worktag
Ragu Mahalingam (54) sorgt dafür, dass aus digitalen work-Daten eine Zeitung entsteht

Die work-Zeitung gibt es seit 25 Jahren. Genauso lange arbeitet Ragu Mahalingam in der St. Galler Druckerei, wo work heute gedruckt wird. 

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WO DIE WORK-ZEITUNG GEDRUCKT WIRD: CTP-Operator Ragu Mahalingam. (Foto: Stephan Bösch)

Zuerst geht es durch einen Lagerraum mit meterhohen Papierrollen. Dann durch die Produktionshalle, wo die Zeitungen in der Transportanlage im Sekundentakt über die Köpfe hinwegschweben, bevor sie adressiert, gebündelt und für den Versand bereitgemacht werden. Hier hat Ragu Mahalingam vor 25 Jahren mit seiner Arbeit in der Produktion der Druckerei begonnen. Damals wurde die Anlage, die heute zu CH Media Print gehört, im Industriegebiet von St. Gallen gerade neu eröffnet. Während mehrerer Monate lernte Mahalingam 2001 zusammen mit den anderen neuen Mitarbeitenden, wie die verschiedenen Anlagen bedient und gewartet werden.

Die Maschinen sind hochautomatisiert, aber wenn etwas klemmt, ein Papier reisst oder eine Anlage stillsteht, muss der Fehler innert weniger Minuten behoben werden können. Denn jede Nacht werden hier die Zeitungen für sechs Regionalausgaben des St. Galler Tagblatts gedruckt. Und alle drei Wochen auch rund 60'500 Exemplare der work-Zeitung. 

Kontrolle

Beim Redaktionsabschluss von work erhält Mahalingam ein Telefon von work-Produktionsleiter Parzival Meister. Mahalingam sagt: «Meist ist das Layout gegen zehn Uhr abends fertig, und dann sind wir dran.» Mahalingam ist in der Druckerei als CTP-Operator für die Produktion der Druckplatten verantwortlich. CTP steht für «Computer to plate». Mahalingam kontrolliert alle Seiten, die ihm von den Redaktionen zugesandt werden. Wenn alle Seiten an der richtigen Stelle und die Druckdaten im richtigen Format sind, lässt er die Druckplatten belichten. Er kontrolliert sie dann nochmals, bevor sie in die Druckmaschine eingesetzt werden.

KONTROLLE AM BILDSCHIRM: Bevor eine Zeitung gedruckt wird, müssen die Daten durch die Kontrolle von Ragu Mahalingam. (Foto: Stephan Bösch)

An einem Pult nebenan arbeitet eine Kollegin an der Feinjustierung der Farben, die der Computer voreinstellt, so dass die Bilder nicht nur am Bildschirm, sondern auch in der gedruckten Version im richtigen Farbton erscheinen. Und hinter der Glasscheibe dreht und rattert die Druckmaschine, die sich über insgesamt vier Etagen erstreckt.

Weiterleiten

Die interne Schulung zum CTP-Operator und damit den Wechsel von der Produktionshalle in die obere Etage des Druckzentrums hat Mahalingam vor vier Jahren gemacht. Sein Wunsch war es, nochmals etwas Neues im Betrieb zu lernen, und sein Chef war damit einverstanden. Mahalingam sagt:

Ich bin einer, der immer weiterlernen möchte, und weil ich den Betrieb so gut kenne, kann ich auf verschiedenen Positionen als Ersatz einspringen, wenn dies nötig ist.

EIN ALLROUNDER: Ragu Mahalingam. (Foto: Stephan Bösch)

In der Druckerei gebe es trotz allgemein rückläufigen Abozahlen bei den Printzeitungen immer noch genug Arbeit, sagt Mahalingam. Er hoffe, dass dies auch noch bis zu seiner Pensionierung in rund zehn Jahren so bleibe.

Er und seine Kolleginnen und Kollegen arbeiten in drei Schichten: Früh-, Spät- und Nachtschicht. Die Nachtschicht beginnt jeweils um 20 Uhr und dauert meist bis 3 Uhr morgens, wenn die Autokuriere mit der Auslieferung der Tageszeitungen beginnen. Bei gutem Wetter fährt Mahalingam mit dem Velo die fünf Kilometer lange Strecke nach Hause nach Gossau SG.

Routine

In der Regel ist die Arbeit in der Nachtschicht in der Druckerei am stressigsten. Aber Mahalingam bringen auch dicht getaktete Produktionsabläufe und Deadlines nicht aus der Ruhe. Seine Routine und sein Sinn für Ordnung helfen ihm in seinem Job.

IN DER PRODUKTIONSHALLE: Mahalingam arbeitet seit 25 Jahren für die Druckerei. (Foto: Stephan Bösch)

Auch mit den Arbeitsbedingungen in der Druckerei ist Mahalingam zufrieden. Für ihn und alle Produktionsmitarbeitenden von CH Media gilt der Gesamtarbeitsvertrag der grafischen Industrie. Dieser GAV mit den Gewerkschaften Syndicom und Syna garantiert den dreizehnten Monatslohn, fünf bis sechs Wochen Ferien, Zuschläge für Nacht- und Sonntagsarbeit, bezahlte Weiterbildungen sowie die volle Lohnfortzahlung bei Krankheit oder Unfall. Mit dem Lohn ist Mahalingam zufrieden.

Wahrheit

Die Printversion der St. Galler Zeitung erhält Mahalingam als Mitarbeiter der Druckerei gratis nach Hause geschickt. Auch ins work schaut er rein, wenn es druckfrisch ab Presse läuft. Mahalingam schätzt Zeitungen und Journalismus, vor allem seriös recherchierte Geschichten. Mit den digitalen Medien und Social Media werde es in der heutigen Zeit immer schwieriger zu erkennen, was Fake News und Wahrheit sei. 

WACHSAMES AUGE: Ragu Mahalingam begutachtet eine Druckplatte. (Foto: Stephan Bösch)

Ragu Mahalingam: Wichtig ist Zeit für die Familie

Ragu Mahalingam lebt mit seiner Frau und zwei Kindern in der Kleinstadt Gossau SG. Aufgewachsen ist Mahalingam in Sri Lanka, und Ende der 80er Jahre kam er in die Schweiz. Hier machte er eine Anlehre als Koch und war über viele Jahre in der Gastronomie beschäftigt, bevor er in die Druckerei wechselte.

EINBÜRGERUNG. Heute bezeichnet Mahalingam Gossau als seine zweite Heimat. Im Jahr 2009 liess sich Mahalingam in der Schweiz einbürgern. Seine Freunde hätten ihn dazu motiviert. Die Schweiz sieht er als Vorbild, weil hier die öffentliche Infrastruktur so gut funktioniert. Die stetig steigenden Gesundheitskosten und Krankenkassenprämien bei fast gleichbleibenden Löhnen sieht er als grösstes aktuelles Problem in der Schweizer Politik.

KINDER. In seiner Freizeit ist Mahalingam häufig mit seinen beiden Jungs, die im Schulalter sind, unterwegs. Im Sommer in der Badi, auf dem Velo, zum Wandern in der Umgebung oder im Kino. Zuletzt hat er mit seinen Kindern den Film «Michael» über die Geschichte des Popstars Michael Jackson gesehen. Für Mahalingam ist es wichtig, möglichst viel Zeit mit seinen Kindern zu verbringen, denn die Zeit mit ihnen vergehe schnell und sei unwiederbringlich.

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