Viele Auspackerinnen arbeiten auf Abruf
Zalando: Mal gibt’s Arbeit, mal nicht

Nach 350 Entlassungen in Neuendorf gehen die Zalando-Päckli jetzt ins Tessin. Die Unia spricht von einem ausbeuterischen System.

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ZALANDO-RETOUREN: Die Päckli landen im Tessin und werden von Büezerinnen und Büezern mit miesen Arbeitsbedingungen verarbeitet. (Foto: Keystone)

Zalando ist der erfolgreichste Onlineshop in der Schweiz: 1,7 Milliarden Franken Umsatz machte der Kleiderhändler letztes Jahr und schlug damit Galaxus, die Nummer zwei, ganz knapp. Jedes zweite Zalando-Paket wird zurückgeschickt – und landet in Sant’Antonino in der Tessiner Magadinoebene. Dort steht ein riesiges Logistikzentrum der Firma GXO.

Die Frauen und Männer, die dort die retournierten Kleider auspacken und kontrollieren, stehen laut der Unia Tessin unter gewaltigem Druck. Den Arbeitsrhythmus sei «extrem», so Gewerkschafterin Chiara Landi in der SRF-Sendung «Schweiz Aktuell» vom 31. März:

Es herrscht ein schlimmes Arbeitsklima. Einige waren nervlich am Ende oder erlitten ein Burnout. Leute sind sogar während der Arbeit zusammengebrochen, weil der Druck und die Überwachung so stark und das Tempo so hoch sind.

Die Zalando-Retouren verarbeitet GXO erst seit Anfang 2025. Vorher gingen sie nach Neuendorf SO, wo die Firma Ceva Logistics bis zu 450 Mitarbeitende beschäftigte, die allermeisten davon Frauen. Auch sie berichteten von hohem Zeitdruck sowie von miesen Löhnen. Mit Hilfe der Unia wehrten sie sich erfolgreich und erkämpften einen 13. Monatslohn, mehr Ferien und mehr Direktanstellungen (work berichtete). Doch Zalando kündigte den Vertrag mit der Ceva auf Ende 2024, worauf diese 350 Mitarbeiterinnen auf die Strasse stellte (zum Beitrag).

Andere Firma, gleiche Masche

Wie die Ceva setzt auch die GXO im Tessin stark auf Temporär-Mitarbeitende. Laut Unia-Frau Landi benutzt die Firma «ein ganzes Geflecht von zahlreichen Temporärbüros, das ihr erlaubt, auf einen grossen Pool von sehr flexiblen Arbeitskräften zuzugreifen. Das ist ein System, das zur Ausbeutung von Tieflöhnern führt.» Denn viele der Temporärkräfte arbeiten nur auf Abruf: Manchmal bekommen sie Arbeit, manchmal nicht. Einige haben Verträge mit gerade mal 8 garantierten Stunden pro Monat.

Pikant: In Italien kassierte GXO eine Busse – weil sie ein missbräuchliches System von Personalverleihern und Unterverleihern nutzte. Der Schweizer GXO-Chef wollte dazu gegenüber SRF nichts sagen. Nur, dass alles legal sei. Und dass «nur» gut ein Drittel der Mitarbeitenden Temporäre seien, der Rest sei fest angestellt. Chara Landi widerspricht: Laut ihren Informationen hat die Mehrheit einen Temporärvertrag.

Und was sagt Zalando? Ein Sprecher schwafelt etwas von «Sozialstandards», die dafür sorgen würden, dass alle Mitarbeitenden faire Arbeitsbedingungen hätten. Auf die Frage, wie denn Zalando am Standort Sant’Antonino sicherstelle, dass diese Standards auch eingehalten würden, lächelt der Sprecher und sagt: «Diese Frage ist GXO zu stellen.»

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