Solarstrom: Bald günstiger Winterstrom aus den Alpen?

Die Schweiz hinkt Deutschland bei den neuen, erneuerbaren Energien hinterher. Derzeit bewegt sich bei der Solarenergie technisch aber unheimlich viel. Wird die Schweiz nun endlich erwachen?

STROM FÜR 6 RAPPEN: Bifaziale Zellen produzieren Strom mit der Vorder- und der Rückseite. Am meisten
im Winter, wenn Schnee liegt. (Foto: Unsplash / Grafik: work)

Es lohnt sich, in der Energiepolitik etwas über die Grenzen zu schauen. Deutschland ist in Sachen neuer, erneuerbarer Energien viel weiter als wir. Und trotzdem sinkt der CO2-Ausstoss auch in Deutschland nicht. Warum das?

Die Kilowattstunde Strom ist für die deutschen Haushalte und Unternehmen im Verhältnis zur Kilowattstunde Öl und Gas viel zu teuer. Nicht wegen der ­Kosten, zu denen neue Solar- und Windanlagen Strom produzieren. Sondern weil die hohen Subventionen für die vor Jahren erstellten Anlagen auf die Netzkosten abgewälzt werden. Und so den Strom verteuern. Deshalb reissen die Deutschen ihre Öl- und Gasheizungen nicht raus und ersetzen sie nicht durch Luft-Wasser-Wärmepumpen, die laufend leiser, günstiger und effizienter werden.

WÄRMEPUMPEN. Deutschland kann das Problem auf zwei Arten lösen: Es ver­teuert Öl, Gas und Kohle mittels einer CO2-Steuer. Oder der Staat kauft den Besitzerinnen und Besitzern die alten Wind- und Solaranlagen ab und macht einen einmaligen Abschreiber.

Die schwäbische Hausfrau und der bayrische Rappenspalter würden zu Hunderttausenden alte Anlagen raus­reissen und neue Wärmpumpen ­einbauen. Weil die Kostenvorteile nicht zu übersehen sind. In der Schweiz hingegen kommt die Windkraft nicht voran. Überall meldet sich die Opposition zu Wort. Ist das richtig oder falsch, obwohl wir in den Alpen beste Lagen hätten? Spielt keine Rolle, es ist leider, wie es ist. Deshalb ­weichen unsere Stromunternehmen in Sachen Wind­energie ins Ausland aus. Umgekehrt bewegt sich im Bereich der Solar­energie technisch unheimlich viel:

  • Lichtstrahl 1: Solarzellen werden immer effizienter. 370 Watt pro Modul sind nächstens der neue S­tandard. Es braucht neu nur mehr gut 4 Quadratmeter Fläche, um eine ­Kilowatt Leistung zu installieren.
  • Lichtstrahl 2: US-Präsident Donald Trump hat die Zölle auf chinesische Solarzellen massiv erhöht. Gleichzeitig hat China seine Ausbaupläne reduziert. Dies kombiniert führt zu Überproduktion und Preiskampf. Gut für alle, die in der Schweiz nächstens Solarzellen kaufen. Vorübergehend schlecht für die Herstellerfirmen und ihre Angestellten in China. Aber letztlich wird das den ökologischen Umbau beschleunigen.
  • Lichtstrahl 3: Bifaziale Solarmodule produzieren sowohl mit ihrer Vorder- als auch mit ihrer Rückseite Strom. Sie ­kosten heute praktisch gleich viel wie ­traditionelle Module. Obwohl sie viel mehr Strom produzieren, vorab, wenn man sie in den Alpen auf über 2000 Metern installiert. Bisher hat man das alpine Potential vernachlässigt. Jetzt testet die Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften an vertikal aufgestellten Solarwänden das Potential bifazialer Zellen oberhalb von Davos.
  • Lichtstrahl 4: Die deutsche Unter­nehmung Schletter produziert neu einachsige, kostengünstige Freiflächen-Tracker, die dem Stand der Sonne folgen. Und die im Winter den Schnee abschütteln können.

Heute ist es absehbar möglich, in den Alpen Freiflächen-Solaranlagen zu erstellen, die Strom pro Kilowattstunde für maximal 6 Rappen produzieren. Über 40 Prozent des so produzierten Stroms würden im Winter anfallen. Wie lange dauert es, bis sich alle mit dieser neuen Ausgangslage auseinandersetzen?

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/Solargrill
    An der Intersolar 2018 präsentierte Schletter seinen neuen Solargrill. Das in Bayern beheimatete Unternehmen hofft, damit seine wirtschaftlichen Probleme zu über­winden. Die Kosten pro installierte Kilowattstunde sollen für diese Art der Aufständerung unter 200 Franken liegen.
  • rebrand.ly/Alpenstrom
    In Davos testen die Zürcher bifaziale Zellen im Gebirge: Die Vorteile macht diese Website mit Grafiken klar.

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