Klimaschutz bei Holcim & Co.
Weniger Beton für «Bullshit-Bauten»

Brücken, Wohnblöcke, Datenzentren: Auf Beton ist unsere moderne Welt gebaut. Eine neue Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zeigt die verheerenden Auswirkungen der Zementindustrie und zeichnet Alternativen auf.

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EINER DER GROSSEN IM MARKT: Holcim hat schweizweit 60 Standorte, dazu gehört das Zementwerk in Eclépens VD. (Foto: Keystone)

Beton ist in der heutigen Bauwirtschaft kaum wegzudenken und beliebt bei Bauherren und Industriebetrieben. Aber Beton ist neben Kohle, Öl und Gas auch der klimaschädlichste Stoff dieser Welt und alles andere als nachhaltig: Die Zementindustrie ist für fast neun Prozent der globalen CO₂-Emissionen verantwortlich und damit drei Mal schädlicher als der weltweite Flugverkehr. Die neue Studie der Rosa Luxemburg Stiftung verweist neben den Klimaschäden auch auf die Umweltzerstörung durch den Abbau von Sand, Luftverschmutzung, absinkende Städte, sich auftürmende Abfallberge und die gesundheitlichen Auswirkungen auf Arbeiter und Arbeiterinnen. Die globale Produktion und der Verbrauch wachsen dennoch weiter an. Bald wird das Gewicht der weltweiten Betonmasse das Gewicht der Biomasse – also aller Tiere, Menschen und Pflanzen dieser Welt – übersteigen.

Klimaschädlichster Schweizer Konzern

Einer der weltweit grössten Zementproduzenten ist Holcim mit Hauptsitz im Kanton Zug. In der Schweiz betreibt der Konzern insgesamt rund 60 Standorte. Dazu gehören die Zementwerke in Eclépens VD, Siggenthal AG und Untervaz GR sowie Kieswerke, Betonwerke und Recyclingzentren. Etwa 1500 Menschen arbeiten für Holcim Schweiz. Die Werke gehören zu den energieintensivsten Industrieanlagen des Landes. In den Drehöfen wird Kalkstein bei Temperaturen von 1400 Grad gebrannt. Dabei entsteht Klinker – der Hauptbestandteil von Zement. Dieser chemische Prozess verursacht grosse Mengen CO₂: Global sind es bei Holcim etwa 100 Millionen Tonnen pro Jahr, was mehr als dem Doppelten der Emissionen der ganzen Schweiz entspricht.

Klimaklage gegen Holcim in Zug

Holcim gerät deshalb auch immer wieder in den Fokus von Klimaaktivistinnen und -aktivisten. Ende 2020 besetzte ein Klimakollektiv während mehrerer Monate den Holcim-Steinbruch Mormont im Kanton Waadt. Und im Kanton Zug klagen vier Bewohnerinnen der indonesischen Pazifikinsel Pari gegen den Schweizer Konzern, weil ihr Zuhause durch den steigenden Meeresspiegel bedroht ist. Holcim wird als einer der 180 weltweit klimaschädlichsten Konzerne für die Schäden mitverantwortlich gemacht. 

Grüner Beton oder Greenwashing?

Die Risiken für das zukünftige Geschäft hat man inzwischen auch bei Holcim erkannt und versucht sich als Vorreiter einer klimafreundlichen Industrie zu präsentieren. Der Konzern investiert in Recyclingbeton, alternative Brennstoffe und Technologien zur CO₂-Abscheidung. In der Schweiz arbeitet Holcim mit dem Zürcher Klima-Start-up Neustark zusammen, um CO₂ dauerhaft in mineralischen Baustoffabfällen zu speichern. Doch die steigende Menge der Gesamtproduktion frisst die meisten Fortschritte bei der Reduktion der Emissionen weg. Die Autoren der Studie kritisieren die starke Fokussierung der Zementkonzerne auf die CO₂-Abscheidung. Diese sogenannten Carbon-Capture-Technologien sind teuer, energieintensiv und bisher kaum in industriellem Massstab erprobt. Statt immer mehr Beton «grüner» zu machen, müsse die Gesellschaft grundsätzlich weniger Rohstoffe verbrauchen.

Kein «Bullshit-Bau»

Die Studienautoren fordern deshalb einen radikalen Kurswechsel im Bauwesen: Bestehende Gebäude müssten länger genutzt, Abrisse reduziert und Baustoffe konsequent rezykliert werden. «Bullshit-Bauten», also Bauvorhaben, die lediglich der Finanzspekulation oder elitären Projekten dienen, müssten verboten werden. Damit die ökologische Transformation nicht auf Kosten der Beschäftigten erfolgt, müssten Gewerkschaften und Mitarbeitende bei der industriellen Planung und bei den Umschulungsprojekten einbezogen werden.

Kinotipp: Barbara Buser, Pionierin der Nachhaltigkeit

Die preisgekrönte Basler Architektin Barbara Buser (72) rettet Gebäude vor dem Abriss und baut diese mit wiederverwendetem Material um. Sie verwandelt ehemalige Industrieareale zu urbanen Lebensräumen, die für einen sorgfältigen Umgang mit unserer Umwelt und dem Miteinander stehen. Der Dokumentarfilm über Buser und ihre Arbeit läuft derzeit in verschiedenen Schweizer Kinos.

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