Mahnwache in Untersiggenthal
«Solidarität heisst hinzuschauen, wenn andere wegschauen»

Mit Applaus, Tränen und klaren Botschaften solidarisierten sich rund 400 Menschen in Untersiggenthal mit Iwona L. und ihrer Tochter Paula. work war bei der Mahnwache dabei und hat mit den Teilnehmenden gesprochen.

Der Fall des ehemaligen Aargauer SVP-Grossrats Patrick Frei erschüttert die Schweiz. Der 57-Jährige soll drei Frauen fast 200-mal mit K.-o.-Tropfen gefügig gemacht und vergewaltigt haben. Zu den Opfern gehören die Polin Iwona L. und ihre damals 14-jährige Tochter Paula. Die Staatsanwaltschaft fordert eine lebenslange Freiheitsstrafe, für Patrick Frei gilt die Unschuldsvermutung. Doch der Skandal endet nicht bei den mutmasslichen Taten.

Auch die Behörden stehen in der Kritik: Zuerst gewährten sie den beiden polnischen Opfern, die wegen ihrer totalen Abhängigkeit von Frei vor dem finanziellen Nichts standen, nur 1000 Franken monatlich zu. Dieser Betrag liegt unter der vom Kanton Aargau festgelegten Existenzsicherung. Dann verfügte das Aargauer Migrationsamt auch noch die Ausweisung von Iwona L. und ihrer Tochter! Zudem erhielten sie einen Strafbefehl und eine über 2000 Franken hohe Busse wegen angeblicher Behördentäuschung bei der Einreise. Der zuständige Regierungsrat Dieter Egli (SP) hat sich zwar mittlerweile in der «Aargauer Zeitung» entschuldigt und gestand, die Opfer hätten «nicht die Hilfe erhalten, die sie hätten bekommen müssen.» Das damalige Verfahren des Migrationsamtes verteidigte er indes als «rechtlich korrekt». Mittlerweile seien aber neue Erkenntnisse hinzugekommen, die zu einer anderen Beurteilung geführt hätten. Genauer wollte sich Egli nicht äussern. Iwona L. und ihrer Tochter droht demnach noch immer die Ausschaffung.

Mit einer Mahnwache in Untersiggenthal setzten die SP Frauen Aargau am Montag, 27.Juli, ein Zeichen für die Betroffenen und gegen das Behördenversagen. Zahlreiche Menschen kamen, um ihre Solidarität zu zeigen und besseren Opferschutz zu fordern. Iwona L. bedankte sich in einer kurzen Rede für die Unterstützung und kündigte an, mit einem YouTube-Kanal einen «Raum für Frauen» schaffen zu wollen. «Ich will Frauen in ähnlichen Situationen helfen», sagte sie unter Applaus.

work war vor Ort und hat die Teilnehmenden gefragt, weshalb Solidarität gerade jetzt wichtig ist und was sich beim Opferschutz ändern muss.

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