Rosa Zukunft ‒ Technik, Umwelt, Politik

Biotech in Visp: Kippt die Stimmung zugunsten der Gentechnik?

In Visp VS sind zwei von fünf geplanten gigantischen Biotech-Pyramiden im Bau. Die Lonza will sich damit an der Weltspitze der Gentechnik positionieren.

TEMPEL FÜR DIE PHARMA-GÖTTER: In Visp VS will die Lonza fünf Forschungs- und Produktionscenter für Biotech-Start-ups bauen, die wie die Maya-Pyramiden von Lateinamerika aussehen. (Foto: ZVG)

Ist Gentechnik gut oder ist Gentechnik schlecht? Die Mehrheit der Menschen in unseren Breitengraden finden gentechnisch hergestellte Nahrungsmittel schlecht. Und gentechnisch veränderte Medikamente, wenn sie denn Heilung versprechen, gut.

Jetzt wollen in Visp die Lonza-Werke, wo viele Unia-Miglieder arbeiten, schrittweise fünf riesige Biotech-Pyramiden errichten. Die ersten zwei sind bereits im Bau. Das angedachte Konzept vereinfacht auf den Punkt gebracht: Start-ups entwickeln neue Wirkstoffe und lassen diese patentieren. Die Lonza-Werke stellen diese Produkte dann samt Verpackung für den Massenmarkt her. Schneller, sicherer und billiger als sonst wer auf der Welt.

Jeder dieser an südamerikanische Pyramiden erinnernden Betonblöcke soll rund 300 Millionen Franken kosten. Es ist dies – wenn die Lonza-Pläne auf­gehen – eine Mega-Investition in den Werkplatz Schweiz.

Warum wählte die Lonza den Standort Visp? Der Kanton Wallis liest der Lonza alle Wünsche von den Lippen ab. In Randregionen sind Kontrollen und Regeldichte weniger streng. Die Lonza-Werke verfügen in Visp über einen eigenen Verbrennungsofen samt Deponie. Und wenn die Abwasserreinigungsanlage stinkt, dann nehmen die Visperinnen und Visper das der Lonza nicht so übel. Am wichtigsten aber: Nirgendwo in der Schweiz halten mehr Beschäftigte einen durchgehenden Schichtbetrieb aufrecht. Während 24 Stunden pro Tag, an 365 Tagen im Jahr. Das alles nennt sich indus­trielle Kultur. Mit vielen Vorteilen und Nachteilen zugleich.

GLYPHOSAT. Der US-Pharmamulti Monsanto ist zu Recht das Feindbild Nummer eins aller Gegnerinnen und Gegner der Gentechnologie. Das Unternehmen macht die Bauern erfolgreich abhängig von seinen Produkten. Es liefert ihnen Glyphosat gegen Unkraut. Und gleichzeitig Glyphosat-resistentes Saatgut, das sich nicht nachzüchten lässt. Die Bäuerinnen und Bauern sind rentable Gefangene.

Deshalb schluckt jetzt der deutsche Chemiekonzern Bayer für viel Geld Monsanto. So wie der chinesische Staat den Biotechnologiemulti Syngenta mit seiner Chem China geschluckt hat. Sicherheitshalber beteiligt sich der Staatsfonds von Singapur bei Bayer. Weil alle beim grossen Reibach dabei sein wollen. 200 Jahre nach der Geburt von Karl Marx schreitet die Monopolisierung nicht nur im Bereich der digitalen Wirtschaft voran. Die deutschen Grünen wollen sich neu sortieren. Neu sortieren heisst neu orientieren. Dazu beginnen sie eine breite parteiinterne Debatte.

HAFTUNG FÜR RISIKEN. Das Ziel der neuen Führung ist klar: Sie wollen das bis heute harte Nein zu Gentech in der Lebensmittelproduktion aufweichen. Neu tönt das so: «Biotechnologie, Nanotechnologie oder Gentechnik können Krankheiten ausrotten oder heilen, sie können Leben verlängern – theoretisch sogar den Tod überflüssig machen.» Der Tod des Todes dank den bisherigen grünen Todfeinden Bio­technologie und Gentechnik?

Der einzige vernünftige Ansatz wäre: Wer die Welt mit neuen Techno­logien beglücken will, muss über eine Versicherung für die von ihm geschaf­fenen Risiken verfügen. Dies in unbeschränkter Höhe. Wir wären nie in die Atomenergie eingestiegen, um jetzt aus dieser wieder auszusteigen, wenn die zu versichernde Haftung der Betreiber nicht so verdammt klein wäre.

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/gruene
    Es lohnt sich, die deutsche Debatte zu verfolgen. Sie wird nicht ohne Auswirkungen auf die Schweiz bleiben.
  • rebrand.ly/glyphosat
    Deutschlands neue Landwirtschaftsministerin ist eine ehemalige Weinkönigin. Warum auch nicht, Politik braucht Quereinsteigerinnen. Viele Menschen brauchen zum Leben und Überleben ab und zu mehr oder minder harte Drogen. Nur sollte man dann legale und illegale Drogen gleichbehandeln. In Sachen Unkrautvertilger Glyphosat will Deutschland ein Verbot durchsetzen. Nur hat es damit Alt-Weinkönigin Klöckner nicht eilig.

Schreiben Sie einen Kommentar

Bitte füllen Sie alle mit * gekennzeichneten Felder aus.