100 Jahre Landesstreik: Das grosse work-Extra

Mutter aller Streiks

Marie-Josée Kuhn

Wir haben die AHV und die IV. Wir haben die Proporzwahl bei den Nationalrats­wahlen. Wir haben die Fünftagewoche. Und wir haben das Frauenwahl- und -stimmrecht. All diese Errungen­schaften gehören heute so fest zur Schweiz wie das Matterhorn. Und fast all diese Errungenschaften erlebten ihre Geburtsstunde am Generalstreik von 1918.

9. NOVEMBER 1918. Vor hundert Jahren hat das Oltner Komitee zum Generalstreik aufgerufen. Ein einmaliges Ereignis in der Schweiz. (Foto: Stadtarchiv Winterthur / Archiv SGB, Montage: work)

Es ist Winter, es ist Hunger, es ist Krieg. Wer ins Militär muss, bekommt keinen Ausgleich für den Lohnausfall. Arbeiterfamilien darben. Nur die Reichen, die leben gut. Unternehmer und Aktionäre streichen sagenhafte Renditen ein. Die Verbitterung der Arbeiterinnen und Arbeiter ist ein Pulverfass. Ende September streiken die Zürcher Bank­angestellten um die Anerkennung ihres Verbandes und für bessere Löhne.

10-Seiten-Extra für ein Jahrhundert­ereignis.

Die Finanzwelt gerät in Panik. Sie sorgt sich um ihr Geld und um den Ruf des Schweizer Bankenplatzes. Denn man befand sich in einer heiklen Aufbauphase des Steuerparadieses Schweiz, wie der Historiker Hans Ulrich Jost schreibt. ­General Ulrich Wille ist ein glühender Bewunderer des deutschnationalistischen Kaisers ­Wilhelm II. und macht sich zum Sprachrohr dieser Banker-Kreise. Als das Oltener Aktionskomitee für den 9. November einen Proteststreik gegen die militärische Be­setzung von Zürich und Bern ausruft und wenig später 250’000 Menschen auf die Strasse gehen, sieht Wille nur noch rot. Er und seine Generäle schicken die Armee los. Wille und sein Oberstdivisionär, der ­spätere Nazifreund Emil Son­deregger, verhetzten den grössten Volksaufstand in der Schweizer Geschichte als ferngesteuerten Bolschewiken-Putsch. So wie das heute noch Christoph Blocher tut. Am 13. November will er auch jenen Soldaten vaterländischen Dank aussprechen, die im Generalstreik in Grenchen SO drei junge Männer töteten. Zwei davon mit einem Schuss in den Hinterkopf. Sie waren nicht mal am Streik ­beteiligt.

JUSO UND FRAUEN. Der Landesstreik war die Mutter aller Streiks. Und seine Forderungen waren die Blaupause für die heutige Schweiz. Diesem Jahrhundert­ereignis widmet work deshalb eine Extrabeilage. Und zeigt 100 Jahre danach:

  • Das war am Landesstreik wirklich los: work-Redaktor Ralph Hug auf den
    Spuren der damaligen Gewerkschafter-Rapporte, Seite 3.
  • Die Pionierinnen des Landesstreiks waren die Frauen: Seiten 6–7.
  • Die Armeeführung suchte die Konfrontation, eine Analyse von Historiker Hans Ulrich Jost, Seite 8.
  • Das waren die Juso von damals, Seite 5.
  • Wie mein Grossvater Paul Keller gegen die Streikenden einrücken musste, Enkel und Historiker Stefan Keller erinnert sich.

work präsentiert auch das neue ­Landesstreik-Handy-Game für die Hosen­tasche und vieles mehr. Wir ­wünschen Spannung und Kurzweil bei der Lektüre.

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