Stadtluft macht frei: Fahrverbot für Diesel und Benziner

Der ökologische Umbau erfolgt in den Städten schneller als gedacht. Weil der politische Druck wächst. Und weil moderne Städter sowieso aufs eigene Auto verzichten.

Esso-Werbung aus benzinseliger Zeit: Bald kann der Tiger einpacken. (Foto: ZVG)

Ist es ökologisch sinnvoll, wenn wir von diesel- oder benzingetriebenen Autos auf Elektroautos umsteigen? Oder sind Elektroautos, wenn man ihre Produktion einbezieht, gar nicht so umweltfreundlich, wie viele von uns meinen? Die deutsche «Wirtschaftswoche» hat nachgerechnet. Basis der Berechnung ist ein Auto, das bis zu seiner Verschrottung 160 000 Kilometer zurücklegt. Das Resultat: Selbst wenn man den heutigen deutschen Strommix – mit zu viel Kohlestrom drin – dem Vergleich zugrunde legt, sind Elektroautos bereits viel umweltfreundlicher.

Fünfmal umweltfreundlicher ist aufgrund dieses Quervergleiches ein neuer Elektro-Nissan, wenn wir den Strom aus regenerierbaren Quellen wie Sonne oder Wind beziehen.

LAUTER LÜGEN. Jeder technische Fortschritt wurde bisher zunächst bekämpft.
Lüge 1: Für viele galten Sicherheitsgurten als brandgefährlich, weil man ihretwegen nicht aus einem Auto springen könne. Heute retten Sicherheitsgurten jedes Jahr Zehntausenden das Leben.

Lüge 2: Für nicht wenige Autonarren waren Katalysatoren Teufelswerk, weil gar nicht genügend seltene Metalle für ihre Produktion zur Verfügung stehen würden. Ohne Katalysatoren wären viele Städte längst unbewohnbar.

Lüge 3: Während mehr als eines Jahrzehnts behaupteten die Gegner der Solarenergie, die Herstellung von Solarzellen verbrauche mehr Strom, als diese während ihrer Lebensdauer produzieren könnten. Wahr ist das Gegenteil: Innert 12 Monaten haben sie so viel Energie produziert, wie ihre Produktion zuvor beansprucht hat.

MEHR DRUCK. Lügen haben leider verdammt lange Beine. Weil sich hinter den meisten umweltfeindlichen Fake-News durchsichtige und kurzsichtige wirtschaftliche Interessen verstecken. Trotzdem kommen Benzin- und Dieselautos viel schneller unter Druck, als die meisten denken. Das hat nicht nur mit dem technischen Fortschritt zu tun, sondern auch mit den politischen Rahmenbedingungen:

Druck 1: In Deutschland kommt es zu einer Regierung der rechten Mitte. Dies unter Beteiligung der Grünen. Jamaika hat nichts mit Bob Marley zu tun. Damit die Grünen mitmachen, brauchen sie etwas politischen Zucker. Unter dem Strich: mehr Elektroautos und weniger Kohlestrom.

Druck 2: In deutschen Innenstädten drohen von Richtern verhängte Fahrverbote für fast alle Dieselfahrzeuge, weil die Autoindustrie ihre Dieseltechnik nicht hardwareseitig nachrüsten will.

Druck 3: In immer mehr Städten und Ländern sollen Benzin- und Dieselfahrzeuge ganz verboten werden. In Paris dürfen nach den Olympischen Spielen 2024 keine Dieselfahrzeuge mehr verkehren. In Grossbritannien werden ab 2030 keine Benzin- und Dieselfahrzeuge mehr zugelassen werden.

PRIVATAUTO, ADIEU. Warum bewegt sich in Städten wie Paris so viel? 60 Prozent der Pariser haben gar kein Auto mehr. Wer politisch gegen Luftverschmutzung vorgeht, hat nicht nur den technischen Fortschritt, sondern auch die Mehrheit auf seiner Seite. Richtig Fahrt bekommt der ökologische Umbau erst, wenn das Privateigentum an den Autos aufgehoben wird und sich selbst steuernde Elektroautos unsere Mobilitätsbedürfnisse befriedigen. Etwas kompliziert, aber nicht so kompliziert wie ein Rubbellos.

Links zum Thema:

  • rebrand.ly/robotaxi
    Alle beginnen zu rechnen, um wie viel Mobilität günstiger wird, wenn sich selbst steuernde Elektrotaxis uns hin und her chauffieren. Die UBS ist mehr als optimistisch: Pendeln werde bald nur mehr ein Drittel so teuer sein wie heute.
  • rebrand.ly/verbotparis
    Was für Auswirkungen haben Fahrverbote in grossen Städten für Benzin- und Dieselautos? Niemand weiss viel Genaues. Auch das Leibblatt des deutschen Kapitals nicht

 

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