Laura mal laut
Laura und der Robin Hood der Container

Beitrag vorlesen lassen.
0:00 / 2:59

«Kommst du mal containern, Laura?» Das war ich noch nie gefragt worden. Es war ein Nachmittag mit Sonnenschein und Gingerbeer in einer Gartenbeiz. Spontan hatte ich begonnen, mit einem unbekannten Suure-Most-Gspönli zu plaudern. Meine neue Bekanntschaft berichtete von Reisen und davon, wie man mit wenig Arbeit und Geld durchkommt. So kamen wir auf das Thema «Dumpster Diving», auch «Containern» genannt. Containern bedeutet, in den Abfallbehältern von Lebensmittelgeschäften und Produktionsstätten nach Nahrungsmitteln zu suchen. 

Laura Gonzalez Martinez ist Verkäuferin in Zürich und Gewerkschafterin.

Blödsinn

«Die Lebensmittel sind in Ordnung», sagte das Gspönli. An Tagen, an denen es gut läuft, sind mehrere Säcke zu holen, und das Gspönli verteilt diese auch an die Nachbarinnen oder Arbeitskolleginnen. «Weshalb tust du das?», erkundigte ich mich. Mit grossen Augen erwiderte mein Gegenüber, so Geld sparen zu können und dass die Ware trotz Druckstellen in einem einwandfreien Zustand sei. Auch das Mindesthaltbarkeitsdatum sei schliesslich nur ein Richtwert. «Warum sollte das zu Biogas werden? Das ist eine Verschwendung und Blödsinn noch dazu!» Stimmt. Ich weiss, was alles in den Containern landet. Das sind riesige Mengen an Lebensmitteln. Ein Teil wird an die Foodsave-Organisationen abgegeben, jedoch handelt es sich nur um einen kleinen Teil, nämlich um Obst und Gemüse. 

Lämpen

Alles, was ein Ablaufdatum hat, wird zu Biogas. Das Gspönli wird konkreter und erklärt mir genau, wie und wo ich was bekommen könne. Bei welchen Geschäften es sich lohnt, vorbeizuschauen, und welche das sogar inoffiziell unterstützen, in dem die Container zugänglicher sind. «Wie sieht es rechtlich aus?», will ich wissen. «Ganz legal ist das nicht», sagt mein Gegenüber. «Die Container stehen meistens auf privatem Gelände, das ist schon mal Hausfriedensbruch. Und die Ware mitnehmen ist halt Diebstahl. Das kann Lämpen geben. Aber die Unternehmen begehen mit dieser Verschwendung das grössere Verbrechen!» 

Cool

Obwohl ich finde, dass das Gspönli recht hat, lasse ich mich nicht auf dieses Abenteuer ein. Ich nutze lieber «Madame Frigo»: Das sind öffentliche Kühlschränke, in denen Privatpersonen die übriggebliebenen Lebensmittel abgeben oder mitnehmen können. Die Standorte sind auf der Homepage leicht zu finden, und Freiwillige aus den jeweiligen Quartieren betreuen die Kühlschränke. Es ist nur ein kleiner Tropfen auf den heissen Stein, aber eine coole Sache.

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.