Tieflohn für Sommerjobs
Migros Genf mag keine Mindestlöhne

Seit diesem Sommer dürfen Unternehmen in Genf bei Studierenden den Mindestlohn für Ferienjobs um 25 Prozent senken. Die Migros macht mit beim Lohndumping.

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MIGROS MAG TIEFLÖHNE: Coop hingegen hielt sich an den regulären Mindestlohn. (Foto: Keystone)

Vor sechs Jahren stimmte eine klare Mehrheit der Genferinnen und Genfer für einen kantonalen Mindestlohn. Heute liegt er bei 24.59 Franken pro Stunde und ist eine Erfolgsgeschichte: Geringverdienende in Genf haben höhere Einkommen, und es gibt mehr Lohngleichheit zwischen Frauen und Männern. Entgegen allen bürgerlichen Schreckensprognosen ist die Arbeitslosigkeit nicht angestiegen. Dennoch stimmte im Frühjahr 2026 eine Mehrheit für eine Ausnahme beim Mindestlohngesetz: Studierende dürfen während der Semesterferien zu 75 Prozent des Mindestlohns angestellt werden. Das entspricht 18.44 Franken pro Stunde.

Sommerjobs bleiben Mangelware

Die Befürworterinnen und Befürworter der Vorlage argumentierten, dass dadurch Ferienjobs «gerettet» werden könnten. Diesen Sommer kam die Ausnahmeregelung ein erstes Mal zur Anwendung. Für Zora Holzer (22), Sekretärin der Studierendengewerkschaft der Universität Genf (CUAE), hat sich die Vorhersage der Arbeitgeber vorerst nicht bewahrheitet: «Wir haben keinen wesentlichen Anstieg der Sommerjobs festgestellt. Für Studierende war es diesen Sommer genauso schwierig, eine Arbeit zu finden.» Und es gibt auch Arbeitgeber, die für ihre Sommerjobs weiterhin den regulären kantonalen Mindestlohn bezahlen: So etwa die Stadt Genf oder Coop, wo 74 Studierende als Ferienaushilfen arbeiteten. Anders die Migros. Nachdem sie in den Jahren 2024 und 2025 keine Ferienjobs angeboten hatte, gab es beim Detailhändler in diesem Sommer 19 zusätzliche temporäre Stellen mit dem tieferen Stundenlohn.

Die neuen Ferienjobs bei der Migros

Doch aus welchen Gründen erfolgte diese Aufstockung bei den Sommerjobs? War es eine betriebliche Notwendigkeit? Konnte sich der orange Riese die sechs Franken mehr pro Stunde in den Jahren zuvor nicht leisten? Oder ist es politisches Kalkül, um den Arbeitgebern einen Beweis für die Wirksamkeit ihrer politischen Agenda zu liefern? Auf Anfrage der französischsprachigen Unia-Zeitung «L’Evénement syndical» schreibt die Migros Genf: «Die Gesetzesänderung hat […] eindeutig eine Rolle bei unserer Entscheidung gespielt, diese Ferienjobs wieder einzuführen.» Die Migros schreibt von einer doppelten Chance: «Unseren Teams bieten wir damit punktuell etwas mehr Flexibilität und Unterstützung. Und junge Menschen, die in der Region studieren und leben, können bei uns erste Berufserfahrungen machen.» Für die Studierenden, die in den neuen Tieflohnjobs arbeiten, bedeutet es aber vor allem einen massiven Lohnverlust. Mit sechs Franken weniger pro Stunde haben sie bei einem Vollzeitpensum am Ende des Monats rund 1000 Franken weniger auf dem Konto. Zora Holzer befürchtet auch längerfristig negative Folgen:

Das ist ein erster Angriff auf den Mindestlohn von Studierenden, dieser könnte in Zukunft auch noch weiter ausgehöhlt werden.




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