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Dreckluft: China will Aufwind-Katalysatoren einsetzen

Die neualte grosse Koalition in Deutschland bedeutet ökologischen Stillstand. Derweil unternimmt China einiges gegen den Feinstaub.

LÄSST AUFATMEN. Chinas Kamin senkt zwar den CO2-Ausstoss nicht, reinigt aber die Luft. (Foto: zvg)

Das süsse Gift der Macht wirkt: Der Parteitag der deutschen Sozial­demokraten gab grünes Licht für eine dritte GroKo. Wenn auch knapp. Nur, dass dies gar keine grosse Koalition mehr ist. Weil CDU, SPD und CSU zusammen nur mehr 50 Prozent der Stimmen auf sich vereinen.

Das 28 Seiten lange Ergebnis­papier der Sondierungsgespräche ist oberlausig formuliert und bringt ökonomisch, ökologisch und gesellschaftlich keine Bewegung in die deutsche Politik. Angela Merkel + Horst Seehofer + Martin Schulz bedeuten Stillstand und Unverstand. Arg negativ ist unter anderem: Das Klimaziel 2020 wird verschoben. Und der Ausstieg aus dem Kohlestrom auf die lange Bank geschoben. Positiv ist immerhin, dass Deutschland pro Kopf auch in Zukunft, direkt und indirekt, für die Armee nur halb so viel ausgibt wie die Schweiz. Die deutschen Militärausgaben werden in Prozent des Bruttoinlandprodukts absehbar sogar sinken, wenn die Wirtschaft weiter wächst.

PEKING STINKT. Kohlestrom stösst pro Kilowattstunde viel zu viel CO2 und Feinstaub aus. Trotzdem stellt man weltweit nur die schlimmsten Dreckschleudern ab. Weil die ökonomischen Anreize fehlen, um schneller umzusteuern. Wunder wirken würde eine weltweite, einheitliche CO2-Steuer, die berechenbar und schrittweise angehoben würde. Die Qualität der Luft in den chinesischen Grossstädten wie Peking spottet jeder Beschreibung. Die gemessenen Feinstaubwerte sind 6 Mal höher als die in der EU zugelassenen. Jetzt hat die kommunistische Partei – sie regiert das kapitalistische China – erste Massnahmen ergriffen. Sie hat Stinkfabriken im Raum Peking geschlossen und Kohlenfeuerungen in den Häusern untersagt. Die Folge: In diesem Winter ist die Feinstaubbelastung in Peking nur mehr halb so hoch wie im letzten Winter. Aber die Menschen frieren etwas.

LUFTEINTREINIGER. Der einzige vernünftige Weg aus dieser Umweltkrise wäre die noch schnellere Umstellung auf Solar- und Windkraftwerke, verbunden mit dem flächendeckenden Einsatz von Elektroautos und Luft-Wasser-Wärmepumpen. China macht viel und gleichzeitig immer noch zu wenig. China hat kaufkraftbereinigt die USA als weltweit stärkste Volkswirtschaft überholt. Natürlich mit weit tieferen Pro-Kopf-Einkommen, weil mehr Menschen in China als in den USA leben. China bildet mehr Ingenieure aus als die USA und die EU zusammen. Diese werden immer besser und innovativer. Sie wollen mit einer patentgeschützten Idee das Feinstaubproblem lösen:

  • In den von Feinstaub belasteten Städten sollen gewaltige Katalysatortürme gebaut werden: Höhe 500 Meter, Durchmesser 200 Meter. Den Strom, den sie brauchen, produzieren Solarzellen.
  • Ein erster, 100 Meter hoher Testturm steht bereits. Pro Tag soll dieser Turm 10 Millionen Kubikmeter vorgängig erwärmter Luft umwälzen.
  • Auf ihrer Reise durch den Riesenschlot wird die Luft mittels Pflanzenplantagen gereinigt und entstaubt. Alles angetrieben durch Solarenergie
    Wenn die Katalysatortürme zu vernünftigen Kosten funktionieren,
    reduzieren sie einiges, nicht aber den CO2-Ausstoss. Sie helfen also nicht gegen die Klima­erwärmung.

Die Idee ist faszinierend. Von weitem gesehen auch etwas spinnig. Wie einst der Turmbau zu Babel. Aber probieren geht bekanntlich oft über zu viel studieren.

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/sondierung
    Wer sich interessiert, kann hier das GroKo-Sondierungspapier herunterladen.
  • rebrand.ly/franksieren
    Seit mehr als zwei Jahrzehnten berichtet der «Handelsblatt»-Korrespondent Frank Sieren aus China. Ausgesprochen gut und informativ. Kürzlich auch über den Kampf der Kommunisten gegen den Feinstaub.
  • rebrand.ly/probeturm
    Radio China international vermeldet, dass der 100 Meter hohe Probeturm in der Stadt Xi’an erfolgreich errichtet wurde.
  • rebrand.ly/falschefrage
    Der Zürcher Historiker Manuel Kaiser blickt kritisch in die Zukunft. Für ihn braucht es ökologisch mehr als irgendwelche technischen Lösungen, deren Resultate nicht zu Ende bedacht werden. Technisch, gesellschaftlich und politisch kommt der Wettbewerb der Ideen und Konzepte in Gang.

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