Swiss-Life-Präsident treibt Mieten in die Höhe
Die Doppelmoral des Rolf Dörig

Der Finanz- und Versicherungskonzern Swiss Life baut Luxuswohnungen für Expats: Eine Einzimmerwohnung in Zürich kostet 3000 Franken. Gleichzeitig ist Verwaltungsratspräsident Rolf Dörig (68) ein Fan der SVP-Chaos­initiative und will zurück zum Saisonnierstatut.

Beitrag vorlesen lassen.
0:00 / 6:28
RADIKALER REICHER: Das Saisonnierstatut ist ein Schandfleck in der Schweizer Geschichte. Rolf Dörig würde dieses ausbeuterische System gerne wieder einführen. (Foto: Philippe Rossier / Ringier AG)

Swiss Life ist einer der ganz Grossen im helvetischen Versicherungs- und Immobiliengeschäft: Fast 40'000 Wohnungen in der Schweiz gehören dem Konzern. Damit ist Swiss Life beim Immobilienbesitz heute die Nummer zwei hinter der Monsterbank UBS. Die stark steigenden Boden- und Immobilienpreise in der Schweiz lassen die Kassen bei den Grossbesitzern klingeln. Doch soziale Verantwortung übernimmt Swiss Life mit seinem Immobilienpark kaum. Das müssen aktuell die Bewohnerinnen und Bewohner mehrerer Siedlungen in der Stadt Zürich erleben. Swiss Life reisst zahlreiche Häuser ab, und langjährige Bewohnerinnen und Bewohner haben die Kündigung ohne zahlbare Nachfolgelösung erhalten.

Über eine Milliarde Reingewinn

Im aktuellen Geschäftsbericht schreibt Rolf Dörig, der langjährige Präsident des Verwaltungsrats der Swiss Life mit einem Salär von jährlich 1,2 Millionen Franken: «Wir sind uns bewusst, dass die ­aktuelle Wohnungsknappheit die Menschen beschäftigt.» Dabei klammert er aus, dass seine Swiss Life mit der Zerstörung von kostengünstigem Wohnraum und dem Bau von Luxusappartements die überhöhten Mieten in der Schweiz mitverursacht. Im soeben fertiggestellten Hochhaus der Swiss Life beim Triemlispital in Zürich kostet eine Einzimmerwohnung 3000 Franken pro Monat. Doch solche Beträge hinblättern wollen offenbar nicht einmal die gutbezahlten Ärztinnen und Ärzte des nahe gelegenen Spitals. Ein Fünftel der Wohnungen stehen noch immer leer.

Für die Swiss Life ist ein solcher Leerstand finanziell jedoch kein Pro­blem. Nicht nur die Immobilienrenditen sprudeln, in der Sammelstiftung der Swiss Life sind auch weiterhin über 260'000 Versicherte aus 34'000 Betrieben mit 30 Milliarden Franken Alterskapital angeschlossen. Dank dem Rentenklau mit tief verzinsten Altersguthaben (1,75 Prozent gegenüber 7,5 Prozent bei der Migros-Pensionskasse) und dem Lebensversicherungsgeschäft lag der Reingewinn von Swiss Life für 2025 erneut bei über einer Milliarde Franken. Die Dividendenzahlungen für die Aktionärinnen und Aktionäre haben sich bei der Swiss Life in den letzten 14 Jahren versiebenfacht.

Von der FDP zur SVP

Rolf Dörig prägt diese Entwicklung der Swiss Life seit mehr als zwei Jahrzehnten. Er machte die ehemalige Genossenschaft mit sozialem Anspruch zum heutigen eiskalten Shareholder-Value-Konzern. Ab 2002 waltete er als Konzernchef und seit 2009 als Präsident des Verwaltungsrates. Der ehemalige CS-Banker war auch FDP-Mitglied und als Oberst im Generalstab der Armee ein eher unscheinbarer, aber gut vernetzter Mann des bürgerlichen Establishments. Doch 2023 wechselte Dörig die Partei und trat in der «Swiss Life Arena» vor Schweizer-Chalet-Kulisse und zwischen Strohballen an einem trumpesken SVP-Wahlkampf-Event auf. Zusammen mit dem Zürcher SVP-Milliardär Walter Frey und Stadler-Boss Peter Spuhler, der sich inzwischen von der Chaosinitiative ­distanziert hat, präsentierte sich Dörig als glühender Verfechter der SVP-10-Millionen-Initiative. In einem «Blick»-Interview im Jahr 2023 sagte Dörig: «Warum führen wir eigentlich nicht wieder das Saisonnierstatut ein? Also die begrenzte Aufenthaltsbewilligung ohne ein Recht auf Familie, wie dies die SVP vorschlägt.» Die SVP-Initiative findet er auch «gar nicht so radikal», sie passt ihm sogar bestens. Denn die Initiative fordert zwar einen 10-Millionen-Deckel für die ständige Bevölkerung, aber migrantische Arbeiterinnen und Arbeiter könnten, wenn sie Dörig und Konsorten gerade brauchen, weiterhin unbegrenzt ins Land kommen. Sie müssten die Schweiz einfach innerhalb von 12 Monaten wieder kurz verlassen.

Dichtestress nur im Kalender

Als Präsident der «Stiftung für bürgerliche Politik» mit Sitz in Zug sorgt Dörig auch dafür, dass seine reichen Freunde und Freundinnen die Politkampagnen und Initiativen der SVP möglichst ­anonym unterstützen können. Die politische Radikalisierung von Dörig kam jedoch im Versicherungsmilieu nicht nur gut an. Nach dem Austritt der Axa-Versicherungen aus dem Schweizerischen Versicherungsverband, den Dörig bis 2023 präsidierte, gab er dieses Mandat ab. Heute bevorzugt Dörig die Ruhe auf seinem 20-Millionen-Anwesen mit Seeanstoss an der Zürcher Goldküste. Dichtestress herrscht bei ihm nur in seinem Kalender: Neben seinen Sitzungen bei der Swiss Life beschäftigen ihn auch noch Verwaltungsratsmandate bei den ZSC Lions, bei der Danzer AG, bei der Emil Frey Holding AG, bei der Robert Bosch Internationale Beteiligungen, bei der Schweizerischen Alpinen Mittelschule Davos und nicht zuletzt bei der von rechten Millionären gekaperten ehemaligen Satirezeitschrift «Nebelspalter».

Schreibe einen Kommentar

Bitte fülle alle mit * gekennzeichneten Felder aus.