma Croda sitzt und vorher drei Jahre lang die britische Augenklinikkette Optegra führte.


Die Post und ihre Manager
Kein Ruhmesblatt

NACH SKANDAL ABGETRETEN. Ex-Post-Chefin Susanne Ruoff gab sich nach dem Auffliegen des Postausto-Bschisses ahnungslos. (Foto: Keystone)

Susanne Ruoff, 2012–2018: Unter Post-Präsident Peter Hasler (FDP) wurde sie 2011 gewählt. Laut ­Hasler «eine Perle». Sie gab sich beim jahrelangen Postauto-Bschiss ahnungslos. Doch das glaubte ihr niemand. Im Juni musste sie gehen.

Claude Béglé, 2009–2010: Unter dem Kurzzeitpräsi­dium des CVP-Manns ­brachen wilde Machtkämpfe aus. Er wollte nach Asien expan­dieren und schasste den CEO Michel Kunz.
Dann ­setzte ihn Bundesrat Moritz ­Leuenberger 2010 ab.

Ulrich Gygi, 2000–2009: Der Finanz­spezialist und SP-Verwaltungsmann trimmte den Staatskonzern von 2000 bis 2009 gnadenlos auf Gewinn. Mit Jobabbau, Auslagerungen und prekären Löhnen.

Reto Braun, 1998–2000: Der unbekannte Manager aus der IT-Branche war nur 16 Monate als CEO an Bord der Post. Eine Fehlbesetzung.

Jean-Noël Rey, 1990–1998: Er war der letzte PTT-General­direktor vor der Aufspaltung des Staatskonzerns in Post und Swisscom. Weil der SP-Mann von ­alter Schule
und kein Deregulierer war, musste er 1998 unter Filz­vorwürfen ­abtreten.

1 Kommentar

  1. Tagliavini Urs

    Es ist traurig, was mit der POST passiert. Einen Tag nach der Bundes-Abstimmung wurde bekannt, dass die POST 600 Poststellen schliesst. Hätte das Stimmvolk dies vor der Abstimmung erfahren, wäre der Service Public bachab geschickt worden. VR-Präsident Schwaller muss weg – er nickt alles ab. Er ist ein Politiker, kein Unternehmer. Und was macht Post-com Chef Hollenstein? Er wurde als Regierungsrat abgewählt und frisst jetzt in Bern sein Gnadenbrot. Auch er hat von Service Public keine Ahnung und sollte den Post- Oberen auf die Finger klopfen. Noch schlimmer ist der Geschäftsbereich Post-AUTO. Da wurde um Millionen beschissen und diese Typen laufen immer noch frei herum. Die gehören subito hinter Gitter. Gelogen und betrogen heisst die Devise.

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