Grosse work-Serie:
Frauenjahr

Die Frauen haben genug gewartet. Deshalb wurde am 14. Juni das Frauenjahr ausgerufen. work begleitet es mit einer Serie von Artikeln  vom Frauenstimmrecht bis zur Lohngleichheit. 

GENUG: Die Frauen haben es satt, noch länger auf die Lohngleichheit zu warten. (Foto: work)

Früher gab es das Mannwerk als Schätzmass. Es entsprach dem Tagewerk eines Mannes, unter Umständen unter Zuhilfenahme von Zugtieren. Ein Frauwerk gibt es nicht. Obwohl wir inzwischen wissen, dass das Frauwerk schon bei den Jägern und Sammlern das wichtigere war für das Fortkommen der Menschheit. Es müsste korrekterweise heissen die Epoche der Sammlerinnen und Jäger. Doch letztere redeten sich schon früh und laut in den Vordergrund der Geschichte. Und ihr Mannwerk ebenfalls. Als «Ernährer» der Familie. Ihren Lohn sehen deshalb viele heute noch als «Ernährerlohn». Und als legi­timen Grund für die Lohn­ungleichheit zwischen Frau und Mann.

DER LOHNBSCHISS. Jede erwerbstätige Frau wird heute im Schnitt um 7000 Franken im Jahr geprellt. Nur deshalb, weil sie eine Frau ist. Und um 303’000 Franken in ihrem ganzen Erwerbsleben.

Das haben die Expertinnen des Berner Büros für arbeits- und sozialpolitische Studien (BASS) exklusiv für work berechnet. Zwar hat der Ständerat nach langem Hin und Her jetzt doch noch Mini-Massnahmen gegen diesen Lohnbschiss durch­gewinkt. Er möchte ­Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten alle vier Jahre einer Lohnanalyse unterziehen. Das wären aber nur 1 Prozent aller Unternehmen. Wenn es im bisherigen Schlendrian weitergeht, dauert es noch mindestens 60 Jahre bis zur Lohngleichheit.

DIE WORK-SERIE. Doch die Frauen haben es satt zu warten. Juso und SP haben am 14. Juni, 27 Jahre nach dem grossen Frauenstreik, das Frauenjahr ausgerufen. Und Forderungen gestellt: Lohngleichheit, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, keine Gewalt mehr gegen Frauen. Und in der Westschweiz diskutieren Gewerkschafterinnen bereits den Frauenstreik 2.0. Es ging 62 Jahre bis zum Frauenstimmrecht; 88 Jahre bis zur Gleichstellung im Eherecht; 60 Jahre bis zur Liberalisierung der Abtreibung und 86 Jahre bis zur Mutterschaftsversicherung. Und wie lange noch bis zur Lohngleichheit?

Am 22. September steigt in Bern die grosse Frauendemo.

Ein Zwischenhalt in diesem Frauenjahr. work begleitet es mit einer Serie von Artikeln. Blick zurück und Blick nach vorne. Hier der Rückblick der Historikerin Elisabeth Joris auf das Mauern der Männer beim Frauen­stimmrecht.

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