Sechs Fragen und Antworten zu den Gesamtarbeitsverträgen in der Schweiz
Warum sind GAV eigentlich so wichtig?

Gesamtarbeitsverträge (GAV) auszuhandeln gehört zu den Kernaufgaben einer Gewerkschaft. Doch was ist ein GAV überhaupt, und was regelt er für wen?

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VERTRAGSPARTNERINNEN: Die Gewerkschaften handeln mit Unternehmen oder Verbänden die Arbeitsbedingungen der Büezerinnen und Büezer aus. (Foto: Adobe Stock)

1. Was genau ist ein GAV?

Ein Gesamtarbeitsvertrag ist das Herzstück gewerkschaftlicher Arbeit: Es ist ein Vertrag zwischen Arbeitgeberverbänden oder einem Unternehmen und Gewerkschaften. Der GAV regelt Mindestarbeitsbedingungen für ein Unternehmen oder eine Branche und hat zum Ziel, die Arbeitsbedingungen für möglichst viele Menschen zu verbessern. Was darin festgehalten wird, gilt in den meisten Fällen nur für die gewerkschaftlich organisierten Angestellten. In der Praxis schliesst der Arbeitgeber meistens aber auch nichtorganisierte Mitarbeitende freiwillig ein, da er keine Gewerkschaftsbeitritte fördern will.

2. Was regelt der Vertrag?

Geregelt werden typischerweise Mindestlöhne, Arbeitszeiten, Ferien, Ansprüche wie der 13. Monatslohn oder Regelungen zu Frühpensionierungen. Auch Bestimmungen zum Teuerungsausgleich, zu Lohnzulagen, zum Eltern- oder Vaterschaftsurlaub und zum Kündigungsschutz können festgehalten werden.

3. Warum ist ein Gesamtarbeitsvertrag für Arbeitnehmende gut?

Da die Schweiz keine Mindestlohnregelung auf Bundesebene hat, ist der GAV die beste Garantie für gute Arbeitsbedingungen. Denn: Der GAV definiert Arbeitsbedingungen, die immer besser sind als das Gesetz – und er wirkt oft positiv auf die Gesetzgebung ein. Denn Gesamtarbeitsverträge sind oft eine Art Richtungsweiser für künftige gesetzliche Bestimmungen. Auch für die Arbeitgeber hat ein GAV Vorteile, da er gleiche Bedingungen schafft und verhindert, dass sich die Konkurrenz durch Dumpinglöhne einen Vorteil erschleicht. Die ­Mindestlöhne gelten auch für ausländische Firmen. Ein GAV liefert Gewerkschaften zudem eine gute Basis für weitere Verhandlungen. Das Ziel bei jeder Verhandlung oder Neuverhandlung ist es, die Arbeitsbedingungen an die aktuellen Bedürfnisse anzupassen.

4. Bei wie vielen GAV-Verhandlungen war die Unia beteiligt?

Die Unia hat rund 240 Gesamtarbeitsverträge als Vertragspartnerin ausgehandelt. Das betrifft die Branchen Bau, Dienstleistungsberufe, Industrie und Gewerbe. Damit wurden die Arbeitsbedingungen von rund 1,2 Millionen Arbeitnehmenden verbessert.

5. Welche Arten von GAV gibt es?

Es gibt Gesamtarbeitsverträge, die für eine ganze Branche gelten. Auf der Arbeitgeberseite steht dann ein Branchenverband. Beispiele sind der GAV ­Uhrenindustrie oder der GAV Gebäudetechnik. Dann gibt es Gesamtarbeitgsverträge, die nur für eine Firma gelten. Zum Beispiel beim GAV Coop. Gesamtarbeitsverträge haben immer einen räumlichen Geltungsbereich. Sie können für die ganze Schweiz oder auch nur für einen oder mehrere Kantone gelten. Und sie haben einen persönlichen Geltungsbereich. Das Büropersonal und die Kader sind zum Beispiel oft nicht dem GAV unterstellt.

6. Was bedeutet Allgemein­verbindlichkeit?

Ein GAV kann vom Bundesrat oder einem Kanton für allgemeinverbindlich erklärt werden, wenn bestimmte Kriterien erfüllt sind. Dann ist der Vertrag für alle Betriebe der betreffenden Branche gültig, also auch für jene, die dem Arbeitgeberverband nicht angehören.


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Bin ich einem Gesamt­arbeitsvertrag unterstellt? Falls Sie sich diese Frage stellen, können Sie dies einfach herausfinden: Die Unia stellt alle Gesamt­arbeitsverträge, bei denen sie Sozialpartnerin ist, online zu Verfügung. Über ein praktisches Tool können Sie herausfinden, ob für Ihre Branche oder Ihr Unternehmen ein GAV existiert. Nach der Eingabe der erforderlichen Daten erhalten Sie einen Überblick zu den wichtigsten Punkten wie Lohn und Ferienanspruch sowie die Möglichkeit, den GAV herunterzuladen.

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