Donald Trumps ehemaliger Berater tingelt durch Europa
Bannon, Köppel und das Netzwerk der harten Rechten

«Hi, Steve!»: Der Auftritt von Trumps Ex-Berater Steve Bannon unlängst in Zürich offenbart die engen Bande führender SVP-Exponenten mit der weltweiten radikalen Rechten.

RECHTER KLÜNGEL: Von Marine Le Pen bis Roger Köppel – die radikale Rechte in Europa ist gut vernetzt. (Montage: #tt / work; Fotos: Keystone)

Über tausend Leute sind im Saal. 90 Prozent SVP-Fans, 10 Prozent Neugierige. «Weltwoche»-Verleger Roger Köppel betritt die Bühne: «Hi, Steve!» Applaus brandet auf, die Show beginnt. Trumps ehemaliger Berater Steve Bannon trägt wie immer Rebellenlook mit Dreitagebart und Schlabberhose. Dagegen steckt Köppel in Anzug und Krawatte fest. Doch der Kontrast täuscht. Im Kopf der beiden sieht es ähnlich aus. Sie denken rechts. Weit rechts. Und sie möchten die Rechten in Europa noch weiter nach rechts drängen. Auch die SVP. Deshalb hat «Weltwoche»-Chef Köppel den rassistischen Vorreiter Bannon auch eingeladen.

Von Bannon soll die Strategie «America first!» stammen. Damit hat mit Trump erstmals ein Immobilienspekulant, der von Politik keine Ahnung hat, den Sprung ins Weisse Haus geschafft. Zuvor hatte Bannon als Chef der rechtsextremen Website «Breitbart News» jahrelang das Terrain für diesen Coup bereitet (siehe Box). Obwohl von Trump letztes Jahr gefeuert, verehren ihn die radikalen Rechten als genialen Macher.

In Zürich drosch Bannon in der Manier eines geübten Demagogen eine Stunde lang auf den Mainstream, das Establishment und die Finanzelite ein. Er brandmarkte die Globalisierung, die Jobs vernichte und Büezer arbeitslos mache. Steve Bannon fordert nationale Abschottung, patrio­tische Werte und einen aggressiven Kampf gegen die Linke. Diese würde «alles zerstören, wofür wir Jahrzehnte gearbeitet haben».

«TRUMPS GEHIRN»: Steve Bannon bei seinem Vortrag in Zürich, dahinter (rechts) Roger Köppel. (Foto: Keystone)

BRÜDER IM GEISTE

Köppel und Bannon sind Brüder im Geiste. Sie fühlen sich als Bannerträger einer konservativen Revolution. Daher auch Bannons Lobpreisung des SVP-Führers Blocher. Dieser habe sich schon 1992 bei der EWR-Abstimmung ganz allein gegen Brüssel gestellt und gewonnen: «Dr. Blocher was a Trump before Trump!» Brandender Applaus im Saal. Blöd nur, dass Blocher angeblich nie etwas mit Rechtsextremen zu tun haben wollte. Jetzt ist er für sie plötzlich zum grossen Helden geworden.

Niemand stört, dass Bannon Fake News zum besten gibt – genau das, was er immer den Medien vorwirft. So pries er Trump über den Klee als umsichtigen Regenten im Weissen Haus, der zwar nichts lese, aber immer zuhöre und eigenständig entscheide. Das Gegenteil davon ist wahr. Bannon weiss es selbst am besten. Prahlte er doch einmal, er sei «Trumps Gehirn». Nachzulesen auf Seite 225 im Enthüllungsbuch «Feuer und Zorn» von Michael Wolff. In diesem Werk zeichnet Wolff ein Sittengemälde der irren ­Zustände in Washington. Der geschasste ­Bannon selbst steckte Wolff zahlreiche ­Insiderinfos.

Bannon ist Mitglied der Sekte Christian Science.

DER WANDERPREDIGER

Nach eigenen Worten ist Bannon Mitglied von Christian Science, einer Sekte. Daher seine Begabung als Wanderprediger? Jedenfalls tingelt er in einer Art Polit-Road­show quer durchs Netzwerk von Europas radikalen Rechten. Vor Zürich war er in Mailand im Umfeld von Matteo Salvini, dem fremdenfeindlichen Führer der Lega, der 600 000 Migranten aus Italien werfen will. Zwischenstation machte er im Tessin bei Tito Tettamanti. Der Financier im Dunstkreis der SVP schart gerne Rechts­intellektuelle um sich. Und in einem Hotel in Zürich traf Bannon auch Alice ­Weidel, Co-Fraktionspräsidentin der rassistischen Alternative für Deutschland (AfD). Er gab ihr Tipps für den Aufbau einer Propaganda-Website à la «Breitbart News».

Dann zog Bannon nach Frankreich zu Marine Le Pen, der Führerin des rechts­extremen Front national, und hielt dort eine Rede. Tritt er bald auch bei den nationalisten Ostereuropas auf? Etwa beim ­österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache mit seinen Verbindungen zu braunen Burschenschaften? Oder bei Viktor Orbán, der gerade die Demokratie Ungarns zerstört? Bannon bezeichnete ihn in Zürich als «grossen Europäer». Wie auch immer: Bannon will seine rechtsextremen Botschaften in Europa auf neuen, nationalistischen Websites verbreiten.

Chefideologe: Bannon entzückt Neonazis

Steve Bannon (63) war Wahlkampfmanager und grosser Einflüsterer von Donald Trump im Weissen Haus. Er stammt aus ­einer Arbeiterfa-milie, hat dieses Milieu aber längst hinter sich gelassen. Er studierte in Harvard und machte Geld bei der Superkapitalistenbank Goldman Sachs. Dann war er Filmproduzent und verkaufte rechten Republikanern Jubelfilme über die rechte Bewegung Tea Party und Propagandavideos gegen Linke.

BREITBART. Schliesslich wurde er Chef des ultrarechten Internet­portals «Breitbart News», einer rassistischen Website der neuen Rechten («Alt-right»). Als ihn Trump nach seiner Wahl 2016 zum Strategieberater machte, waren US-Neonazis entzückt: «Bannon ist unser Mann im ­Weissen Haus.» Im August 2017 feuerte Trump Bannon wegen Differenzen in ­seinem Team.

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