Der grosse Überblick
Feministischer Streik: Was läuft wo am 14. Juni?

Schlechte Arbeitsbedingungen und tiefe Löhne in sogenannten Frauenberufen sowie die Chaosinitiative der SVP: Es gibt genug Gründe, um am 14. Juni auf die Strasse zu gehen. work zeigt Ihnen, was in Ihrer Region läuft. 

Beitrag vorlesen lassen.
0:00 / 13:40
FRAUEN AUF DIE STRASSE: Am 14. Juni – und die Tage davor – ist wieder einiges los in der Schweiz. (Foto: www.14juni.ch)

Dieses Jahr fällt das Datum des feministischen Streiks auf einen Sonntag – gestreikt wird trotzdem! Mit verschiedenen Aktionen und in vielen Städten machen Aktivistinnen, Kollektive und Gewerkschaften auf die Anliegen der Frauen und FLINTA-Personen aufmerksam. 

Bern:

In der Bundesstadt wird der feministische Streik dieses Jahr etwas anders begangen als in den Vorjahren. Statt einer grossen Demo in der Innenstadt sind verschiedene dezentrale Aktionen geplant, im Sinne eines «feministischen Festivals», wie es auf der Website heisst. Es soll ein Zeichen dafür sein, dass «Feminismus überall ist und nicht nur in einem komprimierten Bereich wie zum Beispiel einem Demozug». So findet etwa am 12. und 13. Juni im Atelyeu in Wabern ein Vulven-Töpfern statt. Wer gerne ein Plakat basteln möchte, kann dies am 13. Juni im Drahtesel Liebefeld tun. Am Streiktag selbst schliesslich ist die Auswahl gross: Von einem feministischen Zmorge oder Brunch über Yoga und Basteln bis hin zu einer feministischen Leseecke und einem Frauenabend im Wald wird alles angeboten. Und auch ohne Umzug wird es laut: Von 15 bis 20 Uhr sind auf dem Bundesplatz verschiedene Reden, Musik und ein feministisches Rahmenprogramm geplant.


Luzern:

«Wer wegschaut, macht mit. Verantwortung tragen, jetzt!» lautet das Motto des feministischen Streiks in Luzern. Bereits am 12. Juni beginnt das «Vorglühen» für den grossen Tag: Das «Warm-up» mit Lesung, einem Soli-Znacht, Musikquiz und Party findet im Treibhaus Luzern statt. Am Sonntag starten Interessierte um 13 Uhr im Vögeligärtli. Hier gibt es verschiedene Stände, Reden, ein Kinderprogramm sowie Kaffee und Kuchen. Ab 15.30 Uhr versammeln sich hier die Demonstrierenden für die grosse Kundgebung. Im Pavillon am Quai Luzern können alle den Tag bei Musik und Essen ausklingen lassen.


Zürich:

Das feministische Streikkollektiv Zürich organisiert sich dieses Jahr unter dem Motto «Pflege, Sorge, Hausarbeit – das ist unbezahlte Arbeitszeit!». Das Programm beginnt um 13 Uhr beim Kasernenareal/Zeughausareal mit Ständen, einem Kindertheater, verschiedenen Workshops, Verpflegungsmöglichkeiten und einer ­alkoholfreien Bar. Um 13.30 Uhr beginnt das offizielle Programm auf der Hauptbühne mit einer Eröffnungsrede und anschliessendem Quiz zum Thema unbezahlte Care-Arbeit. Wer gerne am fe­ministischen Streik teilnehmen möchte, aber Lautstärke nicht verträgt oder schnell reizüberflutet ist, kann sich dem Silent Block anschliessen. Dort wird leise demonstriert, ohne Musikanlagen, ohne Böller und mit Ohrstöpseln. Interessierte treffen sich um 16.45 Uhr beim Kino Xenix. Von da geht der Silent Block gemeinsam zur Demo.


Basel:

Auch Basel ist wütend: über geschlechtsspezifische Gewalt und Diskriminierung, über ungleiche Löhne für gleiche Leistung und über unsichtbare und unbezahlte Care-Arbeit. Der feministische Streik beginnt um 13 Uhr auf dem Petersplatz, die Rede­beiträge sind ab 13.30 Uhr geplant, der Umzug ist auf 15 Uhr angesetzt. Wer aus Liestal oder Umgebung anreist, kann sich am 12. Juni an der FLINTA-Party im Hilmig oder am 14. Juni um 11 Uhr mit dem feministischen Brunch in Liestal einstimmen. Nach dem Brunch folgt die gemeinsame Reise nach Basel.


Zug:

«Wir fordern feministische Politik, wir wollen nicht nochmals 30 Jahre auf Gleichstellung warten!» heisst es in Zug. Der Tag startet um 13 Uhr auf dem Oberen Postplatz mit gemein­samem Singen. Dann beginnt die Demo mit verschiedenen Reden.

Mehr Infos: frauenstreikzug.ch 


St. Gallen:

Auch in St. Gallen wird es laut, wütend und bunt. «Von der Wirtschaft über die Politik bis ins Privatleben: Unsere patriarchal geprägte Gesellschaft benachteiligt noch immer Frauen, Lesben, intersexuelle, nichtbinäre, trans, agender und genderqueere Personen (FLINTAQ*)», heisst es auf der Website des Streikkollektivs. Die Aktio­nen beginnen am 13. Juni: Da gibt es auf dem «Bär*innenplatz» einen Raum für Erholung, denn: «Wir sind erschöpft!». Die Ruhe-Oase soll ein Zeichen setzen gegen die vielen Stunden Care-Arbeit und die dauerhafte Mehrfachbelastung, unter der viele Frauen leiden. Am Abend stimmen ein feministisches Soliquiz (Anmeldung nötig) und eine Party auf den folgenden Tag ein. Am 14. Juni wird es ab 14 Uhr mit Reden und einer Kundgebung im Stadtpark laut. 


Biel/Bienne:

In Biel lädt unter anderem der Frauenplatz Biel zum feministischen Streik auf dem Walserplatz ein. Die Demonstration beginnt um 14 Uhr, doch schon ab 13 Uhr findet ein gemeinsames Einstimmen statt. Bis 20 Uhr sind Reden geplant, es gibt Infostände, Essen, Musik und Aufführungen. 


Aarau:

Was ist eigentlich genau Care-Arbeit? Das will das feministische Streikkollektiv Aargau am 13. Juni mit dem Care-Markt (ab 13 Uhr, Markthalle Aarau) aufzeigen: Neben Austausch und Vernetzung soll der Care-Markt auch Raum schaffen, um gemeinsam Forderungen für den grossen na­tionalen Care-Streik 2027 zu formulieren und Schilder für die Demo vom 14. Juni zu gestalten.

Zentral informiert

Auf der nationalen Streikwebsite www.14juni.ch finden Sie eine Übersicht über alle geplanten Aktionen in der Schweiz sowie die offiziellen Forderungen und ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen rund um den feministischen Streik. Wer an keiner Aktion teilnehmen kann oder will, kann sich trotzdem solidarisch zeigen und den 14. Juni mit einer Spende unterstützen oder den offiziellen Streik-Pin sowie ein Streik-T-Shirt erwerben. (mk)

Unia unterwegs: Wo Sie uns finden

Natürlich ist auch die Unia am 14. Juni in der ganzen Schweiz präsent. Zum ­Beispiel hier:

  • Basel: Redebeiträge ab 13.30 Uhr, Demo-Beginn um 15 Uhr, Petersplatz.
  • Bern: Es gibt einen Unia-Stand auf dem Waisenhausplatz (ab 15 Uhr).
  • Biel: Demonstration und Fest ab 15 Uhr. Besammlung auf dem Neumarktplatz. Film, Essen und ­Diskussion zum Thema Care-Arbeit um 12 Uhr im Haus pour Bienne, ­Kontrollstrasse 22. 
  • Naters VS: Ab 18 Uhr ­treffen sich FLINTA und ­solidarische Menschen im Restaurant Zuckerpuppa. Alle Interessierten sind ­willkommen.
  • Winterthur: Die Demo findet ab 17 Uhr am Neumarkt statt. Wer mit den Unia-Frauen und solidarischen Männern mitlaufen möchte, kann sich vorgängig bei Besjana Shala (besjana.shala@unia.ch) oder am Streiktag direkt beim Unia-Stand melden. 
  • Zürich: Die Unia ist am Care-Market vor der Demo (13 – 17 Uhr, Kasernenareal/Zeughausareal) mit ­einem Stand präsent. ­Gemeinsam werden Fächer bemalt. Wer mit den Unia-Frauen mitlaufen möchte, meldet sich direkt beim Stand. Die Demo startet um 17.30 Uhr am Bürkliplatz. (mk)

Einstimmen auf den 14. JuniFilme über Selbstbestimmung und Frauenrechte

work stellt fünf Filme vor, die auf ganz unterschiedliche Weise Frauenrechte und Feminismus thematisieren. Mal sachlich, mal wütend, mal animiert. 

DIE GÖTTLICHE ORDNUNG

Während in Deutschland und Österreich das Frauenstimm- und -wahlrecht kurz nach dem Ende des Ersten Weltkriegs eingeführt wurde, mussten die Schweizer Frauen bis 1971 -warten. Der erfolgreichen Ab-stimmung gingen unzählige Kämpfe, Diskussionen, Kundgebungen und in der Versenkung verschwundene Petitionen voraus. Fragen wie «Haben Frauen überhaupt die geistigen Fähigkeiten, um abzustimmen?», «Wer kümmert sich dann um die Kinder?» wurden ernsthaft diskutiert. Der Schweizer Film «Die göttliche Ordnung» (2017) zeigt den Weg zur erfolgreichen Abstimmung auf. 


SHE SAID

2017 veröffentlichte die «New York Times» eine Reportage, die bis heute nachwirkt. Es ging um jahrzehntelangen sexuellen Missbrauch von Frauen in Hollywood. Im Zentrum: Harvey Weinstein. Der Film «She Said» (2022) zeichnet feinfühlig und unaufgeregt die Arbeit der beiden Journalistinnen Megan Twohey und Jodi Kantor nach: die Recherchen, die Widerstände, die Hartnäckigkeit und den Mut, den es brauchte, um den betroffenen Frauen eine Stimme zu geben und das Schweigen zu brechen. Die Journalistinnen lösten mit ihrer Arbeit die #MeToo-Bewegung aus.


PERSEPOLIS

Der Film von 2007 basiert auf den erfolgreichen Comics von Marjane Satrapi, die kürzlich im Alter von 56 Jahren verstorben ist. In den Comics erzählte die französisch-iranische Künstlerin, wie sie 1979 die islamische Revolution im Iran erlebt hatte, und zeichnete ihren Weg ins Exil nach, zwischen religiösem Fundamentalismus und Entwurzelung, zwischen Tradition und Selbstbestimmung. Die Graphic Novels wie auch der Film sind in Schwarzweiss gehalten, und auch wer Animiertes normalerweise nicht mag, wird sofort in den Bann gezogen. 


FEMINISM WTF

Was ist Feminismus, warum wird er immer wieder in Frage gestellt, und was haben Männer damit zu tun? Mit solchen Fragen setzt sich der österreichische Dokumentarfilm (2023) auseinander. Es ist eine unterhaltsame Lehrstunde über Gender-Equality und darüber, welche Themen unter dem Oberbegriff Feminismus verhandelt werden. Gender- und Queerforscherinnen, Soziologinnen und Philosophinnen kommen zu Wort und bringen spannende Perspektiven zu Themen wie Care-Arbeit, Körperwahrnehmung und Kapitalismus ein.


GIRLS & GODS

Sind Kirchen an sich frauenfeindlich, oder liegt es an der männlichen Auslegung heiliger Schriften? Dieser Frage geht der schweizerisch-österreichische Dokumentarfilm (2025) nach. Im Zentrum steht Inna Schewtschenko, Mitbegründerin der «Femen»-Bewegung. Der Film begleitet sie auf einer Reise durch Europa und die USA, auf der sie zum Beispiel exkommunizierte katholische Frauenpriesterinnen trifft, eine Gemeinschaft von Ex-Muslimas, feministische Kopftuchbefürworterinnen und Abtreibungsgegnerinnen. 

Buchtipp

Was ist Rape-Culture? Was ist mit Victim-Blaming gemeint? Und was hat das patriarchale System damit zu tun? Agota Lavoyer, Schweizer Autorin und ­Expertin für sexualisierte Gewalt, klärt in ihrem 2024 erschienenen Buch «Jede_ Frau. Über eine Gesellschaft, die sexualisierte Gewalt verharmlost und normalisiert» über Begriffe und Mythen auf und stellt klar: Jede Frau wird mit sexualisierter Gewalt konfrontiert. Das Buch ist harte Kost, rüttelt auf und macht wütend – und sollte von jeder und jedem und immer wieder gelesen werden. (mk)

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.